Win-win entlang der Lieferkette
Faltschachtelbranche für Supply-Chain-Management – Kampf gegen Verordnungspläne und Preisverfall
Faltschachteln sind die bekanntesten Verpackungen.
Grafik: LZ
LZnet/hdw. Die auf Karton spezialisierte Verpackungsindustrie hat sich 2010 zwar erholt, sieht sich aber dennoch herausgefordert, die Wertschöpfungskette kooperativ zu optimieren. Regulierungsvorhaben des Aigner-Ministeriums kontert die Branche mit teils scharfer Kritik.
Als Lehre aus 2010 müssten die Kartonverarbeiter konsequent Supply Chain Management betreiben, so Lothar Ruhnke. Der Vorstandssprecher des Fachverbands Faltschachtelindustrie (FFI) sieht im Optimieren von Materialflüssen, das gemeinsam mit Kartonlieferanten und der abpackenden Industrie forciert wird, "eine Win-win-Perspektive für alle Beteiligten".Ruhnkes trägt damit einer 2010 aufgetretenen Unwucht in der Lieferkette Rechnung.
So konnte die Branche die anziehende Nachfrage ihrer FMCG-Kunden wegen ungewöhnlich knapper Rohstoffversorgung zunächst nur mit "extrem langen" Lieferzeiten bedienen. Als der eigene Papiereinkauf wieder Fahrt aufnahm, lief die Beschaffungsmenge der FFI-Mitglieder im Gesamtjahr auf das Doppelte dessen auf, was die FMCG-Kunden an Fertigwaren abnahmen. "Wir sind gut beraten, die Wertschöpfung mit allen Beteiligten zu optimieren", folgert Ruhnke daraus.
Mit heftiger Kritik und teils vehementer Ablehnung reagiert der FFI auf Referentenentwürfe des Bundesverbraucherschutzministeriums, mit denen der Übergang von Stoffen aus Kartonverpackungen auf enthaltene Lebensmittel reguliert werden soll. Die "Druckfarbenverordnung" wird im Grundsatz begrüßt. Hinsichtlich des geplanten Registrierens von Farbkomponenten sieht der Verband jedoch nicht seine Mitglieder und deren Kunden, sondern die Farbhersteller in der Pflicht.
Den Entwurf zur "Mineralölverordnung" lehnt der FFI, im Einklang mit den Papierverbänden VDP und WPV komplett ab. Grund: Die Regelung verdächtige auf Altpapier basierende Verpackungen, alleinige Quelle migrierender, potenziell gesundheitsschädlicher Mineralölreste zu sein. Zudem sei die toxikologische Bewertung unzureichend, und obendrein mangele es an Methoden zur Bestimmung von Grenzwerten.
Bei einer Anhörung Ende Juli in Berlin konterte die papierverarbeitende Industrie den Verordnungsentwurf mit einem "nationalen Aktionsplan". Dieser sieht vor, die Toxizität von Problemstoffen zu erforschen und Quellen sowie Eintragswege von Mineralölresten zu identifizieren. Die betroffenen Branchen setzen zudem in ihren Bereichen Minimierungskonzepte wie die Abkehr von mineralölhaltigen Hilfsstoffen und Druckfarben um.
Eine weitere Herausforderung sieht FFI-Chef Ruhnke darin, den Verfall der Abgabepreise zu stoppen. Zwischen 2007 und 2010 nahm der kumulierte Branchenabsatz um 8,5 Prozent, der Produktionswert aber nur um 7,6 Prozent zu. Der FFI will jetzt die Werbewirkung seiner Produkte gegenüber Markenartiklern deutlicher herausstellen.
Die Branche munitioniert sich mit einer neuen Verbraucherstudie. Die Spezialisten von K&A Brand Research fanden darin heraus, dass die Faltschachtel aus Verbrauchersicht der mit Abstand bekannteste Verpackungstyp ist und Kaufentscheidungen am POS nachweisbar beeinflusst.