LZ-Arbeitgeberstudie Der Handel ist weit besser als sein Ruf

von Redaktion LZ
Donnerstag, 07. April 2011
LZnet. Rewe, Tegut, dm, Dohle, Tengelmann und Rossmann: Das sind die Teilnehmer der ersten "Arbeitgeberstudie Handel" der LZ. Mitarbeiter haben ihre Unternehmen bewertet und gewähren so authentische Einblicke in ihren Job-Alltag. Der Handel entpuppt sich als attraktiver Arbeitgeber.
Fragt man Absolventen nach ihren Wunscharbeitgebern, hat der Handel regelmäßig schlechte Karten. Seine Employer Brands entfalten lange nicht die Strahlkraft wie Unternehmensberater, Autobauer oder die Markenschmieden der Konsumgüterindustrie.

Wie beurteilen Sie persönlich Ihren Arbeitgeber anhand der folgenden Kriterien?
LZ-Grafik


Wie beurteilen Sie persönlich Ihren Arbeitgeber anhand der folgenden Kriterien? (Teil 1)

So landete Aldi Süd als bester Lebensmittelhändler der letzten Trendence-Befragung auf Platz 29. Metro kam auf die 42, Rewe auf die 68, und Lidl musste sich mit Rang 93 zufriedengeben. Doch stimmt das mäßige Image eigentlich mit der Realität überein? Oder sind Jobs im Handel deutlich spannender und lohnender, als es Außenstehende vermuten? Das können nur die Mitarbeiter beurteilen.

Deshalb hat die Lebensmittel Zeitung die erste Studie durchgeführt, bei der Fach- und Führungskräfte des Handels ihre Arbeitgeber bewerten. Dazu wurde ein Fragebogen entworfen, der von Gehalt bis Aufstiegschancen, von Führungsstil bis Work-Life-Balance alle relevanten Aspekte des Berufslebens umfasst.

Alle Aspekte des Joblebens wurden abgefragt

Nicht jedem der größten Retailer Deutschlands, die zur Teilnahme an der Premiere eingeladen wurden, war das geheuer – selbst manch renommierter Branchenvertreter winkte ängstlich ab. Obwohl klar war: Eine solche Erhebung kann die wenig schmeichelhaften Klischees einer Handelslaufbahn korrigieren.

Wie beurteilen Sie persönlich Ihren Arbeitgeber anhand der folgenden Kriterien? (Teil 2)
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Wie beurteilen Sie persönlich Ihren Arbeitgeber anhand der folgenden Kriterien? (Teil 2)

Zu den Mutigen, die ins kalte Wasser gesprungen sind und sich erstmals öffentlich dem Votum ihrer Belegschaft stellen, zählen die Rewe Group, die gleich mit mehr als 600 Angestellten dabei war, außerdem dm-Drogeriemarkt, Tegut und Dohle. Auch Rossmann und Tengelmann beteiligten sich – allerdings mit einer so geringen Fallzahl, dass die beiden in den Auswertungstabellen nicht auftauchen können. Einige Statements geben jedoch die Stimmung in Burgwedel und Mülheim/Ruhr authentisch wieder.

Auch Tengelmann und Rossmann machen mit

So viel vorweg: Die Bewertungen der Teilnehmer sind allesamt hervorragend und rücken das angeschlagene Bild des Arbeitgebers Handel in ein objektiveres und positiveres Licht. Das Resümee der Befragten über ihre Arbeitgeber lautet: "Auf jeden Fall empfehlenswert."

Rossmann

Rossmann

… in einem Satz

"Pragmatisch und dynamisch, mit viel Entwicklungspotenzial"

"Es macht Spaß, hier zu arbeiten"

"Ist sich seiner sozialen Verantwortung bewusst, fordert aber auch Leistung"

"Guter und sicherer Arbeitgeber, hervorragend für Berufseinsteiger geeignet"

"Sicheres Handelsunternehmen mit Herz und Auge für die Mitarbeiter"

Stolze 97,7 Prozent der Rewe-Kollegen kommen zu diesem Schluss – ein Traumergebnis. Drogeriemarktbetreiber dm erzielt mit 97,3 Prozent eine ähnliche Glanzleistung. Bei Dohle sind es 95,5 Prozent, lediglich Tegut fällt zwar ein klein wenig ab – weiterempfehlen würde aber immer noch eine überwältigende Mehrheit von 91,4 Prozent der teilnehmenden Mitarbeiter den Fuldaer Filialisten.

