Nachhaltiges Palmöl ist kaum gefragt
Angebot weiterhin größer als Nachfrage – Unternehmen setzen auf unterschiedliche Zertifizierungsmechanismen / Von Iris Tietze
LZnet. Trotz des zunehmenden öffentlichen Drucks tun sich die Verarbeiter von Palmöl bisher schwer mit der Umstellung auf zertifizierte Ware. Derzeit ist die Nachfrage sogar geringer als das Angebot. Von der LZ befragte Hersteller verfolgen beim Umgang mit dem Thema unterschiedliche Strategien.
Bisher wurde nur die Hälfte des weltweit nachhaltig produzierten Palmöls auch verkauft. Dies zeigt eine Studie des WWF, die beim jüngsten Treffen des Runden Tischs für nachhaltige Palmölproduktion (RSPO) in Malysia veröffentlicht wurde. Sehr unterschiedlich gehen die hiesigen Verarbeiter mit dem Thema um.
Begehrte Pflanzen
Der Rohstoff
Palmöl bzw. Palmkernöl steckt in fast jedem Produkt, von Pizza, Magarine und Schokolade bis zu Reinigungs- und Putzmitteln.
Das Problem
Umweltschützer prangern die Rodung des Regenwaldes, die Bedrohung von Tierarten wie Orang Utans und Landkonflikte mit Ureinwohnern an.
Lösungsansätze
Der RSPO (Roundtable of Sustainable Palmoil Production) will die Schäden des Palmölanbaus minimieren – mit unterschiedlichen Zertifikaten.
Mehr als die Hälfte der befragten 64 deutschen Unternehmen nutzt der WWF-Studie zufolge bereits oder in Kürze nachhaltiges Palmöl. 53 Prozent sind oder werden bald Mitglied im RSPO, einer Initiative von Industrie, Plantagenbesitzern und Verarbeitern, die es sich zum Ziel gemacht hat, negative ökologische Auswirkungen des Palmölanbaus wie Urwaldrodungen zu minimieren.
Die Strategien der Unternehmen unterscheiden sich deutlich, wie eine LZ-Umfrage zeigt. Etwa der Wasch- und Putzmittelhersteller Werner & Mertz verwendet nach eigenem Bekunden bereits heute zu 100 Prozent nachhaltiges Palmkernöl.
Dazu kauft der Produzent von Marken wie Frosch so genannte Green Palm Zertifikate in der Menge, in der er Palmkernöl verwendet. Die Einnahmen der Zertifikate werden an Hersteller und Verarbeiter weitergeleitet, die nachweislich die Nachhaltigkeitskriterien des RSPO erfüllen.
Eine andere Möglichkeit ist die strikte Trennung von zertifiziertem und unzertifiziertem Palmöl, von der Plantage bis zur Verarbeitung. Da dies kostspieliger ist, gibt es bislang kaum Hersteller, die diese Variante nutzen.
Unilever beispielsweise verfährt so z.B. im kleinen Bereich Bratfett für den asiatischen Markt. Doch für 60 Prozent seines Bedarfs von 1 Mio. Tonnen Palmöl pro Jahr kauft der Konzern Green Palm Zertifikate, der Rest ist unzertifiziertes Palmöl.
Einer der wenigen deutschen Hersteller, der nicht nur zu 100 Prozent nachhaltiges Palmöl verwendet, sondern es bis zur Plantage nachverfolgen kann, ist nach eigenen Angaben Griesson-de Beukelaer. Für seine Bioprodukte setze das Unternehmen auf diese teuere Variante der Zertifizierung.
Eine andere Variante nutzt der Fruchtspezialist Zentis, der Palmöl vorwiegend für seine Nussnugat-Creme verwendet. Die Aachener haben kürzlich einen Lieferanten beauftragt, der einen Mindestprozentanteil von 50 Prozent zertifiziertem Palmöl vertraglich zusichert.