Freitag, 25. Mai 2012

mail mail mail Schwerpunkt: Anuga 2011

"Aktuell sind wir auf der Sonnenseite"

Mittwoch, 05.10.2011

Kölner Messehallen komplett ausgebucht – Rund 6500 Aussteller aus über 100 Ländern – Foodservice als neue Fachmesse
Koelnmesse-Manager Peter Grothues im Gespräch
Koelnmesse-Manager Peter Grothues im Gespräch
Foto: Anuga
LZnet. In wenigen Tagen, am Samstag, dem 8. Oktober, öffnen sich die Hallentore für die weltgrößte Ernährungsmesse unter dem Motto "Taste the Future". Mit dem verantwortlichen Koelnmesse-Manager Peter Grothues sprach die LZ über Innovationen, Trends und die Positionierung der Anuga.

Lebensmittel Zeitung: Herr Grothues, die Rohstoffpreise sind auf Höchststand, zum Beispiel Kaffee und Zucker teuer wie nie. Wirkt sich das auf die Ausstellerstruktur aus?

Peter Grothues: Das sind Themen, die die Branche stark beeinflussen und die diskutiert werden müssen. Ich hoffe, dass sich das auch an den Besucherzahlen zeigen lässt, denn die Teilnehmer haben mehr Anlass miteinander ins Gespräch zu kommen. Man sucht ja nach gemeinsamen Lösungen. Die Nachfrage nach unseren Food-Messen ist ungebrochen hoch. Auswirkungen auf die Ausstellerschaft würden frühestens in zwei bis drei Jahren sichtbar, wenn weitere schlechte Vorzeichen den Markt belasten. Aktuell sind wir eher auf der Sonnenseite.

LZ: Messen an sich haben schon bessere Zeiten gesehen. Verstärken Wirtschafts- und Eurokrise den Negativtrend?

Grothues: Ich kann überhaupt nicht zustimmen, dass Messen aktuell keine gute Zeit haben. Bei den Foodmessen, die wir hier in Köln veranstalten, stehen die Zeichen alle auf ‚sehr gut’. Die Anuga ist zum dritten Mal hintereinander komplett ausgebucht. Wir werden rund 6500 Aussteller aus über 100 Ländern hier haben und belegen damit die komplette Hallenfläche der Kölner Messe. Das sind 284000 qm Ausstellungsfläche und wir haben schon Aussteller in den Übergängen platzieren müssen.

LZ: Wie sieht das Interesse des Handels an der Anuga 2011 aus?

Grothues: Da sind wir sehr zuversichtlich. Der Handel engagiert sich im Rahmen der Anuga vor Ort. Am Vorabend der Messe gibt es wieder den Anuga Executive Summit, der sehr hochkarätig besetzt ist. Da wird zum Beispiel Edeka-Chef Markus Mosa einen Part übernehmen.

LZ: Wen konnten Sie von Industrie-Seite für den "Executive Summit" gewinnen?

Grothues: Nestlé-Konzernchef Paul Bulcke. Das wird eine spannende Geschichte!

LZ: Stimmt die Mischung von großen und kleinen Unternehmen?

Grothues:
Es ist eine gute Mischung. Natürlich ist die Anuga für kleine und mittlere Unternehmen von besonderer Bedeutung, weil sie ihren ganzen Vertrieb hier organisieren können. Aber auch die Großen sind vertreten. Als Besucher auf jeden Fall, bei den Ausstellern häufig. Auch eine Nestlé ist da, zum Beispiel mit Wagner Pizza. Natürlich haben wir auch eine Wunschliste.

LZ: Wie versuchen sie, Ihre Wunschunternehmen auf die Anuga zu locken?

Grothues: Die Einbindung ins Rahmenprogramm ist eine gute Plattform, neue Aussteller zu generieren. Die entscheiden dann von Fall zu Fall, ob das für sie passt.

