Molkereien setzen auf Exportmärkte
Der globale Handel der Milchindustrie wird für ein Jahrzehnt mit hohen Preisen sorgen.
Foto: Anuga
LZnet/dl. Von der weltweit anhaltend starken Nachfrage nach Milchprodukten möchten auch die hiesigen Molkereien profitieren. Doch die europäischen Märkte sind weitgehend an ihre Wachstumsgrenzen gelangt. Mit hochwertigen und nachhaltigen Produkten wollen die Unternehmen gegensteuern.
Die Hoffnungen der Milchindustrie weltweit ruhen auf den reicheren Entwicklungsregionen Nordafrika, Naher Osten und Ostasien. Der Handel mit Milchpulver, Käse und Butter wird bis 2020 nach Prognosen der OECD und der FAO um 20 bis 30 Prozent zulegen. Selbst wenn in Europa nur wenige Molkerei-Riesen daran teilhaben werden, wird der globale Handel für ein Jahrzehnt mit relativ hohen Preisen sorgen – auch in den gesättigten Märkten Europas.
Wer ist wo?
Andechser Molkerei Scheitz GmbH, Andechs: H10.1/F036, F038
J. Bauer GmbH & Co. KG, Wasserburg: H10.1/F079, F071
DMK Deutsches Milchkontor GmbH, Everswinkel: H10.1/C011, D018
Ehrmann AG, Oberschönegg: H10.1/E060, E068
Emmi Schweiz AG, Luzern: H10.1/B041,C041
Frischli Milchwerke GmbH, Rehburg-Loccum: H10.1/F035
Heideblume Molkerei Elsdorf-Rotenburg AG, Elsdorf: H10.1/G038
Milch-Union Hocheifel eG, Pronsfeld: H10.1/F041,F049
Milchwerke Schwaben eG, Neu Ulm: H10.1/E069
Minus L OBM Omira Bodenseemilch GmbH, Ravensburg: H10.1/E037, E039
Zott GmbH & Co. KG, Mertingen: H10.1/G068, G060
Davon wird ein Großteil der 360 Anbieter auf einer Fläche von 23500 qm in Halle 10.1 profitieren. Denn hier sind meist die mittelständischen Unternehmen vertreten. Große Namen wie Danone, Arla, Müller oder Lactalis fehlen leider.
Für die
Privatmolkerei Zott ist die Anuga seit jeher eine zentrale und wichtige Plattform für die Lebensmittelindustrie. "Wir erwarten Fachpublikum aus der ganzen Welt, insbesondere aber aus Ländern jenseits von Deutschland, denen wir unsere, für die jeweiligen Märkte entworfenen Produktkonzepte vorstellen und zur Verkostung anbieten werden", heißt es aus Mertingen.
In den Mittelpunkt der Messeaktivitäten stellt Zott "hochwertige und nachhaltige Qualitätsprodukte, die den Verbrauchern einen Mehrwert bieten und ihren steigenden Ansprüchen nach Genuss und Abwechslung gerecht werden".
Beispielsweise präsentiert Zott den Zottarella-Markenmozzarella, der mit Milch aus gentechnikfreier Fütterung hergestellt wird. Darüber hinaus informiert die Molkerei auch über das "neue, einmalige und hochinnovative Produktkonzept der warmen, convenienten Käseküche – den Mozzarella-Taler". Zusätzlich zeigt das Unternehmen im Bereich des Käsesortiments den Bayerntaler kräftig-würzig, der aus Allgäuer Bergbauernmilch gekäst wird.
Im Joghurt- und Dessertsegment richtet die Molkerei zum einen den Fokus auf den, seit Langem zum Klassiker avancierten Zott Sahne-Joghurt, der im Januar eine Sorten- und Sortierungsergänzung erfährt. Außerdem wird es ab Dezember den Joghurt im 330-g-Becher geben. Aber auch bei Jogolé gibt es Neuigkeiten.
Seit vielen Jahren galt für dieses Produkt das Motto "Nur 0,1 Prozent Fett, dafür 100 Prozent Genuss" – ab Herbst können sich Verbraucher jedoch auf einen "lecker-fruchtigen Relaunch" freuen, der sich nicht nur auf die Jogolé-Verpackung bezieht, sondern auch die Rezeptur und das dahinter stehende Konzept umfasst.
Mit den letzten Anugas und den dort angebahnten Geschäften waren die Zott-Manager sehr zufrieden. "Wir gehen auch in diesem Jahr davon aus, dass unsere hohen Erwartungen hinsichtlich Quantität, aber vor allem der Qualität der Gespräche und Begegnungen erfüllt werden." Thematisieren wollen sie aber auch die "teilweise dramatisch gestiegenen Preise für Rohfrüchte, Zucker und Verpackungen, um nur einige Bereiche zu nennen".
Das werden auch Florian und Markus Bauer von der gleichnamigen
Privatmolkerei Bauer tun: "Im Rahmen der Messe werden wir einerseits neue Produkte vorstellen, andererseits aber natürlich auch das bestehende Sortiment beleuchten. Darüber hinaus wird sicherlich die aktuelle Kostensituation im Markt, hervorgerufen durch deutliche Preissteigerungen bei Rohwaren wie Zucker und Fruchtzubereitungen sowie bei der Verpackung, eines der bestimmenden Anuga-Themen in diesem Jahr sein."
