Problemlöser Packaging
Weltweit verderben viele Lebensmittel unverzehrt. Optimale Verpackungen schützen vor Verderb und Zerstörung. / Von Angelika Christ*
In Nordamerika landen die meisten Nahrungsmittel im Müll.
LZnet. In Europa landen pro Kopf und Jahr Lebensmittel im Wert von 300 Euro im Biomüll. In den Industriestaaten werden nur 18 bis 32 Prozent des kultivierten Knollengemüses sowie 34 bis 44 Prozent des O&G-Anbaus wirklich gegessen. Der Welternährungsorganisation FAO zufolge sind viele Verluste vermeidbar. Im Agrar- und Verarbeitungsbereich werden unnötig Minderqualitäten aussortiert, teils aus rein optischen Gründen.
Im Handel bricht oder verdirbt falsch verpackte oder gelagerte Frischware. In Industrieländern verkommt viel beim Verbraucher, der 17 Prozent aller Kartoffel- und ein Viertel aller Getreideprodukte bei Erreichen des MHD unverzehrt entsorgt. Qualitativ und größenmäßig adäquate Verpackungen könnten Abhilfe schaffen. Doch am POS spiegelt der Packungsmix, etwa im TK-Segment, die wachsende Zahl der Singlehaushalte bislang nicht.
Die Haltbarkeit von Lebensmitteln kann heute verlängert, der Verderb gehemmt und die Bioabfallmenge gesenkt werden. Durch „intelligente“ oder „aktive“ Verpackungen, die beispielsweise antimikrobisch wirken oder bei denen Membran- oder Absorbertechnik zum Einsatz kommen.In Entwicklungsländern, wo viel Food unterwegs zum Verbraucher verdirbt, stiften auch Verpackungsklassiker viel Nutzen. Wellpappe etwa spielt ihre Vorteile – Materialstärke, Flexibilität, Konstruktion und Luftdurchlässigkeit – primär als schützende Transportverpackung aus.
Nicht zuletzt deswegen gehen laut ECR in Europa nur 3 Prozent der Lebensmittel im Logistikbereich verloren. Das Problem Lebensmittelverschwendung lindern Verpackungen auch als Träger von Informationen für Verbraucher (MHD) oder die Supply Chain (Ident-Codes). Die mit hoher Qualität bedruckbare Wellpappe steht als Primär- wie Sekundärverpackung auch hier in der ersten Reihe.
Aus ökologischen Gründen sind Politik und Gesetzgeber meist aufs Reduzieren von Verpackungsmengen fokussiert. Dies verkennt, dass richtig konzipierte Verpackungen Bruch und Verderb verhindern und so mehr Umweltprobleme vermeiden als sie selbst sind.
In Subsahara-Afrika verdirbt relativ wenig beim Verbraucher. Allerdings gehen zwei Drittel der O&G-Ernte, 54 Prozent der Kartoffeln und 38 Prozent des Fischfangs schon bei der Primärproduktion verloren. Aufgrund von Hygiene- und Logistikmängeln sowie mangelhafter oder fehlender Verpackung.
Doch es gibt auch ermutigende Ansätze. Mit dem Train-the-Trainer-Modell hat die Metro Group Rückrufe aus Ägypten von 20 auf 2 Prozent und Nach-Ernte-Verluste um 40 Prozent reduziert. Bosch stellt viele hundert Verpackungsmaschinen auf Lastwagen und stellt indischen Bauern und Behörden die Vorteile effizienter Verpackungen.
Jährlich wächst die Flotte um eine Hundertschaft. Gerade Food-Verpackungen können in der Supply Chain eine entscheidende Rolle spielen. Sie können Budgets wie auch die Umwelt entlasten und gewährleisten, dass Lebensmittel zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind, nicht verderben oder verschwendet werden.
*Die Autorin ist Secretary General der FEFCO Corrugated Packaging, Brüssel.