Gesundheit Gesundheitsmanagement lohnt sich

von Judit Hillemeyer
Freitag, 28. März 2008
Mit der aktuellen Demographie und dem zunehmenden Fachkräftemangel gewinnt der Gesundheitsaspekt an Gewicht. Es gilt, die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter möglichst über deren gesamte Erwerbsbiographie zu erhalten.



"Bildung und Gesundheit sind die Eckpfeiler einer Leistungsgesellschaft", sagte Prof. Holger Pfaff vom Institut für Arbeits- und Sozialmedizin des Universitätsklinikums Köln den rund 50 Teilnehmern der Euroforum-Veranstaltung "Betriebliches Gesundheitsmanagement" in Düsseldorf. Zum Wohlbefinden der Mitarbeiter gehören horizontale und vertikale Beziehungen zu Kollegen und Vorgesetzten.

Zu den Arbeitsbelastungen zählen Termin- und Zeitdruck, Angst vor Arbeitsplatzverlust und schlechtes Führungsverhalten, so Prof. Bernhard Badura von der Fakultät für Gesundheitswissenschaften der Universität Bielefeld. Er moderierte die Tagung.

Leistungsfähigkeit kann empfindlich durch Organisationspathologien gestört werden. Das heißt, Leitungskräfte mit einem gestörten Arbeits- und Kommunikationsstil können eine Organisation derart prägen, dass Mitarbeiter krank werden. Alle Referenten, ob Mediziner oder Vertreter von Lufthansa, Metro, Bertelsmann oder VW, betonten den engen Zusammenhang zwischen Leistung und Führungsverhalten.

Deshalb hat Thyssen Krupp Steel das Instrument "Vorgesetzten-Barometer" entwickelt und eingeführt. Anhand von acht Kriterien bewerten Mitarbeiter anonym die Qualität ihrer Vorgesetzten.

Chefs sind Vorbilder

"Gesundheit und Arbeitszufriedenheit erhöhen die Leistungsfähigkeit", sagte Klaus Jakobi, zuständig für Arbeit und Soziales im Metro-Konzern. Die Düsseldorfer Handelsgruppe hat vor drei Jahren ihre Gesundheitsoffensive "GO" eingeführt. Führungskräfte übernehmen eine Vorbildfunktion.

Deshalb nehmen alle jährlich an einer Gesundheitsschulung teil. Für den Handelskonzern ist die GO-Initiative eine aktive Gestaltung des demographischen Wandels. Das modular aufgebaute Programm setzt sich aus Informationsveranstaltungen, Gesundheitstagen, Ernährungsberatung und Präventionskursen zusammen. Dazu gehört ein subventionierter Fitnessstudiobesuch. Metro ist seit Ende 2007 rauchfrei.

Außerdem gibt es eine systematische Ergonomieanalyse des Arbeitsplatzes. In diesem Rahmen wurde erstmals ein kombinierter Steh-Sitz-Arbeitsplatz für den Kassenbereich entwickelt - eine alte Forderung der Berufsgenossenschaft. Geschaffen wurde die Funktion eines Gesundheitsmanagers. Er unterstützt die Metro-Storemanager.

Fitness auf Geschäftskosten

Für diese Aufgabe erhalten ausgewählte Angestellte eine Schulung. Seit März gibt es eine externe Mitarbeiterberatung. Kooperationspartner ist das Fürstenberg-Institut. Dort sollen berufliche, gesundheitliche und familiäre Probleme zu Wort kommen.

Handelsunternehmen gehören traditionell nicht zu den Vorreitern eines aktiven Gesundheitsmanagements. Die Automobilindustrie ist vorangeschritten. Hersteller wie VW unterhalten eigene Trainingszentren in allen Werken. Und sie ermöglichen den Mitarbeitern Gesundheits-Check-ups. Ein eigenes Fitness-Studio betreibt auch der Telekommunikationsdienstleister O2.

Im Fokus der VW-Aktivitäten stehen ältere Mitarbeiter: "Sie sind ein Aktivposten und für eine erfolgreiche Gestaltung der Zukunft unverzichtbar", sagte Dr. Uwe Brandenburg vom Zentralen Gesundheitswesen der Volkswagen AG. Sein Wunsch ist eine periodische Überprüfung für alle Mitarbeiter und nicht erst ab 45 Jahren.

Dass Bertelsmann das Thema Gesundheit in seine jährlichen Mitarbeitergespräche integriert, stieß bei den Tagungsteilnehmern auf geteilte Meinung. Was die einen befürworteten, hatte für die anderen ein Geschmäckle - zu privat, zu persönlich, zu intim. Obwohl das Gütersloher Unternehmen versicherte, niemand würde zu einer Auskunft genötigt.

Viele Arbeitgeber sind in Sachen Gesundheit aktiv. "Doch kurzfristige Aktionen wie eine Rückenschule helfen nicht viel", mahnte Sabine Winterstein von der DAK. Die Krankenkasse hat Unternehmen wie Metro beim Aufbau des Gesundheitsmanagements unterstützt. Künftig will sie diesbezüglich auch dem Kölner Handelshaus Rewe zur Seite stehen. (juh)

Sie haben Fragen oder Anmerkungen zu diesem Artikel?
Schicken Sie eine Email an die Redaktion.

Hier können Sie die Nutzungsrechte an diesem Artikel erwerben.

Meistgelesen

stats