Empfehlenswerte Arbeitsplätze

Dem steht das Gesamturteil der Befragten über die Zufriedenheit mit ihrem jeweiligen Arbeitgeber in nichts nach. "Sehr zufrieden" sind bei dm mehr als sieben von zehn Befragten, dicht gefolgt von Tegut, Dohle und Rewe, wo 68,8 Prozent, 68,2 Prozent bzw. 64,6 Prozent an dieser Stelle ihr Kreuz machen.

"Zufrieden" äußert sich jeder dritte Studienteilnehmer bei Rewe und Dohle, jeder vierte bei dm und jeder fünfte bei Tegut. Der Mittelwert auf dieser Skala liegt bei allen vier Handelsunternehmen sehr dicht beieinander – zwischen 1,3 und 1,5.

Die Attraktivität des Arbeitgebers insgesamt wurde nach einer Schulnotenskala von eins bis sechs abgefragt. Führend ist wiederum dm mit einer 1,4 und 63,4 Prozent Einser-Benotungen. "Sehr gut" oder "gut" geben 92,0 Prozent der befragten Arbeitnehmer dem Drogeriemarktbetreiber.

Ähnlich vorteilhaft schneiden Rewe und Tegut mit jeweils 1,7 ab. Sie erhalten von 40,9 bzw. 48,6 Prozent eine Eins. 89,7 bzw. 82,9 Prozent benoten die Kölner und die Fuldaer mit "gut" oder "sehr gut". Dohle folgt gleich dahinter mit 1,8. "Sehr gut" sagen hier 40,9 Prozent der Studienteilnehmer, 81,1 Prozent bewerten mit "sehr gut" oder "gut".

Im Handel zählen Fördern und Fordern

Etwa zwei Dutzend Detailfragen widmen sich der Einstellung der Mitarbeiter zu diversen Einzelaspekten des Berufslebens. Zum Beispiel der Personalentwicklung und den Aufstiegsmöglichkeiten. In Sachen Weiterbildungsangebot liegen Rewe und dm mit 1,6 und 1,5 beinahe gleichauf. Tegut kommt nur knapp dahinter mit 1,9. Dohle landet bei 2,3.

Tengelmann

Tengelmann

... in einem Satz

"Ein traditionsreiches Unternehmen mit hohen Wertmaßstäben und dem festen Willen, sein Profil zu behaupten"

"Bodenständig und zukunftsorientiert"

"Schlank, schnell, gut"

"Es ist schön, ein Teil davon zu sein"

"Straffe Organisation mit kurzen Entscheidungswegen"

"Immer hart am Wind"

Auch bei der individuellen Förderung bilden die Siegburger mit einer 2,1 das Schlusslicht, Tegut erreicht eine glatte Zwei, die übrigen beiden Mitstreiter weisen eine Eins vor dem Komma auf. Entgegengesetzt sieht das Verhältnis beim Coaching durch Vorgesetzte aus: Hier führt Dohle mit 1,9, während der Rest zwischen 2,1 und 2,3 rangiert.

Generell kann man im Handel schnell Verantwortung übernehmen, das belegt die LZ-Studie. Alle Bewertungen dieses Aspekts haben eine Eins vor dem Komma. Mit 1,3, der drittbesten Benotung im Ranking überhaupt, sticht dm hervor. Der auf Selbstständigkeit zielende Führungsstil, den der Geschäftsführungsvorsitzende Erich Harsch propagiert, scheint kein bloßes Lippenbekenntnis zu sein.

Schnelle Übernahme von Verantwortung

Auch die Innovationsfähigkeit der Karlsruher wird wertgeschätzt. Während die Konkurrenz diesbezüglich eine 1,8 (Tegut) oder eine glatte Zwei (Rewe, Dohle) ins Zeugnis geschrieben bekommt, erzielt der Primus eine 1,5. Mit Abstand die schnellsten Entscheidungen dagegen werden bei Dohle (1,6) getroffen. dm, Rewe und Tegut lassen es ein wenig langsamer angehen, wie Bewertungen von 2,3, 2,5 und 2,8 nahelegen.

Ihr Gehalt und dessen leistungsbezogene Bestandteile ordnen die Fach- und Führungskräfte dieser drei Wettbewerber auf der Schulnotenskala zwischen 2,1 und 3,5 ein. Dohle-Kollegen urteilen über die monetären Aspekte ihres Berufslebens mit 1,7 bzw. 1,9 deutlich positiver. Bei den Sozialleistungen führen Rewe (1,7) und Tegut (1,9) das Ranking an.

