Backbranche flirtet mit Singles
Vielfalt der Brot- und Bakwaren wird auf der Messe ausgestellt.
Foto: Anuga
LZnet/ach. Clean-Label- und Öko-Produkte, Spezialitäten aus Deutschland und kleinere Verpackungseinheiten als Antwort auf die demografische Entwicklung werden das Bild im Brot- und Backwarenbereich bestimmen. Und wie schon in den Vorjahren nutzen Aussteller die Messe als Sprungbrett ins Ausland.
Gesprächsstoff gibt es in Köln reichlich. Prof. Dr. Ulrike Detmers, Mitglied der Geschäftsführung und Gesellschafterin der
Mestemacher-Gruppe, skizziert Themen, mit denen sich nicht nur die Brot- und Backwarenbranche auseinandersetzen muss. Ganz sicher, so Detmers, sorgt die Eurokrise für Diskussionen.
Wer ist wo?
Aachener Printen- und Schokoladenfabrik Henry Lambertz GmbH&Co.KG, Aachen:
H3.2/A010, A018
Harry-Brot GmbH, Schenefeld: H3.2/C038
Kronenbrot KG Franz Mainz, Würselen: H3.2/B018
Kuchenmeister GmbH, Soest: H3.2/B020, C029
Mestemacher GmbH, Gütersloh: H3.2/B020, C029
Auch die Frage, "wie Jung und Alt die Herausforderungen von morgen" meistern können, also das "Demografiemanagement", spiele eine übergeordnete Rolle. Dazu kommen grundlegende Veränderungen beim Konsum, speziell im Hinblick auf Singles.
Minis und kleine Verpackungsgrößen stehen bei zahlreichen Ausstellern oben auf der Agenda. Hinzu kommt laut Detmers das Thema "Epidemie Fettleibigkeit", außerdem werde sich viel um Clean Label und Tierwohl drehen. Wichtig ist die Anuga für die Brot- und Backwarenbranche im Hinblick auf Exporte. Hans-Günter Trockels, geschäftsführender Gesellschafter bei
Kuchenmeister sagt: "Wir schätzen den intensiven Dialog mit internationalen Partnern und wollen diese Beziehungen nachhaltig stärken. Bislang erwarten wir Besuch aus über 50 Ländern."
Ein Highlight von Kuchenmeister ist der neue Marc de Champagne Stollen. Außerdem reagiere das Unternehmen auf den Trend zu kleineren Verpackungen.
Als einer der wenigen Hersteller von Süßgebäck zeigt
Lambertz auf der Anuga Flagge. Inhaber Dr. Hermann Bühlbecker: "Dort treffen wir Geschäftsfreunde aus der ganzen Welt, die zum größten Teil nicht zur ISM kommen. Da der Inlandsmarkt bei Gebäck rückläufig ist, kommt Exporten eine besondere Bedeutung zu.
Außerdem ist es auch zu Beginn der Saison gut, die wichtigsten deutschen Handelspartner zu treffen. Die Erkenntnisse fließen in unsere ISM Vorbereitungen ein.
Highlight auf der Anuga werden unsere neuen Jahresartikel sein, die wir für den nationalen und internationalen Markt vorstellen. Der Ausbau unseres Geschäfts in Osteuropa sowie die Gespräche mit US-Handelsketten stehen im Mittelpunkt."
Auch Wolfgang Mainz, Mitglied der
Kronenbrot-Geschäftsleitung, betrachtet internationale Kontakte und Exportmöglichkeiten als Highlight der Messe: "Kronenbrot konnte bei jeder Anuga wertvolle Kontakte knüpfen, die es ermöglichen, in immer neue Absatzmärkte vorzustoßen. Die Besucherstruktur sowie die Zahl an Top-Entscheidern sind einzigartig. Nur auf der Anuga haben wir die Möglichkeit, so hoch konzentriert mit Kunden aus der ganzen Welt zu sprechen".
