Papierverarbeiter sehen auch die Verleger in der Pflicht
Zeitungshersteller sollen helfen, die Migration von Mineralöl in verpackte Lebensmittel zu unterbinden – Migros und Coop als Vorreiter
LZnet/hdw. Unter dem Motto "Sauberes Papier-Recycling" lädt die Papierindustrie Vertreter von Bundesministerien, Behörden sowie Verbraucherschützern und der Food-, Druck- und Zeitungsbranche zum Runden Tisch.
Ziel der Initiative ist es, gemeinsam praktikable Wege zu finden, den Übergang von Mineralölresten aus recyceltem Verpackungskarton auf darin enthaltene Lebensmittel zu unterbinden. Die Schadsubstanzen stammen aus bedrucktem Zeitungspapier, das in den Recyclingkreislauf eingebracht wurde.
Anfang 2012 will das Verbraucherschutzministerium der betroffenen Wirtschaft einen Verordnungsentwurf zustellen, der die Industrie verpflichtet, in Recyclingkarton verpackte Lebensmittel durch Kartonbeschichtungen beziehungsweise Innenbeutel zu schützen. Die Verpackungskarton-Industrie hat sich bereits selbst verpflichtet, ihre Erzeugnisse mit mineralölfreien Farben zu bedrucken und weniger kritisches Altpapier zu verwenden.
Jetzt drängt die Branche auf ein Engagement der Zeitungsproduzenten. Argument: Das Verordnen von Migrations-Höchstwerten würde den Umsatz der Papierwirtschaft um ein Viertel verringern und zudem das Recyclingsystem schwer schädigen. Die von der Verordnung kostenmäßig zunächst nicht direkt betroffenen Verlage begrüßen die Vorschrift als "kurzfristig einzige" rasch umsetzbare Lösung. Gleichwohl will die Zeitungszunft sich bei der Lösung des Mineralölproblems nicht verweigern.
Zurzeit führe die Branche selbst Druckversuche mit mineralölfreien Farben durch, so Jörg Laskowski, Geschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Zeitschriftenverleger (BDZV), gegenüber der LZ. Allerdings müsse noch geklärt werden, ob solche Farben auch mit branchenüblichen Druckmaschinen kompatibel seien.
Ermutigende Signale kommen aktuell von den beiden Schweizer Food-Händlern Migros und Coop. Seit wenigen Wochen drucken die Platzhirsche des eidgenössischen LEH Teile ihrer Kundenzeitungen mit Farben, die kein Mineralöl mehr enthalten.