LZ-Reise-Tagebuch USA
Mit LZ Reisen erweitert die Lebensmittel Zeitung ihr Veranstaltungsangebot. In diesem Rahmen werden Fachstudienreisen zu den
wichtigen, internationalen Handelszentren durchgeführt.
Teilnehmer haben die Möglichkeit, landesspezifische
POS-Trends und Entwicklungen der Branche vor Ort kennen
zu lernen und sich mit Fach- und Führungskräften auszutauschen.
USA-Reise im Mai 2007: Trendspot USA - Innovationen im Handel
Ziele der Reise waren die Metropolen Chicago und New York. Im Fokus der USA Reise standen die Themen "Handelskonzepte", "Ethnic- Marketing" und "innovative Meal Solutions". Dabei konnten die Teilnehmer sich in Store-Check-Touren bei namhaften Adressen der Branche aus Groß- und Einzelhandel sowie beim Besuch der FMI + MARKETECHNICS ein Bild über die POS-Trends in den USA machen.
Samstag, 05.05.07
An der LZ sollst du sie erkennen
Flughafen Frankfurt. Die meisten Teilnehmer der LZ-Leserreise treffen sich am Check-in-Schalter. Es fehlen allerdings jene, die nicht in Frankfurt starten, sondern bereits einen Anschlussflug nutzen. Im Flieger heißt es also: Suchen. Wer könnte zur LZ-Reisegruppe gehören? Wie findet man sie? Also gehe ich demonstrativ mit der Lebensmittel Zeitung vor der Brust durchs Flugzeug. Und es funktioniert. Es sind alle da. Guter Start. Die LZ-Reise kann losgehen.
Neun Stunden später Landung in Chicago. Ein Bus bringt uns ins Hotel, wo wir zwar gegen 20 Uhr Ortszeit ankommen, gefühlte Zeit nach deutschem Rhythmus: 3 Uhr nachts. Außer einem ersten Kennenlern-Umtrunk in der Hotelbar passiert nicht mehr viel.
Sonntag, 06.05.07
Gourmet-Fast-Food
Um 9 Uhr fährt der Bus für die Store-Check-Tour in Chicago vor. Unser "Guide" Robert liefert vom Bus aus vielfältige Informationen über die Stadt. Bei Fox & Obel bekommen wir einen ersten Eindruck davon, was
Wer soll da widerstehen?
Gourmet-Food in einer amerikanischen Großstadt bedeutet: Frische, Vielfalt und Ambiente werden auf die Spitze getrieben. Musik unterstützt die entspannte Einkaufsatmosphäre. Rohe Backsteinwände und Eisenträger weisen auf die Historie des Gemäuers hin. Ein Kontrast zur sinnlich dargebotenen Ware: Käse, Wein, Frischfisch, Backwaren, Fleisch und andere Delikatessen vom Feinsten. Selbst im Wasserregal findet sich eine exquisite Auswahl: Fidji-Wasser klingt dabei nur aus unserer Sicht nach etwas Besonderem – europäisches Wasser wird dagegen in USA teilweise in Designer-Flaschen angeboten. Ein Manager des Marktes beantwortet unsere Fragen und erlaubt uns, zu fotografieren. Erst als wir alles im Kasten haben, stellt sich heraus, dass er das gar nicht hätte tun dürfen. Glück für uns. Mittagessen bei Eatzie’s. Ein Gourmet-Tempel für die Zwischendurchverpflegung. Eine Mischung aus Supermarkt und Fast-Food-Restaurant – aber auf deutlich gehobenerem Niveau als man es irgendwo in Deutschland finden könnte. Edel aber begrenzt ist das klassische Supermarkt-Sortiment. Im Mittelpunkt stehen fertig zubereitete Mahlzeiten. An einer Bedientheke stehen schätzungsweise 50 verschiedene Gerichte zur Auswahl. Ein ebenso großes Angebot bietet die Salatbar. Und wer sich nicht selbst etwas zusammenstellen will kann auf etliche Meter vorverpackte aber ebenso frische Mahlzeiten zugreifen. Sieht alles lecker aus. Einziges Manko: Wenn das Geld an der Kasse abgeliefert ist, und man nun essen möchte, lässt das Ambiente mit einfachsten Tischen und Stühlen, Plastikgeschirr und dem für Fastfood typischen Müll doch irgendwie zu wünschen übrig. Allerdings dürfte sich die amerikanische Stammkundschaft wohl weniger an labberigen Plastikgabeln stören, als wir Deutschen das tun.
Trader-Joe's - Aldis Premium-Discount?