LZ: Die Präsenz von Ländern aus Übersee erhöhte sich in den vergangenen Jahren. Setzt sich der Trend fort?

Grothues: Ja, 60 Prozent unserer Besucher kommen aus dem Ausland, darunter viele aus Übersee.

LZ: Und bei den Ausstellern?

Grothues: Da liegt der Anteil bei über 80 Prozent, auch hier mit großer Überseebeteiligung. Bei der aktuellen Anuga ist die Gesamtfläche der Überseeländer sogar um 1 bis 2 Prozentpunkte höher. Der Großteil der Aussteller kommt allerdings aus Europa.

LZ: Wie begründen Sie den Zuwachs?

Grothues: Die Messe ist einfach eine Leitmesse, die man nicht verpassen darf, wenn man handeln will. Wenn Sie als Anbieter von Produkten ihre Distributionspartner aus der ganzen Welt treffen und neue entdecken können, ist das eine einmalige Gelegenheit.

LZ: Die Anuga lebt von Innovationen, wie innovativ ist die Messe selbst?

Grothues: In diesem Jahr haben wir die Anuga neu aufgestellt und eine neue Fachmesse ins Leben gerufen – die Anuga Food Service, die erstmalig durchgeführt wird.

LZ: Wieso haben Sie das Konzept geändert?

Grothues: Lebensmittelhandel und Foodservice nähern sich immer mehr an. Foodservice war bisher schon ein klassischer Distributionskanal, der den Außer-Haus-Markt bediente. Die Anuga hatte in der Vergangenheit immer schon rund 2500 bis 3000 Aussteller, die Produkte und Dienstleistungen für den Außer-Haus-Markt präsentieren. Gastronomen gerade in Top-Segmenten agieren heute nicht mehr nur regional oder national, sondern zunehmend international und haben damit auch eine veränderte Einkaufspolitik und eine ganz andere Beschaffungslogistik. Insofern war der Schritt für uns konsequent, dem Thema eine eigene Fachmesse und Halle zuzuordnen, aber auch überfällig. Wir mussten nur das richtige Format finden.

LZ: Haben Sie Ihr Format gefunden? Was sagt der Ausstellerzuspruch?

Grothues: Wir werden einige neue Aussteller, gerade aus dem Food-Segment, haben. Das fängt an mit unserem Partner Metro und geht weiter über Unternehmen wie Unilever oder Danone.

LZ: Gibt es weitere Änderungen in der Ausstellerzusammensetzung?

Grothues: In diesem Jahr haben wir mehr Aussteller im Bereich Anuga Meat, dafür weniger bei der Fine-Food.

LZ: Wie gehen Sie damit um?

Grothues: Die Nachfrage war bei der Meat relativ früh recht groß, deswegen versuchten wir das auch in die Messeplanung einzubauen. Das sind alles Unternehmen, die sich im Markt zeigen und beweisen wollen. Wachstum bedeutet bei uns immer Flächenwachstum und wir müssen uns überlegen, die richtigen Schwerpunkte zu setzen. – Und das schon zwei Jahre vorher. Das ist immer die große Kunst.

LZ: Insgesamt ist das Rahmenprogramm zur Messe wieder umfangreich. Welche Funktion erfüllt es?

Grothues: Ein Supporting-Programm dient uns vor allem in zweierlei Hinsicht. Wir können neben der reinen Ausstellung auch andere Themen spielen. So fahren wir seit der Anuga 2009 das Globalthema Nachhaltigkeit. Und wir können auf bestimmte Themen hinweisen, wie zum Beispiel Foodservice.

LZ: Was genau haben Sie geplant?

Grothues: Wir werden zum ersten Mal einen internationalen Kochwettbewerb durchführen. Der Koch ist für uns das Symbol zwischen dem Produkt selbst und dem Genuss des Produktes. Es sind noch weitere Aktivitäten vorgesehen, die das Thema highlighten. Wir werden darüber hinaus den Arbeitskreis der deutschen Ernährungsindustrie zum Thema Foodservice hier haben.

