Risiken Imageverlust schlägt ins Kontor

von Judit Hillemeyer
Freitag, 25. Mai 2007
Foto: Hans-Rudolph Schulz
Foto: Hans-Rudolph Schulz
Die größten Gefahren in den kommenden Jahrzehnten sehen Markenkartikler in der Demographieentwicklung, im Klimawandel und einem veränderten Konsumverhalten. Künftig wird auch das gesellschaftspolitische Engagement zur Imagepflege eine größere Rolle spielen.



Die Zukunftsprognose: Heute hat Deutschland 82,6 Millionen Einwohner. Prognostiziert werden für das Jahr 2030 81,1 Millionen - 48 Prozent Rentner und 40,5 Millionen kleine Haushalte. In dieser Folge wird sich die Konsumwelt verändern. Diese Aussichten schilderten Axel Kölle und Christian Geßner von der Uni Witten/Herdecke auf dem von der Hochschule veranstalteten Seminar Risikomanager Food. "Wer Risiken früh erkennt, hat einen strategischen Vorteil."

Develey: Der Senfproduzent hält regelmäßige Ernstfall-Simulationen für unerlässlich.

"Nachhaltigkeit, Umweltschutz und Lebensmittelsicherheit werden mittel- und langfristig eine wesentliche Rolle für Lebensmittelproduzenten spielen". Diese Schlaglichter warf Wilhelm Stepan, Leiter des Qualitätsmanagements bei der Develey Senf + Feinkost GmbH, in der "Zukunftswerkstatt", die kürzlich in das Fortbildungsseminar Risikomanager Food integriert wurde. In diesem Rahmen geht es um Szenario-Analysen zur strategischen Früherkennung und nicht um Prognosen, die allein Daten und Fakten extrapolieren, erläutern die Seminarleiter und wissenschaftlichen Mitarbeiter Christian Geßner und Axel Kölle.

Der Klimawandel ist in aller Munde. Wenn sich bis zum Jahr 2100 die Erde um 4,5°C erwärmt, werde das Auswirkungen auf die Lebensmittelproduktion haben. Unter solchen klimatischen Bedingungen könnte die Rohstoffversorgung und deren Qualität ein Problem darstellen. Stepan vermutet, dass auf lange Sicht Lebensmittelskandale und Erpressungsversuche hochsensibel in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden. Das könne im Zweifelsfall ruinöse Folgen für Produzenten haben. Alles werde sich im Licht der Medien abspielen.

Schon heute übt Develey einmal jährlich eine Rückrufaktion. Diese Manöver sind für Stepan bereits heute unerlässlich, "weil sie den Ernstfall proben." Dazu gehört eine lückenlose Dateninformation, erläutert Nikolaus Ihnen, Leiter Risk Management, Treasury & Debitoren bei der Campina GmbH & Co. KG. Das Unternehmen machte vor drei Jahren Erfahrungen mit einer tatsächlichen Rückrufaktion, die glimpflich für den Produzenten ablief. Technisch sieht sich das Unternehmen im Rückrufmanagement sehr gut gerüstet. "Alle Mitarbeiter müssen bei einem solchen Szenario an einem Strang ziehen".

Foto: Campina
Campina: Der Mopro-Spezialist sieht sich informationstechnisch gut gerüstet.

Redlichkeit wird eine wesentliche Rolle spielen. Ihnen vermutet, dass künftig ein Imageverlust noch stärker als vielleicht heute ins Kontor schlagen wird. Wer im Ernstfall falsch, unglaubwürdig oder unvorbereitet reagiert, setze das Unternehmensimage aufs Spiel - auch als Arbeitgeber. "Wenn künftig qualifizierte Mitarbeiter rar sind, dann wird jedes Unternehmen sein Profil insgesamt schärfen müssen", ergänzt Stepan. "Zufriedene Mitarbeiter sind Multiplikatoren." Um schon heute einen Überblick über den Status quo des Betriebsklimas zu gewinnen, hat Develey erstmals Anfang dieses Jahres eine anonyme Mitarbeiterbefragung durchgeführt. Gefragt wurde unter anderem nach Arbeitsklima, Entwicklungsmöglichkeiten und Vorgesetzten. "Wir haben jetzt belastbare Fakten, auf die wir aufbauen können", so Stepan.

Längerfristig, darüber sind sich die Seminarteilnehmer einig, werden die Unternehmen nicht mehr nur rein gewinnorientiert wirtschaften, sondern deutlich stärker als bisher soziale und gesellschaftliche Verantwortung übernehmen. Diese Form der Imagepflege werde in der öffentlichen Wahrnehmung mehr Gewicht erhalten. Jegliches Engagement müsse dabei vor allem glaubwürdig sein.

Die nächste Fortbildung zum Risikomanager Food der Uni Witten/Herdecke findet im September und November satt (www.foodradar.de) . Kooperationspartner der Veranstaltungsreihe sind die Lebensmittel Zeitung und das Münchener Systemhaus Soft M. (juh)

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