Mit Lifestyle zum Erfolg
Der Name Douglas steht für Luxus und Ambiente. Vor allem die Parfümerien des Konzerns, dem Dr. Henning Kreke seit 2001 vorsteht, gelten europaweit als state of the art. Die geglückte Kombination aus Tradition und Moderne schafft die Basis für hohe Renditen / Von Tanja Fries
LZ|NET. Wer Großes bewegen will, der braucht vor allem eines: Eine
gehörige Portion Mut! Den hat der junge Kaufmann Jörn Kreke gleich
mehrfach bewiesen. Ende der sechziger Jahre gibt er eine
Zeitungsannonce auf, die als äußerst mutig zu bezeichnen ist:
"Deutschlands größtes Parfümerieunternehmen sucht Geschäftsführer",
lässt Kreke in dicken Lettern drucken.
Die Stellenanzeige sorgt für Interesse.
Der junge Handelsmanager Hans Hellwig meldet sich auf die Annonce
hin und ist nach einem kurzen Bewerbungsgespräch begeistert von dem
angebotenen Job. "Eine Frage habe ich aber noch", sagt der
designierte Geschäftsführer von Deutschlands größter
Parfümeriekette. "Wie viele Filialen haben Sie?" Und der Visionär
Kreke antwortet: "Noch keine! Aber wir wollen die Größten werden."
Zwar ist der Vollbluthändler bereits seit 1963 beim
Süßwarenanbieter Hussel aktiv. Aber mit dem Parfümgeschäft betritt
Kreke Neuland - und legt damit den Grundstein für eine der
außergewöhnlichsten Erfolgsgeschichten im Handel: die der
Douglas-Gruppe. Selbst
wenn heute das Buchgeschäft, Schmuck, Mode und Süßwaren weitere
wichtige Säulen sind: Der "Lifestyle"-Konzern steht in erster Linie
für ein erfolgreiches Parfümeriekonzept, das im Inland wie im
Ausland Maßstäbe gesetzt hat. Dabei reicht die Geschichte der
Douglas-Parfümerien zurück bis ins 19. Jahrhundert.
Ein junger
Mann namens J.S. Douglas, ein gebürtiger Schotte, wandert nach
Deutschland aus und gründet 1821 eine Parfümerie- und Seifenfabrik
in Hamburg. Schon bald avanciert Douglas zum Vorreiter für feine
Parfümerieartikel. Die erste "Parfümerie Douglas" eröffnet 1910 am
Jungfernstieg.
Nach wechselvollen Jahren übernimmt die Hussel
AG - die später in Douglas Holding AG umbenannt wird - 1969
zunächst die Braunschweiger Parfümerie Hanhausen und wenig später
die Parfümerie Douglas mit sechs Geschäften in Hamburg. "Damit war
der erste wichtige Schritt in Richtung Diversifikation gemacht",
erzählt Dr. Henning Kreke.
Jörn Krekes Sohn steht seit 2001
als Vorstandsvorsitzender an der Spitze des Unternehmens. An der
Erfolgsformel hat sich im Kern nichts geändert: "Herausragender
Service, erstklassige Sortimente und ein erlebnisorientiertes
Ambiente - daran arbeiten wir täglich".
Die Rechnung geht auf.
Die Parfümeriesparte ist die Perle im Portfolio. Auch in Zeiten, in
denen der Rest der Handelslandschaft mit sinkenden Umsätzen und
rückläufigen Erträgen zu kämpfen hat, können die Hagener punkten.
Insgesamt steht das Parfümerie-Geschäft heute für einen Umsatz von
über 1,8 Milliarden Euro - eine Leistung, vor der Wettbewerber wie
Lieferanten den Hut ziehen.
Das Management erkennt schnell:
Allein auf den Heimatmarkt zu setzen, reicht nicht aus. So betritt
Douglas 1972 mit der Übernahme der Parfümerie Ruttner in Wien
erstmals internationales Parkett. Wenig später erfolgt der Einstieg
in den holländischen Markt. Weitere Auslandsgesellschaften kommen
hinzu, die für ein schnelles Wachstum sorgen. Heute trägt der
Handel außerhalb des Heimatmarktes in der Parfümeriesparte mehr als
die Hälfte zum Gesamtumsatz bei. "Das Vertrauen in das unternehmerische Handeln der Teams vor Ort
gepaart mit dem Streben nach renditeorientiertem Wachstum",
beschreibt Henning Kreke die unternehmerische Leistung seines
Vaters. Das schließt auch den Vorstoß in neue Geschäftsfelder ein.
So erfolgt 1979 der Einstieg ins Schmuckgeschäft. Ebenfalls
1979 starten die Hagener in Deutschland mit dem Buchhandel. Durch
den Zusammenschluss mit Thalia 2001 avanciert die Buchsparte zum
mittlerweile zweitstärksten Geschäftsbereich hinter den Parfümerien
mit einem Umsatz von knapp 770 Millionen Euro.
Dass Douglas
strenge Anforderungen an die einzelnen Bereiche hat, zeigt aktuell
die Situation der Textil-Sparte. "Appelrath-Cüpper steht auf dem
Prüfstand", bekennt Kreke ohne Umschweife. Die 15 Häuser verdienen
ihre Kapitalkosten derzeit nicht. "Wir erwarten eine angemessene
Verzinsung auf das gebundene Kapital - mindestens 6,5 Prozent nach
Steuern."
Auch in den vergangenen Jahren ist der Konzern nie
davor zurückgescheut, sich von Sparten zu trennen, die entweder
nicht in das Konzept passten oder die Vorgaben nicht erfüllten.
Es
ist nicht zuletzt das konsequente Management des Portfolios, das
Douglas so erfolgreich macht: Mit einer Umsatzrendite von
konzernweit 4,8 Prozent im Geschäftsjahr 2006/2007 jedenfalls
gehören die Hagener zu den Besten im deutschen Handel.
Teil
des Erfolgsgeheimnisses ist sicherlich auch die Tatsache, dass sich
der Konzern trotz seiner Börsennotierung den Charakter eines
Familienunternehmens bewahrt hat. Neben gut 22 Prozent der Anteile,
die die Oetker-Gruppe hält, sind rund 35 Prozent der Anteile in der
Hand der Familien Kreke und Eklöh. Der Rest ist breit gestreut. "Es
geht nicht um eine kurzfristige Renditeoptimierung", sagt der
heutige Firmenchef. Ziel sei vielmehr, Douglas langfristig optimal
aufzustellen.
Dabei sei es wichtig, neben den Kunden auch die
Mitarbeiter in den Mittelpunkt zu stellen. "Es ist uns wichtig,
dass jeder Mitarbeiter ernst genommen und als Mensch geschätzt
wird, denn nur begeisterte Mitarbeiter können auch ihre Kunden
begeistern", so Kreke.
Dass Douglas auch in dieser Hinsicht
auf dem richtigen Weg ist, zeigen die überdurchschnittlich langen
Betriebszugehörigkeiten. Auch Hans Hellwig, der in den sechziger
Jahren den Einstieg in das junge Parfümerie-Unternehmen wagte und
später bis in den Vorstand aufstieg, blieb für Jahrzehnte. Und aus
der Vision wurde Wirklichkeit: Douglas ist die unangefochte Nummer
1 in Deutschlands Parfümerielandschaft.