Douglas "Feedback für den Nachwuchs"

von Christiane Düthmann
Freitag, 30. September 2011
„Wir suchen den direkten Kontakt.“ Anke Giesen will die Kooperation mit Hochschulen verstärken.
Douglas
„Wir suchen den direkten Kontakt.“ Anke Giesen will die Kooperation mit Hochschulen verstärken.
Der Wettbewerb um kluge Köpfe wird härter, besonders im Online-Business. Wie Douglas an passende Nachwuchstalente herankommen will, beschreibt Personalvorstand Anke Giesen.
Lebensmittel Zeitung: Frau Giesen, im Trendence-Ranking der Lieblingsarbeitgeber konsumgüteraffiner Studenten ist 2011 der Handel fast komplett abgesackt. Douglas rutschte von Platz 22 auf 30. Wie erklären Sie sich das?

Anke Giesen: Junge Menschen haben heute eine Vielfalt von Möglichkeiten für den beruflichen Einstieg. Und offensichtlich steht der Handel bei vielen noch nicht im Fokus. Dagegen müssen wir dringend etwas tun. Deshalb haben wir unser Employer Branding überarbeitet, wofür wir in diesem Jahr neben Henkel und Siemens mit dem Best Employer Brand Award geehrt wurden.

LZ: Was tun Sie, um Bewerber davon zu überzeugen?

Anke Giesen: Wir suchen zum Beispiel den direkten Kontakt zu Absolventen und laden sie zu uns ein, damit sie sich ein authentisches Bild von uns machen können. Im Juni fand hier in Hagen erstmals ein sogenannter Fünf-Sterne-Tag statt – ein Praktikantenevent, an dem rund 30 Studierende teilnahmen. Es ging darum, Kandidaten aus Marketing, Controlling, E-Commerce und Category Management für die Douglas-Gruppe zu interessieren. Dazu haben wir Fallstudien zu Themen vorbereitet, die uns zurzeit operativ und strategisch beschäftigen. Die Teilnehmer fanden also die gleiche Ausgangslage vor wie ein Absolvent, wenn er eine Funktion bei uns übernimmt.

LZ: Mit welchen Unis haben Sie dabei zusammengearbeitet?

Anke Giesen: Die Online-Bewerbung lief bundesweit. Wir haben aber ganz speziell bei denjenigen Universitäten für das Event geworben, die für uns fachlich in Frage kommen oder mit denen wir in der Vergangenheit schon gut zusammengearbeitet haben – unter anderem in Münster, Köln und Dortmund. Das Feedback war überwältigend – wir waren sehr schnell ausgebucht. Besonders erfreulich finde ich, dass wir mit allen Teilnehmern der Veranstaltung in Gesprächen sind und ihnen Praktikantenverträge anbieten konnten.

LZ: Im Onlinegeschäft konkurrieren Sie mit starken Employer Brands wie Otto oder Amazon. Macht sich das im Recruiting bemerkbar?

Anke Giesen: Bislang haben wir unsere IT-nahen Funktionen problemlos besetzen können. Doch gerade was das Thema E-Commerce und die Prozessunterstützung dafür oder neue Technologien für den Vertrieb betrifft, stellen wir fest: Wir müssen uns um diese Kandidaten intensiver bemühen. Dazu verstärken wir den Kontakt zu Hochschulen, die Wirtschaftsinformatik als Schwerpunkt anbieten.

LZ:
Bei den Auszubildenden sieht es im Handel nicht allzu rosig aus. Die Zahl der unbesetzten Plätze wächst.

Anke Giesen: Wir haben unser Angebot noch einmal aufgestockt und werden in diesem Ausbildungsjahr eine Quote von 14 Prozent Azubis an der Gesamtbelegschaft erreichen. Der Durchschnitt im Handel liegt mit 8 bis 9 Prozent deutlich darunter. Wir wollten 720 Stellen besetzen und haben das auch geschafft.

LZ: Welche Perspektiven bieten Sie Azubis?

