Kaufhof Verkaufstraining per Satellit

von Judit Hillemeyer
Freitag, 30. Januar 2009
Foto: Kaufhof
Foto: Kaufhof
Gerda Gundlach ist bei Kaufhof kult. Sie flimmert als Prototyp einer Verkäuferin durch das Mitarbeiterfernsehen und demonstriert kundenorientiertes Verhalten.



Bei Business-Fernsehen geht es um Information. Kaufhof versteht das eigene Spartenprogramm als integrative Kommunikationsform. Das audiovisuelle Medium bindet außerdem Mitarbeiter an das Unternehmen. Via Fernsehen verfolgt das Unternehmen ein klares Wertschöpfungsinteresse: TV-Informationen kurbeln den Verkauf an. Mit dem eigenen Kanal KTV setzt das Handelshaus auf Schnelligkeit, Effizienz und Effektivität. Wie im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, variieren auch bei KTV die Profile und Formate der Sendungen.

Die Figur Gerda Gundlach soll eine "typische Verkäuferin" darstellen. Sie ist Identifikationsfigur und Sympathieträgerin mit dem Herz auf dem rechten Fleck. Mit ihr thematisiert der Warenhausbetreiber kundenorientiertes Verhalten im Verkaufsalltag.

Gerda Gundlach

Mit den gleichnamigen TV-Spots will Kaufhof die Sorgen und Gedanken seiner Verkäuferinnen aufgreifen und ihnen auf Augenhöhe ohne erhobenen Zeigefinger begegnen. Thematisch geht es dabei um Freundlichkeit, Wiedererkennbarkeit, abteilungsübergreifendes Denken und Kundenservice.

Die Rolle der Gerda verlangt schauspielerisches Können. "Deshalb kam auch nur eine Schauspielerin in Frage", resümiert Mario Römer, zuständig für die interne Kommunikation bei Kaufhof, in dessen Verantwortung die TV-Produktion liegt. So mimt Gisela Nohl die Figur. Dialoge und Drehbuch werden nach Absprache von einem freien Autor erstellt, erklärt Römer. Entwickelt wurde die Figur Gerda von den Abteilungen Personalentwicklung und interne Kommunikation. "Uns ging es darum, eine authentische Figur zu schaffen, mit der sich Verkäuferinnen auf eine unterhaltsame Art identifizieren können", so Römer.

Produziert wurden seit 2004 rund zwanzig Spots à drei bis vier Minuten. Eingebunden sind sie in die Sendung "Rolltreppe" - einem monatlichen Infomagazin für alle Mitarbeiter. Kaufhof bietet drei verschiedene Formate: Die "Rolltreppe" informiert über allgemeine Neuerungen und Aktuelles im Unternehmen. Außergewöhnliche Themen und Aktionen werden über die "Rolltreppe Extra" vermittelt. "IQ" heißt das Weiterbildungsformat. Gezeigt werden Informationen zum operativen Tagesgeschäft und Sendungen zur Aus- und Weiterbildung.

Das dritte Format "Alligator" ist von und für Azubis gemacht - ein Programm, das sich aus Information und Unterhaltung zusammensetzt. Römers neueste Idee: Eine "Gerda" auch für Lehrlinge.

Die Initialzündung für KTV fiel 1996 - nach amerikanischem Vorbild. Bereits 1995 gab es dort mehr als hundert Unternehmen und Organisationen, die Business-TV nutzten. Die Anwenderstruktur zeigt eine Affinität zu den Branchen Handel, Automobilindustrie und dem Dienstleistungsbereich. Der Vertrieb hat für all diese Branchen eine strategische Bedeutung.

Alle haben einen hohen räumlichen Dezentralisierungsgrad wie Filialen und Niederlassungen. Trotz anfänglicher Euphorie blieb das reine Unternehmensfernsehen in Deutschland viele Jahre ein Außenseiter. Heute gehören bewegte Bilder zum Alltag der internen und externen Kommunikationsstrategie vieler Unternehmen wie SAP, Krones und Beiersdorf.

Kaufhof ist laut Römer das einzige Handelsunternehmen in Deutschland, das aktiv seit zwölf Jahren auf das Corporate TV setzt, allerdings kein Vollprogramm, sondern zielgruppen-spezifische Sendungen ausstrahlt - zugeschnitten auf die Mitarbeiter.

Foto: Kaufhof

KTV-Tag: Jeden ersten Mittwoch sendet Kaufhof sein eigenes Fernsehprogramm für Mitarbeiter.

Bei den Angestellten stößt das Unternehmensfernsehen auf breite Zustimmung und Akzeptanz. Die Sendung "Rolltreppe" erreiche zahlreiche Mitarbeiter und "Alligator" fast alle Auszubildenden. Das TV-Programm ist seit 2003 fester, strategischer Bestandteil der internen Unternehmenskommunikation.

Der erste Mittwoch des Monats ist Kino- beziehungsweise KTV-Tag bei Kaufhof. Die eigenproduzierten Programme werden an diesem Tag live an alle Warenhäuser und Lagerstätten über Satellit ausgestrahlt. Zugeschaut wird im Schichtbetrieb, wofür die Sendungen vor Ort auf DVD gebrannt werden können. (juh)

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