Discount mit hochwertigem Ambiente bei Trader Joe's
Besonderes Interesse findet heute Trader Joe’s. Ein US-Ableger von Aldi-Nord, der zwar Discount-Abläufe realisiert – was den Teilnehmern der LZ-Reisegruppe, die ja alle vom Fach sind, sogleich auffällt. Sortiment und Ambiente sprechen jedoch eine ganz andere Sprache. Verkleidete oder angemalte Wände, Holzregale und Schilder, die wirken, als wären Sie mit Filzstiften von Hand gemalt. Das Preisniveau liegt zwar deutlich über dem, was wir von Aldi gewohnt sind, doch gemessen am dargebotenen Spezialitäten- und Qualitätsangebot kann man von preiswert sprechen. Wird Aldi von diesem US-Auftritt etwas nach Deutschland übertragen, wenn die reine Discount-Lehre hierzulande ausgereizt ist? Das fragen sich die mitreisenden Einzelhändler. Im Gegensatz zu anderen US-Vertriebstypen gibt es bei Trader’s allerdings keine vor Ort zubereiteten Speisen.
Domnick’s Fresh Market in Chicago City bietet weniger Grund zur Nachdenklichkeit. Ein Großflächen-Konzept. Breites Warenangebot, aber nichts überraschendes. Der eine oder andere findet ein kleines, interessantes Detail. Die Health-Produkte beispielsweise. Oder die Regalstopper, die speziell auf Kinderprodukte hinweisen, die wenig Zucker enthalten. "Denn süß genug sind die lieben Kleinen auch ohne Zucker." Aber staunen können wir nicht mehr, denn wir haben bereits besseres gesehen. Zusätzlich halten wir spontan bei zwei Drogeriemärkten und einer Bäckerei-Kette, wofür sich einzelne Reise-Teilnehmer besonders interessieren.
Am Abend lädt die LZ zum Welcome-Dinner ins Hotel Riva am Navi-Pier. Fischspezialitäten mit Blick auf den Michigan-See und die abendlich erleuchtete Skyline von Chicago.
Montag, 07.05.07
Doch nicht alles XXL
Messetag. Wir besuchen die größte Foodausstellung der USA "FMI Show" samt einem umfangreichen Kongress-Programm. Doch während sonst so vieles in Amerika wie eine XXL-Version daherkommt, sind wir von der Anuga in Deutschland einiges mehr gewohnt. Den meisten der Gruppe gelingt es, das gesamte Messeangebot innerhalb eines Tages zu sehen. Viele der dargebotenen Produkte passen in die Kategorien Health, Wellness, Bio und Convenience.
Dienstag, 08.05.07
Eine Ananas für Paul Newman
Wer hat die Ananas eingepackt?
Noch ein halber Tag "FMI Show". Einige nutzen ihn auch zur individuellen Chicago-Entdeckungs-Tour. Ab Mittag stehen nochmals einige Stores auf dem Programm. Costco Club Stores beispielsweise. Ein Konzept, das mit seinen Riesigen Packungsgrößen an Metro C+C erinnert. Ist aber für jedermann nutzbar – vorausgesetzt er zahlt die Jahresgebühr von 50 bzw. 100 Dollar für eine Clubkarte. Zwei Managerinnen begleiten uns durch den Store, beantworten Fragen, verbieten jedes Fotografieren. Gemeinsam kaufen wir über eine Clubkarte ein, teilen später im Bus die Rechnung. Übrig bleibt eine Ananas. Die lag im Einkaufswagen aber niemand aus der Gruppe hat sie hinein gelegt. Im grunde hatte sich sogar jeder gewundert: Wer kauft auf Reisen eine Ananas? Wie soll man die im Hotelzimmer aufschneiden??? Wir haben sie unserem – sehr geduldigen – Busfahrer "Paul Newman" geschenkt. Er hat sich sehr gefreut oder war zumindest sehr freundlich – bei den Amis weiß man das nicht so genau zu unterscheiden.
Wenig begeistert sind die meisten Teilnehmer von den so genannten "Dollar Stores". Das ist Handelsrealität. Aber es kann kaum begeistern. Da kann man wenig über Wertschöpfungskonzepte lernen, die sich auf Deutschland übertragen lassen. Interessant ist es trotzdem. Immerhin handelt es sich um die US-Vertriebsform mit dem größten Wachstum in der Filialzahl. Dollar Stores führen vor allem Basisprodukte. In Amerika heißt das: Chips und Snacks, Getränke, Waschmittel und Grußkarten.
Viel Stau - wenig Schau. Ciao.
