Freitag, 25. Mai 2012

mail mail mail Schwerpunkt: Goldener Zuckerhut

Botschafter des Genusses

Donnerstag, 29.10.2009

Pütz&Kloss ist am Rhein eine Institution. Die Dohle-Kaufleute beherrschen die Kunst des organischen Wachstums. Bodenständig und eng an den Kundenbedürfnissen orientiert sind sie auf einen Modernisierungskurs eingeschwenkt, der erste Früchte trägt. / Von Heidrun Krost
LZ|NET. Wer Jörg und Dirk Pütz begegnet, dem strömt rheinische Lebensart entgegen. Die Brüder sind Genussmenschen - mit Leib und Seele. "Wie sie sehen, probieren wir alles, was wir verkaufen", kokettiert Dirk Pütz augenzwinkernd mit seiner Leibesfülle.

Wenn der 45-Jährige, der bei Hertie Lebensmittelkaufmann gelernt hat, an der reich gefüllten Convenience-Kühltheke steht, kommt er ins Schwärmen: "Marziale, ein toller Lieferant, schmeckt wie frisch aus dem Steinbackofen." Vor dem Feinkostregal weiß er zu jedem Balsamico oder Olivenöl eine Geschichte zu erzählen, so fesselnd, dass Kunden wohl liebend gern zu den teuren Genussprodukten aus aller Herren Länder greifen, als sich mit der preiswerteren Gourmetlinie der Dohle-Gruppe zufrieden zu geben.

Karl-Josef Pütz
Karl-Josef Pütz
Im Rhein-Sieg-Kreis ist das Bad Honnefer Hit-SB-Warenhaus mit seinen 4.200 Quadratmetern mitsamt des 1000er Getränkemarktes, einer Shoppingmeile sowie Fressnapf, Euronics, Kik, Dänisches Bettenlager und zahlreichen Dienstleistungsanbietern Einkaufsknotenpunkt und wichtiger Nahversorger. Im "rheinischen Nizza" mit 25.000 Einwohnern, dem so noble Ortsteile wie Rhöndorf, ehemals Wohnsitz von Altbundeskanzler Adenauer, zugehörig sind, ist ein guter Standort für hochwertige Genuss- und Lebensmittelkonzepte.

"Größter Tante Emma Laden"

Das kaufkräftige Umfeld spiegelt auch die zentral im Markt gelegene Weinabteilung: Mit ihren 1.200 Sorten, darunter auch die ausgewiesener Spitzenwinzer von der Ahr oder Baden ebenso wie chilenische oder südafrikanische Provenienzen hat sie Fachmarktcharakter. Wein ist von jeher ein Steckenpferd der Familie. Dirk Pütz, reist im Urlaub um den halben Globus, um edle Tropfen ausfindig zu machen.

Die Empfehlungen der Kaufleute sind den Kunden denn auch ihr Geld wert: "Wir sind der größte Tante-Emma-Laden", sagt der gelernte Bankkaufmann Jörg Pütz, mit 48 Jahren der ältere der beiden Brüder. 70 Prozent des Weinumsatzes von zuletzt 800.000 Euro geht als Kartonware über den Tresen. Und mit der Eigenkreation JP Juppi Pütz - Erzeugerabfüllungen diverser deutscher Anbaugebiete - haben die Bad Honnefer Kaufleute sogar ein zugkräftiges Eigengewächs im Stall.

Juppi steht für Vater Karl-Josef Pütz. Das Label schmückt auch exklusive Pesto-Kreationen oder Fertiggerichte. Der heute 71-Jährige hat das Unternehmen vor 42 Jahren zusammen mit seinem fünf Jahre älteren Schwager Helmut Kloss gegründet. Sie starteten auf 300 Quadratmetern und unter dem sperrigen Titel "SB-Netto-Markt Pütz & Kloss".

Rasantes Wachstum

Abrechnungspartner war schon damals die Dohle Handelsgruppe. Bald vergrößerten sie sich auf 1.200, dann auf 3.000 Quadratmeter Verkaufsfläche. 1986 mit der Umflaggung auf Hit wagten die Unternehmer einen erneuten Wachstumssprung und erweiterten das Areal auf über 30.000 Quadratmeter. Mitten drin platzierten sie auf nahezu 8.000 Quadratmetern den Verbrauchermarkt samt 15 Fachanbietern.