Anke Giesen: Unsere Übernahmequote liegt bei etwa 75 Prozent. Es ist unsere Strategie, hauptsächlich auf eigenen Nachwuchs zu setzen. Deshalb geben wir jungen Menschen die Gelegenheit, einen höheren Ausbildungsabschluss – etwa durch ein duales Studium oder die Ausbildung zum Handelsfachwirt – zu machen oder sich nach der Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann on the Job weiterzuentwickeln. Dadurch können wir unsere Führungspositionen zu einem sehr hohen Grad mit internen Nachwuchskräften besetzen.

LZ: Können Sie ein Beispiel dafür nennen?

Anke Giesen: Die Filialleiterebene besetzen wir zu mehr als 90 Prozent mit jungen Leuten, die wir selbst ausgebildet haben.

LZ: Junge Menschen stellen heute andere Anforderungen an Arbeitgeber. Wie passen Sie sich an?

Anke Giesen: Wir haben gerade unsere Werte und Führungsleitlinien auch unter diesem Aspekt überarbeitet. Wir sind aktuell dabei, sie deutschlandweit und international zu kommunizieren. Dieser Prozess wird uns sicherlich bis zum Ende des nächsten Geschäftsjahres, also Herbst 2012, begleiten.

LZ: Was genau hat sich im Zuge dessen verändert?

Anke Giesen: Die sogenannte Generation Y fordert einerseits mehr Freiraum und Flexibilität, aber auf der anderen Seite deutlich mehr und schnelleres Feedback zu ihrer Arbeit. Der Nachwuchs ist hoch motiviert und sehr ehrgeizig, erwartet aber auch permanente Herausforderungen von Führungskräften, um sich daran zu messen.

LZ: Das klingt nach ziemlich anstrengenden Zeitgenossen.

Anke Giesen: Lange Zeit wünschten Menschen sich Freiräume, in denen sie die Schritte zum Ziel selbst definieren konnten und am Ende des Jahres ein Ergebnis ablieferten. Das wandelt sich gerade. Die Generation Y benötigt eine engere Abstimmung und permanentes Feedback. Das ist sehr fordernd! Und man muss es natürlich im Führungsleitbild entsprechend verankern.

LZ: Die Lebensqualität rückt bei der Jobwahl in den Fokus. Wie reagieren Sie darauf?

Anke Giesen: Es ist in der Tat so, dass wir in Bewerbungsgesprächen häufiger mit der Frage nach der Work-Life-Balance konfrontiert werden. Wir beschäftigen uns deshalb intensiv mit neuen Arbeitszeitmodellen, um noch mehr Flexibilität zu ermöglichen, zum Beispiel in den Filialen. Um die langen Öffnungszeiten entsprechend zu besetzen, benötigen wir mehr Führungskräfte auf der Fläche. Die Rolle der stellvertretenden Filialleitung gewinnt an Bedeutung. Und an großen Standorten ergänzen wir das Team um eine Drittkraft oder eine Teamleitung.

LZ: Gibt es auch für Manager flexible Modelle, etwa Teilzeit oder Job-Sharing?

Anke Giesen: Wir können nicht darauf verzichten, auch Führungspositionen in Teilzeit anzubieten. Bei uns gibt es das bereits, sogar bis zur Geschäftsführerebene. Hier sehe ich aber noch weiteres Potenzial für die Zukunft.

LZ: Ihre Belegschaft dürfte zum großen Teil aus Frauen bestehen…

Anke Giesen: Zu 90 Prozent!

LZ: Ab welcher Führungsebene knickt der Frauenanteil ein?

Anke Giesen: Eigentlich gar nicht. In unserem Unternehmen ist die Frauenquote kein Diskussionsgegenstand, denn bei den oberen Führungskräften – ab Bereichsleiterebene aufwärts – übertreffen wir die aktuellen Forderungen mit unseren mehr als 50 Prozent bereits. Und dabei handelt es sich fast ausschließlich um Kolleginnen, die bei uns Karriere gemacht haben. Wir sind diesbezüglich – bis an die Spitze – seit vielen Jahren gut aufgestellt. Ich bin ja auch nicht die erste Frau im Vorstand bei Douglas. (cd)

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