Die Preise sind glatt bei 1, 2, 3,.... Dollar. Durch die individuellen Packungsgrößen sind sie aber nur schwer mit denen anderer Händler vergleichbar. Die Einfachheit macht den Erfolg aus. Der Meijer Superstore bringt unseren Zeitplan durcheinander. Weit ab von der City treibt er uns erst mal in einen Stau auf der Autobahn. Dann ist der Markt im Umbau. Wir suchen einen zweiten Markt auf, den Paul Newman empfiehlt. Also noch mal eine halbe Stunde Fahrt. Store-Check, dann zurück in die City. Damit wir unsere Tischreservierung im Restaurant überhaupt einhalten können, fährt Paul Newman uns dort direkt vor – statt ins Hotel. Er hat die Ananas als Plus zum Trinkgeld mehr als verdient!!
Hallo New York!
Mittwoch, 09.05.07
Schlafen? Nicht in New York!
Reisetag. Flug von Chicago nach New York. Wir landen im sehr zentral gelegenen Szene-Hotel Hudson. Kleine Zimmer, aber sehr cool. Eine sehr trendige Terrasse mitten zwischen Hochhäusern. Und drinnen Tanz bis drei Uhr Nachts. Sehr spaßig. Das betont den Jet-Lag vorher und nachher. Aber schlafen ist in New York einfach nicht die geeignete Beschäftigung. Nach der Ankunft treibt es uns auf die Straße. Jeder versucht die Stadt auf seine Art zu entdecken. Fifth Avenue, Broadway, Central Park und aufs Dach des Rockefeller Center. Später treffen wir uns zu den besten und größten Steaks des Big Apple.
Donnerstag, 10.05.07
Wände aus Brokkoli, Salat oder Äpfeln
Bergeweise Vitamin C
Store-Checks in und um New York. Whole Foods, Balduccis, Dean & Delucca, Fairway Megastore und Wegman’s. Beeindruckend. Immer wieder. Frische-Qualität zelebriert. Gourmet-Angebote zum Direktverzehr oder für zuhause. Ware, die für sich selbst spricht. Wände aus Brokkoli, Salat oder Äpfeln. Und wer nicht schon Hunger hatte, bekommt ihn hier. Aber selbstverständlich gibt es für diesen Fall in allen Outlets ein reichliches und köstliches Angebot vielfältigster Speisen zum Verzehr vor Ort. Geschnittenes Obst in Menge und Auswahl, bei denen deutsche Einzelhändler vor allem an die Abschreibungen denken. Aber in New York fehlt es scheinbar weder an Frequenz noch am Geld. Die Menschen verpflegen sich direkt aus dem Markt heraus. Kaufen, aufessen, fertig. Wir tun es ebenso.
Zum Abschluss bringen uns ein paar Stretch-Limos vom Hotel zum Pier. Ganz lustig, so ein Sofa im Auto. Dann schippern wir beim Abendessen mit einem Dampfer in die Nacht hinein, vorbei an der Freiheitsstatue, immer mit Blick auf die Skyline. Es darf sogar getanzt werden. Fortsetzung im Hotel.
Freitag, 11.05.07
Goodbye Amerika. Hallo Deutschland.
Ein wenig müde, voller Eindrücke und neuer Ideen treffen wir uns zum Workshop. Revue passieren lassen, was wir gesehen haben, was wir mit nach Deutschland nehmen und evtentuell auch hier umetzen können. Gerade bei einigen Wertschöpfung schaffenden Ansätzen sind die amerikanischen Händler den hiesigen um einiges voraus. Gastronomische Ansätze stecken bei uns in den Kinderschuhen. Auch beim Ladenbau könnten wir uns einiges abgucken. Atmosphäre gelingt einigen US-Händlern selbst auf größten Verkaufsflächen.
Anstrengend war's - aber auch sehr spannend.
Es bleibt noch ein klein wenig Zeit für einen letzten Spaziergang durch die Straßen des Big Apple, ein Sandwich im Central Park und dann wartet schon der Bus, der uns wieder zum Flughafen bringt. Einige Teilnehmer der LZ-Reise bleiben noch etwas länger. Die meisten von uns treten den Heimweg an. Erste Gedanken an Deutschland, die Aufgaben, die liegengeblieben sind, und die Familie mischen sich im Flugzeug in den Versuch zu schlafen. Ein paar wenige Stunden Schlaf sind den meisten von uns doch noch vergönnt. Dann gehen wir wieder jeder seiner Wege. Goodbye Amerika. Hallo Deutschland. Und vielen Dank allen Teilnehmern der LZ-Reisegruppe für eine sehr gelungene Woche in sehr netter Gesellschaft.