LZ: Auf Ihrer Homepage weisen Sie auf das neue Trendthema "Ingredients" hin. Was hat es damit auf sich?

Grothues: Ingredients oder Halbfertigprodukte waren bislang kein eigenständiges Thema. Ich mache das immer am Beispiel der Cranberries fest. Die sind vor sechs Jahren in verschiedenen Produkten aufgetaucht. Nach einer Ausstellerbefragung haben wir festgestellt, dass viele Teilnehmer dies als Thema bislang vermisst haben.

LZ: Wie werden die Trendthemen während der Anuga aufgegriffen?

Grothues: Diese werden teilweise als Konferenz- oder Sonderschauthemen abgebildet. Damit erfassen wir das vielfältige Angebot der Aussteller auch in der Tiefe. Dabei ist auch unser Interenetauftritt hilfreich, der das Angebot ‚Trendthemen’ gegliedert darstellt. Das wird sehr gut nachgefragt. Wir hatten rund zwei Millionen Zugriffe bei der letzten Anuga. Die meisten gingen über die Ausstellerdatenbank und die Trendthemen. Denn die Aussteller stehen ja räumlich nicht immer zusammen in einer Halle. Beispiel Handelsmarken: Da sind die Hersteller nach ihren Schwerpunkten aufgestellt.

LZ: Noch nie hatten Messen so viel Wettbewerb durch digitale Medien. Welche Vorteile bietet die Anuga im Gegensatz zur günstigen Netzkonkurrenz?

Grothues: Wir sehen die digitalen Errungenschaften eher als Ergänzung und als zusätzlichen Informations- und Kontaktkanal. Die Anuga selbst betreibt durch ihre Ausstellerdatenbank eine breit gefächerte Informationspolitik. Man kann sich also hervorragend informieren. Das Netz ersetzt überhaupt nicht den persönlichen Kontakt, das gemeinsame Entwickeln von Konzepten im persönlichen Gespräch. Die Anuga ist viel mehr als der reine Austausch von standardisierten Waren.

LZ: Gibt es Neuerungen bei ihrem Internetauftritt?

Grothues: Das Thema ‚Convenience’ ist hier natürlich sehr wichtig. Wir haben die Oberfläche neu und anwenderfreundlicher gestaltet, auch durch eine offene Suchmaske in der Datenbank, die eine Matchmaking-Funktion erfüllt. Und das Ganze gibt es erstmalig auch mobil mit dem Mobile Exhibition Guide. Sie können sich die App vor der Messe herunterladen und so ihren Messebesuch planen und gestalten.

LZ: Geht durch das gezielte Planen nicht der Reiz verloren, sich von der Messe inspirieren zu lassen?

Grothues: Ich glaube nicht, dass die neuen Medien nur dazu führen, den Besuch effizienter zu machen, sondern den Blick zu weiten. Man sucht sich dann zwar den optimalen Weg, aber ich weiß durch Gespräche, dass Besucher die gesamte Messe betrachten, um neue Ideen zu bekommen.

LZ: Italien ist in diesem Jahr Partnerland. Benötigt das Land besondere Herausstellung?

Grothues: Italien ist eines der einflussreichsten Länder überhaupt, wie auch die italienische Küche. Sei es für den Kunden im Handel, sei es für den Außer-Haus-Markt. Und das ist einer der wichtigen Punkte, dass sie beide Distributionskanäle bedienen. Wesentlich ist aber auch, dass Italien ein großes Teilnehmerland auf der Anuga und auf anderen Messen ist.

LZ: Wie sieht die Zukunft der Anuga aus?

Grothues: Wir arbeiten aktiv am Produkt und da werden wir auch am Ball bleiben. Auch 2013 wird es also wieder neue Themen geben.

Das Interview führte LZ-Redakteurin Manuela Ohs.

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