Einstiegs- und Aufstiegsmöglichkeiten

Auch die Einstiegsmöglichkeiten für Nachwuchskräfte wie zum Beispiel firmeneigene Traineeprogramme wurden abgefragt. Sie erreichen bei Rewe, Dohle und Tegut Noten von einer glatten Zwei bis 2,2. Bei dm schneiden sie mit 2,5 schlechter ab.

Relativ einig sind sich die Mitarbeiter in der Beurteilung der Aufstiegschancen in ihren Companys, die um die Note Zwei herum ausfällt. Rewe führt das Feld mit 1,9 an – was sicher mit daran liegt, dass der Kölner Konzern mit Führungskräfteprogrammen wie dem "Campus" in die Entwicklung seiner Potenzialträger in den letzten Jahren viel investiert hat.

Hire and Fire gibt es im Handel kaum – die Branche gilt als stabil und sicher. Auch in Krisenzeiten wird gegessen und getrunken, so dass die zurückliegende Rezession beispielsweise nicht zu größeren Verwerfungen in den Belegschaften geführt hat.

Sichere Arbeitsplätze, verlässliche Arbeitgeber

Die Mitarbeiter zollen der Arbeitsplatzsicherheit mit Zensuren von 1,4 (dm) über 1,6 (Rewe) bis 1,9 (Tegut, Dohle) Anerkennung. Parallel dazu bewerten dm-Leute die Vertrauenswürdigkeit ihres Arbeitgebers mit 1,4, die Angestellten der anderen drei Studienteilnehmer geben einheitlich eine 1,7.

"Der Mensch ist nie Mittel, sondern Zweck", fasst dm-Chef Erich Harsch den außergewöhnlichen Führungsstil in Karlsruhe zusammen. Statt Anweisungen von oben setzt das Unternehmen auf die kreative Auseinandersetzung seiner Beschäftigten und betont deren Entwicklungspotenzial.

Die Mitarbeiter quittieren das mit Spitzenbewertungen des Arbeitgebers bei Fragen nach dem Führungsstil (1,7), der Unternehmenskultur (1,4), der Wertschätzung (1,5) und dem Betriebsklima (1,6). Rewe, Tegut und Dohle finden sich mit ebenfalls respektablen Werten jeweils dahinter – ihre Noten für diese Arbeitgebereigenschaften liegen zwischen 1,6 und 2,1.

Nachhaltigkeit punktet auch bei Mitarbeitern

"Im Handel wird beinahe rund um die Uhr geschuftet – Privatleben? Fehlanzeige." Dieses Vorurteil kann die LZ-Studie entkräften. Zwar sind die Bewertungen für "Vereinbarkeit von Familie und Beruf" sowie "Work-Life-Balance" noch nicht ganz so euphorisch wie bei manch anderem Aspekt des Joblebens. Doch die Bandbreite von 2,2 bzw. 2,3 (dm) bis 2,7 bzw. 2,8 (Tegut) kann sich durchaus sehen lassen.

Beim Trendthema "Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung" zeigen Händler seit geraumer Zeit Flagge. So hat Rewe im vergangenen Jahr den deutschen Nachhaltigkeitspreis gewonnen, Tegut gilt als der Pionier in Sachen Bio-Lebensmittel. Das Auftreten der Händler ist auch in den Augen der Mitarbeiter glaubwürdig: Beide Unternehmen erhalten eine 1,5. dm hat mit 1,4 die Nase vorn, Dohle erzielt eine 1,7.

Für das Unternehmensimage in der Öffentlichkeit ist derartiges Engagement sicher ebenfalls von großer Bedeutung. Stolz vergeben Tegut-Kollegen eine 1,7, bei Rewe erzielt die Frage eine 1,9. Dohle bekommt eine glatte Zwei. Unangefochten an der Spitze: dm. Beim letztjährigen Kundenbarometer landete das Unternehmen auf dem ersten Platz.

Augenscheinlich liegt Shoppers Liebling auch in der Gunst seiner Mitarbeiter ganz vorn: Sie geben ihm die Image-Note 1,1 – und damit die beste Bewertung des gesamten Rankings.

Weitere Informationen zu Studiendesign und Methodik können unter marketing@lebensmittelzeitung.net angefordert werden.

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