Mainz sieht mehrere Megatrends im Brot und Backwarenbereich: "Verbraucher bevorzugen regionale Artikel, da sie für Authentizität, Natürlichkeit und Qualität stehen. Zudem haben regionale Erzeugnisse kürzere Transportwege. Dies bringt Frische- und ökologische Vorteile. Ganz bewusst stärkt der Verbraucher durch den Kauf die regionale Wirtschaft."
Auch mit dem Thema Clean Label hat sich das Kronenbrot-Management intensiv befasst. Mainz: "Handel und Verbraucher wünschen möglichst "natürliche" Produkte. Kronenbrot kreierte dazu ein internes "Reinheitsgebot", dass für alle verpackten Kronenbrot-Schnitten gilt."
Die Artikel würden ohne Konservierungsstoffe, Geschmacksverstärker, Farbstoffe und auch ohne gentechnisch veränderte Zutaten hergestellt.
Mestemacher-Gesellschafterin Detmers beobachtet tiefgreifende Veränderungen der Anbieterstruktur: "Klassische Bäckereien kämpfen ums Überleben. Großbäckereien wachsen; günstigere Produktionskosten, bessere Einkaufspreise, qualifizierteres Personal, Backshops in Discountern und SB-Bäckereien machen kleineren Einzelbäckereien das Leben schwer. Bäcker mit handwerklicher Brotkultur und Spezialitäten aus der Region haben Perspektiven."Hans-Jochen Holthausen, geschäftsführender Gesellschafter bei
Harry-Brot, sieht eine Zunahme des Prebake-Geschäfts. "In einem stabilen Brotmarkt kann der LEH nach wie vor einen zunehmenden Anteil für sich verzeichnen, der mittlerweile mehr als zwei Drittel ausmacht. Prebake ist dafür ein wesentlicher Motor und wächst mit jetzt 15 Prozent weiter.
Da schlummern noch Umsatzreserven, die wir mit unserem neuen Prebake-Premium-Konzept aktivieren können", so Holthausen. Mit dem neuen Prebake-Premium-Sortiment erhoffen sich die Harry-Bäcker zusätzliche Impulse.
Konkret präsentiert Harry in Köln ein Sortiment mit rustikalen Broten und Brötchen, mit kleinen Gewichtseinheiten, "abgestimmt auf maximalen Geschmack". Da Laugengebäcke im Trend liegen, bringt das Unternehmen weitere Laugengebäcke in innovativen Formen. Kleine flache Weizenbrote in mediterraner Qualität gibt es für das Prebake-Geschäft.
Mestemacher-Geschäftsführerin Detmers sieht weitere Trends: "Gewürzte Weizenfladenbrote mit exotischem Geschmack werden im SB-Brotregal mehr Raum einnehmen. Die Globalisierung fördert dies. Gesundheitsorientierte Roggenvollkornbrote mit Gourmetcharakter haben weiter ihren Platz im Brotregal. SB-verpacktes Brot hat Zukunft.
Die Verpackung schützt die Ware vor unhygienischen Einflüssen. Clean Label ist auf dem Vormarsch. Öko-Backwaren und Brot-Spezialitäten aus Deutschland wie Pumpernickel werden sich gut verkaufen. Besonders Konsumenten mit höherem Bildungsstand sind bereit, mehr Geld für sichere und skandalfreie Lebensmittel auszugeben."
Mestemacher stellt in Köln mehrere Neuheiten vor, darunter handgeformtes Chilibrot mit roten Chiliflocken zum Toasten, Aufbacken oder Grillen. Außerdem gibt es exotisches Kokosflocken-Rosinen-Brot zum Toasten, Aufbacken oder zum Grillen sowie Gourmet-Vollkornbrot mit 20 Prozent Saatenmischung. Außerdem stelle Mestemacher ein Mandelbrot aus vollem Korn vor.