Eng verbunden mit der Region endet bei Pütz & Kloss der Tag nicht mit dem allabendlichen Ladenschluss. Als Sponsoren des örtlichen Fußballnachwuchses gibt es ebenso viele außerdienstliche Verpflichtungen wie im Elferrat der örtlichen Karnevalsgesellschaft. Jörg Pütz hat dort längst Vater Juppi als Präsident abgelöst. Und auch hier verkörpern die Senioren sowie die Nachfolger das, was einen typischen Familienbetrieb ausmacht: Unternehmerpräsenz im Gesellschaftlichen wie im Betrieb.

Das Engagement der Inhaber war insbesondere beim Umbau vergangenes Jahr gefordert. Die Umgestaltung des Frischebereichs dauerte vierzehn Tage, einen einzigen Tag nur blieb der Markt geschlossen, ansonsten wurde weitgehend ein Normalbetrieb gewährleistet. Jörg Pütz, zuständig für Personalangelegenheiten, verlangt von den 70 Mitarbeitern in solchen Fällen dass sie "bedingungslos mitziehen", am Ende aber stand auch ein Sonderbonus und eine große Party: "Wer viel arbeitet, muss viel feiern, das war bei uns schon immer so", ergänzt Vater Juppi.

Kreditklemme - Fehlanzeige

Die Modernisierung des Standorts kostete 1,6 Millionen Euro, gestemmt allein aus dem Eigenkapital. Kreditklemme - Fehlanzeige! Dirk Pütz, der den Einkauf des nahezu 50.000 Artikel umfassenden Angebotes verantwortet, redet beherzt von einem Lebensmittelumsatz von knapp 25 Millionen Euro trotz Umbauphase, einer "zweistelligen Rendite" und einer überdurchschnittlichen Eigenkapitaldecke. Im gegenüberliegenden Gebäude, in der gerade auf 500 Quadratmetern Fressnapf als Nachmieter für dm-Drogeriemarkt eingezogen ist, gibt es jedenfalls seither eine mit Lkws befahrbare Leerguthalle.

Sie ist unmittelbar an den Getränkemarkt angedockt und neuerdings mit einer automatisierten Leergutrücknahme ausgestattet. Vor allem aber wurde zehn Jahre nach Eröffnung des Einkaufszentrums kräftig in die Shopping-Meile und das Outfit des Lebensmittelmarktes investiert: So erhielt etwa die Obst- und Gemüseabteilung mit einem Baldachin aus farbig-bunten Kunststoffbögen einen Marktplatzcharakter. Hier wie in der neuen Kosmetikarena vermittelt ein naturfarbener Laminatfußboden Geschlossenheit. Die Beleuchtungstechnik wurde erneuert, die Regalhöhen reduziert.

„Mit den Augen der Kunden sehen“

Eine farbliche Abgrenzung einzelner Warengruppen verschaffen dem Kunden Übersicht und sind wichtige Ankerpunkte für den täglichen Einkauf. Die fast 50 Meter langen Fleisch-, Wurst- und Käsetheken an der Stirnseite des Marktes erstrahlen seither in modernem Design. Besonderer Blickfang ist die offene Fischtheke, deren Realisation eigens mit dem örtlichen Veterinär geplant wurde. Frischeerlebnis zum Zugreifen. "Wir müssen mit den Augen unserer Kunden sehen", das ist der Wahlspruch der Kaufleute, denen Servicebereitschaft über alles geht. Deckenhänger oder Regalstopper sind ihnen daher ein Grauß, "weil Kunden vor lauter Schildern die Produkte nicht sehen".

Auch wenn der "Immer-billiger-Trend" den Gebrüdern Pütz und ihrer Genussphilosophie gegen den Strich geht, ein Umsatzminus von 2,3 Prozent im ersten Halbjahr 2009 sowie rückläufige Durchschnittsbons dokumentierten auch für die sonst optimistischen Frohnaturen, dass sie nicht umhin kommen gegenzusteuern. "Sparsamkeit ist offenbar Zeitgeist", sagt Jörg Pütz. Seit Sommer sind sie auf die Preisoffensive der Dohle-Gruppe eingeschwenkt, die seit Jahresbeginn die Angriffe der Billiganbieter mit zusätzlich "1.000 Markenartikeln dauerbillig" kontert.

Die Umsatzentwicklung, die Ende des Jahres die Marke von 26 Millionen Euro erreichen soll, zog seither wieder stramm an, zuletzt um knapp 6 Prozent. Mit dem Umstieg auf die neue Preisphilosophie zeigt die Unternehmerfamilie einmal mehr ihren rheinischen Charakter: Im Kern konservativ und beharrlich, aber trotzdem höchst wandlungsfähig.

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