LZ Karrieretag 2012 Die Schokoladenseite der Branche

von Redaktion LZ
Donnerstag, 28. Juni 2012


LZnet. Rund 450 Teilnehmer, zufriedene Aussteller und Absolventen: Das ist die Bilanz des vierten LZ Karrieretags. Das Recruiting-Event brachte am vergangenen Samstag Branche und Bewerber auf dem Campus Westend der Frankfurter Goethe-Universität zusammen.

"Ich will mir Handelsunternehmen genauer anschauen – und die wichtigen sind alle hier", begründet ein BWL-Student aus Frankfurt seine Teilnahme am LZ-Karrieretag. Ähnlich zielgerichtet argumentiert eine Lebensmittelchemikerin aus Münster, die als Doktorandin in die Konsumgüterindustrie einsteigen will: "Ich habe vorab Termine bei Unilever, Beiersdorf, Nestlé und Henkel vereinbart."

Wunscharbeitgeber kennenlernen

Die Nachwuchstalente nutzen die Gelegenheit, sich über Karrierechancen in der Branche zu orientieren und mit ihren Wunscharbeitgebern in direkten Kontakt zu treten. Sie stellen ihre Fragen, vereinbaren Praktika – und in manchen Fällen drücken sie den Personalverantwortlichen ihre Bewerbungsmappen gleich in die Hand.

Auch bei den Ausstellern – namhaften Arbeitgebern aus Handel und Industrie – stößt die Recruiting-Veranstaltung der Lebensmittel Zeitung auf positive Resonanz. "Bei uns ist schon seit dem frühen Morgen viel los", berichtet Jens Plinke, Employer-Branding-Manager bei Henkel. Dr. Andreas Dold, Geschäftsführer der Aldi-Süd-Regionalgesellschaft Langenselbold, kann sich ein Schmunzeln darüber nicht verkneifen, dass "die Studenten schon so früh auf den Beinen sind".

Rund um die Uhr persönliche Gespräche

Am Stand des Discounters werden seit neun Uhr ununterbrochen Gespräche geführt. Nebenan bei Rewe, Lidl oder Kaufland ist das Bild ähnlich. Die Notwendigkeit, sich der Zielgruppe zu stellen, haben mittlerweile alle Unternehmen erkannt und wetteifern um die Gunst der Absolventen. "Wir müssen früher an die Studenten ran", bringt es Kaufland-Prokurist Georg Gorki auf den Punkt.

Die Branche zeigt sich von ihrer Schokoladenseite – auch in den Ausstellersessions im Halbstundentakt. Jeder rückt seine Arbeitgeberqualitäten ins beste Licht, lässt Trainees und Nachwuchsführungskräfte von ihren Erfahrungen berichten, gibt sich locker und spontan. Fressnapf setzt auf einen tierischen Sympathieträger: Promenadenmischung "Flinn" macht es sich auf dem Pult bequem, futtert Leckerli und dient als lebender Beweis dafür, dass "hier Mensch und Tier zusammengehören".

Thematische Highlights sind die vier Vorträge von Managern aus Handel und Industrie. Den Auftakt macht Sascha Dittert von Nestlé. Der Key Account Direktor macht den Zuhörern eine Karriere im Vertrieb schmackhaft und zeigt, dass es dafür nicht den Königsweg, sondern verschiedene Entwicklungsmöglichkeiten gibt.

Die "geheime Formel für Coca-Cola, zumindest im Marketing", verrät Nachhaltigkeitsmanager Axel Bachmann – nachdem er sich erst mal eine Flasche der braunen Brause geöffnet hat. Im Grunde gebe es in seinem Unternehmen nur zwei Jobs: "Coca-Cola zu verkaufen oder dabei zu helfen, Coca-Cola zu verkaufen".

Mit Vorurteilen aufräumen

An seiner Funktion sieht man, dass daneben Themen wie Umwelt und gesellschaftliche Verantwortung wichtiger werden. "40 Prozent der Absolventen machen die Entscheidung über ihren ersten Arbeitgeber davon abhängig, wie glaubwürdig er in dieser Hinsicht ist", weiß Bachmann.

Michael Britz will mit Klischees und Vorurteilen in puncto Nonfood aufräumen, die er am eigenen Leib erfahren hat. "Ich wollte nie in den LEH, und als ich dort war, wollte ich nie in den Nonfood-Bereich", schildert der Geschäftsbereichsleiter der Markant seinen Lebenslauf, der ihn auf dieses spannende und innovative Feld geführt hat.

Der Markt wachse zwar in Summe nicht, bleibe aber durch immer neue Produkte und Anbieter in Bewegung. Und überhaupt: "Was wäre das Überraschungsei ohne Nonfood?"

Flammendes Plädoyer für den Handel

Auch Martina Reisch hatte den Handel als Brötchengeber nach ihrem Abitur nicht auf dem Radar. "Ich dachte, das ist nichts für mich", gibt die Geschäftsleiterin Category Management und Einkauf der Rewe offen zu. Um gleich darauf ein flammendes Plädoyer für die Branche zu halten. Besonders die Schnelligkeit und ständige Veränderung, die dort gefordert sind, haben es ihr angetan. "So schnell wie im Handel können Sie in keinem Industrieunternehmen Karriere machen", wirbt die Managerin, die 18 Mrd. Euro Umsatz verantwortet, für ihr Metier.

Dass sie die einzige Frau in der Führungsriege der Rewe ist, tut ihrer Begeisterung keinen Abbruch, denn: "Bei uns zählt nur die Leistung." Eine Message, die offensichtlich ankommt. Die Referentin wird nach ihrem Vortrag von Fragestellern umringt.

Sie haben Fragen oder Anmerkungen zu diesem Artikel?
Schicken Sie eine Email an die Redaktion.

Hier können Sie die Nutzungsrechte an diesem Artikel erwerben.

Meistgelesen

stats