Erneuerbares Biomaterial
Der natürliche Rohstoff Molke macht Food-Verpackungen nachhaltiger – Wettbewerbs- und recyclingfähiges Plastik-Substitut
LZnet/hdw. Nach dreijähriger Entwicklungszeit ist das auf Molkebasis hergestellte, nachhaltige Verpackungsschicht-Material Wheylayer jetzt marktreif. Zweck des von der
EU geförderten Projekts Wheylayer war es, die bis dato in Mehrschichtfolien enthaltene Barriere aus erdölbasiertem Kunststoff durch ein kostengünstiges, recycelbares Material aus erneuerbarem Rohstoff zu ersetzen. "Alle Ziele sind erreicht", berichtet Elodie Bugnicourt.
Die promovierte Ingenieurin hat das von 14 Partnern getragene Projekt im Auftrag der EU drei Jahre lang koordiniert. Ihr zufolge schützt die innovative Folien-Zwischenschicht Milch-, Kosmetik- oder Pharmaprodukte mindestens so gut gegen die Einwirkung schädlichen Sauerstoffs wie herkömmliche petrochemische Lösungen.
Die Barrierewirkung sei zudem weit effektiver als die anderer Biomaterialien. Wird in Verpackungsfolien Wheylayer zwischen die äußere Polyethylen-Schicht und die innere PET-Schicht eingezogen, lassen sich die beiden letzteren beim Entsorgen weitaus leichter trennen. Herkömmliche Verbundfolien sind dagegen nur sehr schwer recycelbar. Obendrein kann Wheylayer laut Bugnicourt "sehr einfach" in die bestehende Verpackungsproduktion integriert werden.
Die Fachfrau erwartet, dass Wheylayer, industriell gefertigt, im Kostenwettbewerb mit Plastik-Barrieren wie Ethylen-Vinyl-Alkohol (Evoh) mithalten kann. Besonders heben die 14 Projektträger, meist Verbände und Organisationen, die kleinere und mittelständische Unternehmen (KMU) der Food-, Verpackungs- und Recyclingindustrie repräsentieren, den Faktor Nachhaltigkeit hervor.
"Molke ist ein reines, erneuerbares Biomaterial. Als Tierfutter, der aktuellen Hauptverwendung, kostet das Kilo 1 bis 2 Cent, nach Verarbeitung zum Folien-Rohstoff 7 bis 9 Euro", sagt Holmer Wöhlk. Der Lebensmitteltechniker betreibt bei der Meierei-Genossenschaft Langenhorn eine Pilotanlage zur Herstellung von Wheylayer-Vormaterial. Ihm zufolge lässt sich das Verfahren, dessen Patentierung gerade abgeschlossen wird, rasch an große Skalen anpassen.
Wöhlk spricht zurzeit primär mit kleineren Firmen. Koordinatorin Bugnicourt allerdings berichtet, dass an einer Präsentation, die vor wenigen Tagen bei einem Projektpartner in Slowenien veranstaltet wurde, "erste Adressen der europäischen Mopro-, Verpackungs- und Kosmetikindustrie sowie Maschinenbauer" großes Interesse an Wheylayer bekundet hätten.