Hinzu kommen die Bereiche Nachhaltigkeit – insbesondere der Aspekt Gentechnikfreiheit – sowie das Exportgeschäft, die ebenfalls einen bedeutenden thematischen Pfeiler der Messe bilden werden. "Die Messe ermöglicht es uns, gerade auch diejenigen Unternehmen zu treffen, bei denen der persönliche Kontakt sonst nicht so intensiv möglich ist."
Dr. Thomas Obersojer, Geschäftsführer der Bayerischen Milchindustrie
BMI eG, rechnet damit, dass viele, auch internationale Besucher, zur Messe kommen: "Für uns spielen auf der Anuga große Exportmärkte wie der asiatische Raum eine besonders wichtige Rolle. Auch um neue Exportländer zu erschließen und Kontakte zu knüpfen, ist die Messe für uns sehr wichtig." BMI werde auf der Messe den Kugel-Mozzarella von Paladin sowie die Tirestella Kakaogetränke in diversen Geschmacksrichtungen noch einmal groß präsentieren.
Mit über 90 Prozent internationalem Publikum rechnet der Marketingleiter von
Frischli, Curd Kießler: "Allerdings dürfte am Montag und Dienstag auch die Spitze des deutschen Handels auf der Messe vertreten sein." Frischli wird eine Innovation unter der erfolgreichen Marke "Leckermäulchen" präsentieren, die 2012 eingeführt wird.
Die Milchquark-Mahlzeit wird dadurch zusätzlich in einer neuen Warengruppe vertreten sein. Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Präsentation des Export-Sortiments haltbarer Milchprodukte. "Unser großes Sortiment im Foodservice-Segment bietet noch sehr große Potenziale für den Export. Um Kompetenz zu zeigen, wird Frischli eine eigene Showküche präsentieren und dort frisch und auf höchstem Niveau mit den eigenen Produkten ein Sterne-Menü für unsere Standbesucher kreieren", kündigt Kießler an.
Die
Milch-Union Hocheifel (MUH), will an die sehr erfolgreiche Anuga 2009 anknüpfen. Der Export gewinnt für MUH weiter an Bedeutung, daher richtet die Molkerei die Messeteilnahme schwerpunktmäßig an den Interessen der Exportkunden aus. "Vorrangig sehen wir die Anuga weniger als Neuheiten-Messe, sondern eher als Kommunikationsplattform für unsere Händler und Partner, die mit unseren Produkten inzwischen schon in über 45 Ländern der Erde handeln", so Vertriebschef Winfried Meier.
2013 steigt MUH mit dem neuen Trockenwerk verstärkt ins Industriegeschäft ein, außerdem wird das Buttergeschäft wieder aufgenommen. Meier: "Jetzt ist genau der richtige Zeitpunkt, unsere Planungen mit den bestehenden Kunden sowie potenziellen Neukunden zu diskutieren, damit deren Meinungen und Ideen in die Detailplanung für die Neuinvestitionen mit einfließen können."
Das Vertriebsteam werde mit den Gästen auch über Fortschritte im Bereich der Nachhaltigkeit und über neue Verpackungslösungen sprechen. "Wir haben auch für die Zukunft den Anspruch, einer der führenden europäischen Anbieter im Handelsmarkenbereich zu sein", so Meier.
Deutschlands größte Molkerei,
DMKDeutsches Milchkontor, präsentiert sich auf der Anuga mit neuen Strukturen, die sämtliche Vertriebskanäle der Produkt-Segmente Weiß und Gelb betreffen. "Unseren Kunden und Besuchern zeigen wir auf unserem Stand und anhand unserer Produkt-Neuheiten, wie wir uns mit der bisher schon leistungsstarken Marke Oldenburger international neu ausgerichtet haben", so Vertriebschef Rolf Janshen. Neuprodukt-Präsentationen für die Segmente Käse, Desserts, Joghurt und Getränke stehen im Vordergrund.
Die Schweizer Großmolkerei
Emmi und ihre deutsche Dependance erwartet, "dass maßgebliche Partner aus dem nationalen und internationalen Handel den Messestand besuchen werden". Ende August hatte Emmi zum ersten Mal in der Geschichte des Unternehmens einen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht. "Wir werden den direkten Kontakt mit unseren Partnern auf der Anuga nutzen, um Fragen zum Nachhaltigkeitsbericht zu beantworten und dieses Thema natürlich auch aktiv ansprechen", heißt es aus Luzern.
Ein weiteres Thema, das thematisiert werden soll, ist der starke Franken, der in den letzten zwölf Monaten für eine rege Preisdiskussion und damit verbundene Preiserhöhungsrunden im Lebensmittelhandel gesorgt hat. Außerdem informiert Emmi den Handel über die Umstellung auf Kaffee von Rainforest Alliance-zertifizierten Farmen für Caffè Latte. Zusätzlich planen sie den Launch eines Multipacks, um die Sortimentsattraktivität zu steigern.
Die größte österreichische Molkerei
Berglandmilch (H10.1/D035) nutzt die Anuga, um gleich ein Dutzend Produktneuheiten vorzustellen. Darunter Schärdinger Käse in hauchdünnen Scheiben, die Bärenhunger-Milchcreme als erstes Bio-Milchprodukt für Kinder, das Tiroler Müsli Schärdinger Heidelbeer Topfennockerl mit Vanille Sauce oder Schärdinger Träume zum Trinken.