Lebensmittel-Preise steigen weiter
Dr. Sabine Eichner , Geschäftsführerin der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungswirtschaft (BVE)
LZnet/dpa-AFX/hof. Bei Lebensmitteln müssen Verbraucher auch weiter mit leichten Preissteigerungen rechnen. Nachdem Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke in den ersten neun Monaten dieses Jahres 3 Prozent teurer waren als im Vorjahreszeitraum, sei künftig mit einem ähnlichen Preisanstieg von 3,0 bis 3,5 Prozent zu rechnen.
Das sagte Sabine Eichner, Geschäftsführerin der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungswirtschaft (BVE), zur bevorstehenden weltgrößten Nahrungsmittelmesse "Anuga" (8.-12. Oktober) in Köln.
Der Umsatz der Ernährungsindustrie lag nach vorläufigen Zahlen bis September 2011 bei rund 122 Mrd. Euro. Das war ein Plus von real 2,4 Prozent. Gründe dafür sind die Preissteigerungen und vor allem ein kräftiger Exportzuwachs. 2010 hatte der viertgrößte Industriezweig in Deutschland mit derzeit 5900 Betrieben und 544.000 Beschäftigten dagegen ein leichtes Umsatzminus von 0,2 Prozent auf 149,5 Milliarden Euro zu verdauen.
Wachstumsmotor für die Ernährungsindustrie ist schon seit Jahren das Exportgeschäft. Mit einer Steigerung von 11,5 Prozent erreichen Sabine Eichner zufolge die deutschen Lebensmittelausfuhren in den ersten drei Quartalen 2011 einen neuen Rekordwert von 33,9 Mrd. Euro. Insbesondere außerhalb der EU, wie z.B. in Russland, konnte die Marktpräsenz deutlich verbessert werden.
Das Auslandsgeschäft der Ernährungsindustrie habe sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt und trägt heute rund 28 Prozent zum Gesamtumsatz bei. Rund 80 Prozent der deutschen Lebensmittelexporte werden in der EU abgesetzt.
Die Geschäftslage in Deutschland wird von den Lebensmittelherstellern schlechter als noch im Frühjahr 2011 beurteilt. Der verregnete Sommer erschwerte den Absatz von typischen Saisonartikeln. Ob Grillfleisch und Grillzutaten, Bier, Erfrischungsgetränke und Mineralwasser oder Eiscreme - bei schlechtem Wetter haben die Verbraucher schlichtweg dafür nur geringeren Bedarf. So verzeichneten diese Branchen mengenmäßige Einbußen von 10 bis 30 Prozent.
Für die nächsten sechs Monate rechnen die Unternehmen mit einer stabilen Geschäftslage und weiter hohem Kostendruck, wie aus dem Ifo-Geschäftsklimaindex vom August 2011 für die Ernährungsindustrie hervorgeht.
Knapp 20 Prozent der Unternehmen gehen von einem leichten Beschäftigungsabbau in den kommenden Monaten aus. Nach wie vor positiv sind die Erwartungen an das Exportgeschäft in diesem Jahr.
Die deutschen Verbraucher legten beim Einkauf mehr Wert auf Qualität. Dieser Trend zeichne sich bereits seit längerer Zeit ab und er verfestige sich. Qualität liege mit dem Preis als Entscheidungskriterium beim Einkauf fast gleichauf, wie die GfK Panel Services Deutschland feststellt.
Die BVE wird gemeinsam mit der GfK am 7. Okt. 2011 die Verbraucherstudie "Consumers‘ Choice 2011" zum Thema "Lebensmittelqualität im Verbraucherfokus: Chancen für Ernährungsindustrie und Handel" vorstellen, in der 30.000 Haushalte zu ihren Qualitätseinstellungen zu Lebensmitteln befragt wurden.