Freitag, 25. Mai 2012

mail mail mail Schwerpunkt: Goldener Zuckerhut

Nur Werte schaffen Werte

Freitag, 16.11.2007

LZ|NET. Dürren verwüsten die Landschaft und bedrohen die Existenz der Landwirtschaft in Südeuropa. Wirbelstürme zerstören Ölplattformen in Mittelamerika. In Skandinavien regnet es in Strömen, nahezu unaufhörlich. Was wie eine weitere düstere Wetterprognose von Umweltaktivisten anmutet, ist in Wahrheit das Ergebnis wissenschaftlicher Berechnungen. Und die besagen, dass "wir auf eine komplett andere Welt zusteuern", wie Dr. Hans Joachim Schellnhuber, Leiter des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung in seinem Vortrag zum Kongress des 50. Goldenen Zuckerhuts feststellte. Er sprach deutliche, nicht gerade feierliche Worte.

Aber das Feiern sollte auch nicht im Mittelpunkt stehen bei diesem Jubiläumskongress, den die veranstaltende Lebensmittel Zeitung unter die Überschrift "Blickwechsel - Unternehmen auf Augenhöhe mit der Gesellschaft" stellte und damit dem Thema gesellschaftliche Verantwortung widmete. "Wir schauen heute nicht in die Branche hinein, sondern ganz bewusst über die Grenzen hinaus", hatte Chefredakteurin Angela Wisken zur Einleitung gesagt. Die drei Referenten erfüllten auf der Bühne der Berliner Philharmonie, die sich bezeichnenderweise auf Augenhöhe mit der ersten Sitzreihe befindet, diesen Anspruch. Sie wiesen ihre rund 700 Zuhörer darauf hin, dass die derzeit unter dem Stichwort Corporate Social Responsibilty (CSR) erbrachten Leistungen, nicht nur wünschenswert und lohnend, sondern geboten sind.

"Unternehmen leisten zu wenig, wenn sie nur leisten", sagte Professor Dr. Bolko von Oetinger, Direktor des Strategieinstituts der Boston Consulting Group, der über das Thema "Größe verpflichtet - Corporate Social Responsibility als unternehmerische Aufgabe" referierte. Für ihn ist es verfehlt, gesellschaftliches Engagement nur als Kostenfaktor zu verstehen. Richtig umgesetzt, seien derartige Aktivitäten vielmehr Investitionen in die Wettbewerbsfähigkeit, sagte von Oetinger.

Freiwillige Selbstbeschränkung

Großkonzerne hätten teilweise bereits begriffen, dass sie nicht nur ökonomische, sondern auch politische Einheiten seien und zu einem integrierten Teil der Gesellschaft werden müssten. Damit dies gelingt, empfahl der Referent die gründliche Analyse etwaiger Vertrauensprobleme, das Durchleuchten der Konzernprozesse sowie die "freiwillige Selbstbeschränkung, um Regulierern zuvorzukommen."

Selbstbeschränkung ist auch der Weg, der das vom Physiker Schellnhuber unter der Überschrift "Ein globaler Lernprozess. Klima, Wasser und Ernährung - vom Umgang mit unseren Ressourcen" dargestellte und vom weltgrößten Computer in Japan errechnete Zukunftsszenario noch abmildern könnte. Eine vollständige Umkehr hält der Forscher ohnehin nicht mehr für möglich. Die Menschheit, die nach seinem Erkenntnisstand die Hauptverantwortung für die aktuelle Klimaveränderung trägt, könne allenfalls darauf hinarbeiten, dass die mittlere Welttemperatur nicht über zwei bis zweieinhalb Grad steige. Um dies zu erreichen, sei nicht weniger als die "dritte industrielle Revolution" vonnöten, sagte Schellnhuber. "Erneuerbare Energien" müssten im Mittelpunkt dieser Veränderungen stehen.

Einen anderen Wandel, den Wertewandel, stellte Nestlé-Ehrenpräsident Dr. Helmut Maucher in den Mittelpunkt seiner Rede zum Thema "Langfristig denken. Werte schaffen für Unternehmen und Gesellschaft". Er bemängelte die Mentalität des kurzfristigen Denkens, die sich seiner Ansicht nach in den vergangenen Jahren in den Chefetagen breit gemacht habe. Erst eine innerhalb der Unternehmen gelebte Werteorientierung werde letztlich dazu führen, dass das gesellschaftliche Engagement der Wirtschaft als glaubwürdig wahrgenommen werde.

"Immerhin spricht man jetzt darüber", sagte Maucher. Die Zuhörer verabschiedeten ihn mit Standing Ovations.

Goldener Zuckerhut







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