Neue Spielregeln
Rasante Preisänderungen an den Rohstoffmärkten und ein sich verschärfender Wettbewerb verunsichern Verbraucher und Unternehmen. Beim 51. Goldenen Zuckerhut der LZ diskutierten namhafte Experten Probleme und Lösungsansätze / Von Rebecca Frener
LZ|NET. Die Märkte befinden sich in einem tiefgreifenden Wandel.
Steigende Volatilitäten der Rohstoffmärkte, ein immer schärferer
Wettbewerb und der rasante wissenschaftliche Fortschritt sorgen bei
Verbrauchern, aber auch auf Unternehmerseite für Verunsicherung.
Der Kongress zum 51. "Goldenen Zuckerhut" der Lebensmittel
Zeitung stand darum ganz im Zeichen des Mottos "Neue Spielregeln -
Worauf sich Unternehmen der Lebensmittelwirtschaft einstellen
müssen". Namhafte Experten referierten und diskutierten in der
Berliner Philharmonie Probleme und Lösungsansätze.
"Glaubwürdigkeit ist die Voraussetzung für Vertrauen", sagte
LZ-Chefredakteurin Angela Wisken zum Auftakt. In ihrer einführenden
Rede stimmte sie die Anwesenden auf die wichtigsten
Herausforderungen ein.
Zu den angesprochenen Themen gehörten
neben dem immer aggressiveren Wettbewerb und der Finanzkrise auch
die öffentliche Skandalisierung von Problemen der
Ernährungswirtschaft und die Entwicklung der Rohstoffpreise.
In diesem Zusammenhang
appellierte der OECD-Direktor für Handel und Landwirtschaft, Prof.
Dr. Stefan Tangermann, die politische Förderung von Biosprit zu
beenden.
Denn die Explosion der Weltmarktpreise sei nicht nur
der steigenden Nachfrage in den Schwellenländern, den hohen
Energiepreisen oder riskanten Spekulationen geschuldet, sondern zu
einem Großteil auch der Verwendung von Getreide und pflanzlichen
Ölen als biologische Kraftstoffe.
Zudem wagte der
Wissenschaftler einen Blick in die Zukunft: Fundierte Prognosen
lassen erwarten, dass die Rohstoffpreise zwar wieder sinken,
insgesamt jedoch auf einem höheren Niveau verharren werden. "Wegen
niedriger Lagerbestände ist außerdem mit einer starken Volatilität
der Preise zu rechnen", erklärte Tangermann. Publizist Michael Miersch knüpfte an das von Angela
Wisken thematisierte Glaubwürdigkeitsproblem an. Mit dem
Stellvertretenden Chefredakteur Bernd Biehl, der als Moderator
durch die Veranstaltung führte, sprach er über die Diskrepanz
zwischen Wirklichkeit und öffentlicher Wahrnehmung.
In
Hinblick auf die Qualität von Lebensmitteln sei der Auslöser die
romantisierende Bewerbung von Produkten, die deren "natürliche"
Herkunft in den Mittelpunkt stelle. "Wenn dann die tatsächlichen
Produktionsabläufe publik werden, kommt es zum Schock."
Darüber hinaus kritisierte Miersch die Fokussierung auf das
Randproblem Pestizide und votierte dafür, die Gentechnik-Forschung
zu fördern und gezielt zu nutzen.
Die Ansicht, dass den
Ängsten der Verbraucher nur durch grundlegende Aufklärung
entgegengewirkt werden kann, teilte auch Ranga Yogeshwar. In einem
fesselnden und bildreichen Vortrag thematisierte der populäre
Wissenschaftsjournalist die Verunsicherung in der Gesellschaft beim
Umgang mit dem technischen Fortschritt.
"Sie ist der Grund
dafür, dass die Menschen auch im Food-Bereich so sensibel sind",
konstatierte Yogeshwar. "Die Technik ist nicht schlecht, sondern
nur zu schnell. Sie muss besser erklärt werden."