Managende Integrationsfigur
Von Jan Mende
LZ|NET. Sie kennt das, sie ist wieder mittendrin. Damals war es
Reichelt in Berlin. Jetzt ist es Marktkauf in Minden. Beide sind
nun Edeka. Bis wirklich alles rund läuft, wird es noch dauern.
"Eine Integration schafft man nicht von heute auf morgen", sagt
Katrin Storandt. Die Berlinerin weiß das, muss es wissen, sie
erlebt schließlich zum zweiten Mal, wie Edeka Minden-Hannover einen
ehemaligen Konkurrenten eingliedert.
Als Reichelt dazukam, saß
sie zwischen den Stühlen. Auf der einen Seite war sie als Azubi
sehr nah dran an den Sorgen, die Mitarbeiter im Zuge einer solchen
Umstellung umtreiben. Auf der anderen Seite war sie die
BA-Studentin. Eine Edel-Azubi von der die Kollegen wussten, dass
sie früher oder später von der Palette an den Schreibtisch wechseln
würde.
Katrin Storandt
Dort ist die 27-Jährige längst angekommen. Die
Diplom-Betriebswirtin ist bei Edeka Minden-Hannover Assistentin der
Geschäftsführung und Profit-Center-Leitung. Zuständig für Marktkauf
und E-Center, gehört es zu ihren wichtigsten Aufgaben Marktleiter,
Selbständige Kaufleute, Geschäftsführer und Betriebsräte an einen
Tisch zu holen. Es ist jetzt
ihr Job, zwischen den Stühlen zu sitzen, wenn auch viel näher am
Chefsessel als damals bei Reichelt. Storandt vermittelt die
Position der Marktkauf-Geschäftsführung, baut Vorbehalte ab,
glättet Wogen, bereitet wichtige Sitzungen vor, arbeitet an neuen
Strukturen und Prozessen mit. Sie füllt eine Rolle aus, die es
vorher nicht gab: die der managenden Integrationsfigur.
"Es
ist eine spannende, sehr lebendige Aufgabe", sagt die 27-Jährige.
"Vor allem, weil von mir erwartet wird, nicht nur vorhandene
Konzepte abzuarbeiten, sondern neue Ansätze mitzugestalten". Das
kann sie. Sie hat Ideen und die Fähigkeit, Lösungen zu entwickeln,
"die nachhaltig die Effizienz verbessern".
So steht es in
ihren Arbeitszeugnissen, aufgeschrieben von ehemaligen Chefs, die
allesamt kaum Zeit hatten, von diesen Talenten zu profitieren. Denn
wo immer die junge Frau hinkam, war sie schnell wieder weg. Sie eilte weiter, von einer auf
die nächste Sprosse der Karriereleiter: Studium, Kaufmännische
Angestellte, danach Abteilungsleiterin Obst- und Gemüse,
stellvertretende Marktleiterin, stellvertretende Marktleiterin in
einem größeren Reichelt-Markt, 2007 dann der Sprung von Berlin nach
Minden.
Zunächst als Projektleiterin, jetzt als Assistentin
der Geschäftsführung. Ein Lebenslauf im Vorspulmodus. Und doch ein
Leben ohne Tunnelblick. Denn Storandt hat nicht nur die Arbeit im
Kopf. Ihre Freizeit ist zwar spärlich, wird dafür aber umso
intensiver genutzt: für Reisen in die Karibik, nach Mexiko, Asien,
in die Berge. Auch dort liegt sie nicht einfach am Pool. "Ich bin
ein aktiver Mensch, erst durch Einsatz erfährt man, was in einem
steckt".
Katrin Storandt will diese Erfahrung weiter sammeln
und ihr Preisgeld in ein MBA-Studium investieren. "Mein Ziel ist
es, zunächst eine einflussreiche Führungskraft mit mehr Personal-
und Budgetverantwortung zu werden." Und nach "zunächst"? Die
Jungmanagerin lächelt: "Wer weiter kommen will, sollte sich nicht
mit Hoffnungen aufhalten."