Gutes Geschäftsklima für Anuga
Branchen melden positive Zwischenergebnisse 2011 – Messe komplett ausgebucht / Von Gabriel von Pilar
Vom 8. bis 12. Oktober öffnet die Fachmesse ihre Tore
Foto: Kölnmesse
LZnet. Die Anuga 2011 startet bei gutem Konsumklima. Eine ordentliche Branchenkonjunktur überdeckt die Schwächen einiger Länder im Zuge der Finanzkrise. Mehr denn je wird die Messe als Plattform für politische Themen genutzt.
Die weltgrößte Nahrungsmittelmesse in Köln ist im Ausstellungsgeschäft ein absolutes Schwergewicht. Kein Wunder also, wenn die Köln Messe auch in diesem Jahr einige Prominenz aus Politik und Wirtschaft erwartet. Beispielsweise werden gleich zum Auftakt am Vorabend der Eröffnung Nestlé-CEO Paul Bulcke und Edeka-Chef Markus Mosa der Anuga als Key-Note-Speaker ihre Referenz erweisen.
Bulcke und Mosa dürften am 8. Oktober mit großem Optimismus nach Köln reisen, denn die Stimmung in der Branche ist gut. Schließlich verbuchte der Lebensmittelhandel bis zur Jahresmitte ein nominales Umsatzplus von 2,6 Prozent, real von 0,3 Prozent.
Branche in Zahlen
Januar bis September 2011 (geschätzt, Quelle: BVE)
Umsatz: 122 Mrd. Euro (nominal +9 Prozent, real +2,4 Prozent)
Auslandsanteil: 28 Prozent
Beschäftigte: 544000
Die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie e.V. (BVE) ermittelte für die Industrie von Januar bis einschließlich September (hochgerechnet) ein nominales Umsatzwachstum von 9 Prozent auf 122 Mrd. Euro, wesentlich getragen von Steigerungen der Abgabepreise und des Exports. Preisbereinigt stiegen die Erlöse um 2,4 Prozent.
Der Export allein verbuchte ein Wachstum von 11,5 Prozent auf 33,9 Mrd. Euro. Die Ausfuhrquote blieb jedoch mit 28 Prozent stabil. Die Hotel- und Gastronomieumsätze kletterten im ersten Halbjahr nominal um 3,9 Prozent. Preisbereinigt waren es 2,7 Prozent mehr Umsatz.
Es ist ein eingeübtes Ritual im Vorfeld der Anuga, wenn die Standesorganisationen vor der Presse Stellung zu aktuellen Brennpunkten der Branche beziehen. Ein Konfliktstoff, der Hersteller wie Handel lange Zeit am meisten bewegte, spielt nach Ansicht von Dr. Sabine Eichner allerdings keine dramatische Rolle mehr: die volatile Preisentwicklung in den Rohstoff- und Beschaffungsmärkten. Die Preiserhöhungskurve habe sich abgeflacht.
Die Geschäftsführerin der BVE rechnet nicht mehr mit dramatischen Preissteigerungen im weiteren Jahresverlauf, obwohl Energie- und Rohstoffverteuerungen weiter Sorge bereiteten. Die Verbraucherpreise von Nahrungsmitteln und Getränken hätten im August im Vergleich zum Vorjahresmonat 3 Prozent höher gelegen.
Eichner kündigt die Präsentation einer gemeinsamen Studie mit der GfK an. Das Thema: "Lebensqualität im Verbraucherfokus: Chancen für Ernährungsindustrie und Handel".
Der Handel seinerseits wird in diesem Sinne laut Franz-Martin Rausch, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes des Deutschen Lebensmittelhandels e.V. (BVL), Transparenz, Qualität und Wertschätzung von Lebensmitteln thematisch in den Mittelpunkt stellen.
Die Messegesellschaft nutzt den Abschwung einiger konkurrierender Fachmessen, um mit der Größe und Internationalität der Anuga Aussteller für Köln zu begeistern. Peter Grothues, Geschäftsbereichsleiter Ernährung der Köln Messe drückte das auf der Pressekonferenz im Vorfeld so aus: "Wir passen das Fachmessekonzept regelmäßig an die Marktbewegungen an."
Über Ausstellerzuspruch können die Kölner denn auch nicht klagen. Alle Hallen sind laut Grothues ausgebucht. Insgesamt seien 6596 Aussteller aus 100 Ländern präsent.
Eine gewisse Fluktuation sei jedoch durch diejenigen Länder entstanden, die von der Finanz- beziehungsweise Wirtschaftskrise besonders betroffen sind. Kompensiert werden diese Rückgänge durch wachsende Ausstellerstellerzahlen aus Korea, Kolumbien, Lettland oder Litauen.