Prestigeobjekte
LZ|NET/mur. Was machen die Auserwählten eigentlich mit der Trophäe,
die ihnen die Lebensmittel Zeitung mit großem Brimborium verleiht?
Die Frage hat sich wohl jeder schon einmal gestellt, der dem
Festakt zugesehen hat. Freudig bewegt tragen sie den Artefakt zu
ihrem Ehrentisch, nehmen ihn spät nachts dann mit auf ihr
Hotelzimmer; alles weitere entzieht sich der Beobachtung.
LZ-Redaktion und Deutscher Fachverlag deuten mit der Gestaltung des
Preises nur dezent an, wie sie sich den angemessenen Umgang damit
vorstellen. Zunächst: Das Ding heißt zwar Goldener Zuckerhut, aber
es ist nicht aus Gold. Keineswegs aus Knauserigkeit verzichten die
Spender auf die massive Ausführung in Edelmetall, sondern aus
weiser Voraussicht. Der Zuckerhut müsste sonst ja im Safe
verschwinden – oder der eine oder andere Empfänger könnte in
Versuchung geraten, das gute Teil in der Pfandleihe zu versetzen.
Selbst Vorzeigeunternehmen bleiben nicht alle von den Wechselfälle
des Wirtschaftslebens verschont...
| Wo steht Ihr Goldener
Zuckerhut? |
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anklicken |
Also besser nicht aus Gold. Aber aus billigem Blech oder aus
Zucker ist er auch nicht, sondern aus Messing gedreht, handgraviert
und echt vergoldet. Zarte Frauenhände in weißen Handschuhen setzen
das edle Stück in eine Pyramide aus Plexiglas. Würde ein
Preisträger deshalb um die gläserne Pyramide herum eine aus Stein
bauen, bei der LZ wüsste man es zu schätzen. Doch auch, wer die
Trophäe hinter Glas ausstellt, handelt ganz im Sinne der Erfinder.
Letzteres scheint die übliche Aufbewahrungsart zu sein. Ein
Aufruf an die Ausgezeichneten, doch bitte den Standort ihrer
Zuckerhüte mit einem Foto zu dokumentieren, fand starken Widerhall.
Und das Bild, das sich danach zeichnen lässt, ist ziemlich
einheitlich. Der Preis wird auch nach Jahrzehnten in Ehren gehalten
und mit andere Preziosen in einer Vitrine ausgestellt.
Das
perfekte Beispiel ist das Ausstellungsmöbel der Spar Österreich.
Die Zahl und Qualität der Exponate ist einer Kulturnation wie der
österreichischen würdig: Ehrendegen, Pokale, Schalen, Büsten... der
Zuckerhut aber auf dem besten Platz. Auch bei Dohle und Haribo, wen
wundert’s, füllen die Ehrungen ganze Schränke. Der Zuckerhut als
Highlight, aber ohne Anspruch auf Alleinstellung. Bei Tegut, in
Hieber’s Frische Center und bei Langnese Iglo wird sie ihm trotzdem
eingeräumt.
Bisher sind 254 Zuckerhüte in die Welt gegangen.
Einer der ältesten ist der von Maggi aus dem Jahr 1959. Bis heute
nimmt er im Traditionswerk in Singen einen Ehrenplatz ein. Im
Museum der Nestlé-Tochter steht er neben anderen Erinnerungsstücken
wie dem abgebildeten Bronzeteller mit dem Konterfei des
Firmengründers Julius Maggi und der Widmung „Für Treue und
vertrauensvolle Mitarbeit“.
Was ein zeitloses Design wert ist,
demonstrieren in der dm-Zentrale in Karlsruhe zwei Zuckerhüte auf
einmal. Die beiden Preise, die dem Unternehmen selbst und dessen
Inhaber Götz Werner verliehen wurden, machen in diesem hochmodernen
Ambiente ebenfalls keine schlechte Figur. Auch Storck kombiniert in
Berlin die klassische Form des Zuckerhuts mit moderner Kunst. Ohne
Bruch fügt sich der Zuckerhut auch in das futuristische Ambiente
der Hornbach-Zentrale.
Der Goldene Zuckerhut ist eine
Allzweckwaffe – und das weniger als stumpfer, schwerer Gegenstand,
sondern wegen seiner ästhetischen Qualitäten. Weder der UEFA-Pokal
noch die DFB-Meisterschale ließen sich so harmonisch mit dem
Corporate Design sowohl von Fressnapf wie dem der Sektkellerei
Henkell auf Henkellsfeld kombinieren. Immerhin, Preisträger Peter
Frauen wagt sogar die direkte Gegenüberstellung von Sportpokalen
und Zuckerhut... Passt. Weniger überraschend: Ein Zuckerhut passt
selbstverständlich auch perfekt zu den Muffins von Dr. Oetker.
Einige der eingegangenen Fotos lassen erkennen, dass die
Auszeichnung eigens zum Jubiläum einen neuen Ausstellungsplatz
bekommen hat. Bei Dornseifer wurde ein Arrangement aufgebaut, wie
es niemand 16 Jahre lang gegen das Einstauben verteidigen möchte.
Das liebenswerteste Arrangement findet sich aber vielleicht
bei der Privatkellerei F.W. Langguth. Seit 25 Jahren steht dort der
Zuckerhut in einem barocken Vitrinenschrank, zusammen mit einem
Foto der Preisübergabe durch Nestlé-Chef Helmut Maucher und einer
handverlesenen Auswahl anderer Erinnerungsstücke, mit denen sich
der Hausherr Wolfgang Langguth an sein Lebenswerk erinnert. Der
Goldene Zuckerhut als Kleinod, genau so ist er gedacht.