Freitag, 25. Mai 2012

mail mail mail Schwerpunkt: Anuga 2011

Das Qualitätsniveau der Lebensmittel ist sehr hoch

Freitag, 07.10.2011

Alfons Schuhbeck kocht auch auf Messen.
Alfons Schuhbeck kocht auch auf Messen.
Foto: Richter
Lebensmittel Zeitung: Sie sprechen sich in Interviews gegen das Würzen mit Glutamat und Geschmacksverstärkern aus. Was halten Sie von industrieller Fertigkost?
Alfons Schuhbeck: Jede Generation ernährt sich anders. Die Globalisierung macht uns Appetit auf neue Zutaten, die wir vor zwanzig Jahren noch nicht kannten. Ja, und dann sind Frauen und Männer heute ganz selbstverständlich beide berufstätig. So bleibt unter der Woche kaum Zeit, sich gemütlich an den Herd zu stellen.

Und so, wie wir alle gerne Dienstleistungen in Anspruch nehmen, weil sie unser Leben erleichtern, überlassen wir eben die Zubereitung von Mahlzeiten immer häufiger den Nahrungsmittelexperten aus der Industrie und Gastronomie. Das ist für sich genommen erst einmal völlig wertfrei.

Interessant ist, dass sich daraus ein neuer, flexibler Ernährungsstil entwickelt hat. Es geht gar nicht ums Entweder-oder. Sondern ums Sowohl-als-auch! Wenn die Leute am Wochenende Zeit und Lust haben, dann kochen sie sich etwas Schönes. Und zelebrieren das dann bewusst und mit Freude.

Und wenn die Zeit eben nicht reicht, greifen sie auf Convenience-Produkte zurück. Auch, weil die immer interessanter werden. Dank neuer Gewürze und neuer Herstellungsverfahren und auch durch den Einfluss von Küchenstilen aus der ganzen Welt sind viele Convenience-Produkte heute richtig ansprechend. Ich kenne nicht wenige Produkte, die ich mit gutem Gewissen empfehlen könnte.

LZ: Als TV-Koch wecken Sie viel Aufmerksamkeit für Kochen und Lebensmittel. Welchen Vorteil hat die Industrie dadurch?

Schuhbeck: Ein Koch, dem es nicht gelingen würde, den Leuten Lust aufs Kochen und auf gute Lebensmittel zu machen, der hätte doch seine Profession verfehlt! Die Betriebe, mit denen ich zusammenarbeite, stellen ihre Spezialitäten unter höchsten Qualitätsanforderungen her.

Es ist doch so: Es hat halt nicht jeder von uns einen Acker und eine eigene Kuh. Also gehen die Leute in den Supermarkt und decken sich dort mit Lebensmitteln ein. Welchen Vorteil die Industrie davon hat – das müssen Sie die Industrie fragen.

LZ: Wie gesund sind Industrieprodukte und inwiefern ist gesunde Ernährung mit diesen möglich? Was geht bei der Verarbeitung verloren? Muss der Geschmack teilweise mit Hilfe von Aroma wieder hergestellt werden?

Schuhbeck: Das muss man sich differenziert anschauen. Wie überall gibt es auch bei industriell hergestellten Mahlzeiten solche und solche: gut schmeckende und weniger gut schmeckende, qualitativ hochwertige und weniger hochwertige. Ich kann nur für mich sprechen.

Und ich lege mal großen Wert darauf, dass die Produkte durch die Zutaten, aus denen sie zubereitet sind und durch die Gewürze überzeugen – und eben nicht durch umstrittene Zusatzstoffe wie Glutamat oder künstliche Aromen. Aber auch beim Stichwort „Aromen“ sollte man nicht pauschal urteilen.

Weil das nicht zwangsläufig und in jedem Falle schlecht sein muss. Oft werden nämlich auch konzentrierte Naturprodukte wie zum Beispiel Gewürze oder Kräuterextrakte schlicht als „Aroma“ deklariert. Und gesunde Ernährung? Die ist am besten gewährleistet, wenn man ausgewogen und abwechslungsreich isst.

LZ: Sie haben viel Kritik einstecken müssen, weil Sie unter anderem für einen Fischfond warben, der Rindfleischextrakt enthielt. Trotzdem gelten Sie gegenüber Handel und Industrie als aufgeschlossen für Werbepartnerschaften. Kürzlich sind Sie beispielsweise in einer Internet-Live-Kochshow für Tchibo aufgetreten.

Schuhbeck: Dass man Fisch, Meeresfrüchte und Fleisch in einem Rezept zusammenfügt, ist gar nicht so ungewöhnlich. Denken Sie an Paella oder an das Trendrezept Surf and Turf. Es spricht im Grunde als nichts dagegen, Fisch und Fleisch miteinander zu kombinieren. Ob sie ein Rezept nach den Kundenwünschen umgestellt.

Bei meiner Kooperation mit Tchibo fördere ich das Kochen mit frischen Zutaten und mit Gewürzen. Stichwort Sowohl-als-auch: Ich sehe mich als Botschafter des modernen Kochens in allen Lebenslagen. Ich bekomme viele Kooperationsangebote, die ich mir sehr genau anschaue. Erst wenn ich von einem Produkt und einer Firma wirklich überzeugt bin, gehe ich eine Partnerschaft ein.

LZ: Das Angebot der Industrie wird häufig als ungesund dargestellt. Liegt das an der Nachfrage der Kunden oder lassen sich mit den verarbeiteten Lebensmitteln schlichtweg bessere Geschäfte machen?

Schuhbeck: Häufig wird es auch als gesund dargestellt. Wichtig ist, dass man sich ein Urteil bilden kann. Generell würde ich sagen, dass sich das Qualitätsniveau der Lebensmittel in Deutschland sehr verbessert hat und heute sehr hoch ist.

Das Interview führte Stefan Ludwig.

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