Ausbildung Ausbildung für Spätstarter

von Redaktion LZ
Freitag, 12. April 2013
Die älteren Azubis bei K&U sind besonders motiviert.
K&U
Die älteren Azubis bei K&U sind besonders motiviert.
LZnet. Arbeitsministerium und Bundesagentur werben dafür, älteren Ungelernten die Chance zur Erstausbildung zu geben. Mit diesem Modell macht die Edeka-Bäckerei K&U bereits gute Erfahrungen.
Wer jenseits der 25 als "Spätstarter" eine Lehre in Erwägung zieht, bekommt seit kurzem Unterstützung von höchster Stelle: Das Bundesarbeitsministerium und die Bundesagentur (BA) setzen sich mit einer Kampagne dafür ein, dass ungelernten Kräften weit jenseits des typischen Azubis-Alters die Chance einer Erstausbildung gegeben wird. So könnten 100.000 frisch gebackene Fachkräfte mobilisiert werden.

"Wir stehen in den Startlöchern und wollen bis Juni, Juli Ausbildungsbetriebe ausfindig machen, die sich anschließen", sagt BA-Sprecher Paul Erbsen. Die Fördertöpfe stünden längst bereit, sind aber nicht jedem Betrieb bekannt: Wer sich offiziell beteiligt und ungelernten Arbeitskräften, Wiedereinsteigern oder Umschulern eine Ausbildung ermöglicht, kann Gelder aus dem Programm "Wegebau" (Weiterbildung Geringqualifizierter und beschäftigter älterer Arbeitnehmer in Unternehmen) oder IFlaS (Initiative zur Förderung des Strukturwandels) beantragen.

Der Lebensmitteleinzelhandel hat längst ein handfestes Nachwuchsproblem – und der echte Geburtenknick kommt erst noch. Senior-Azubis sind als Ausweg aus der Misere jedoch noch wenig populär. Einzig der Vorstoß der K&U-Bäckerei in Neuenburg, Erwachsene im Alter von 26 bis 55 Jahren auszubilden, ging durch alle Gazetten.

Ältere sind disziplinierter und motivierter

Heute, drei Jahre und 58 Senior-Azubis später, ist Ausbildungsleiterin Corinna Krefft-Ebner immer noch überzeugt von der Idee, Nachwuchslücken gezielt mit älteren Arbeitnehmern zu schließen. "Wir haben eigentlich nur gute Erfahrungen gemacht. Ältere Azubis sind viel disziplinierter, zielstrebiger, motivierter, schreiben die besseren Noten und sind damit oft ein Positivbeispiel für die Jüngeren."

Ohne die Fördergelder der Arbeitsagentur wäre es allerdings nicht gegangen. "Mit Mitteln aus dem Programm Wegebau konnten wir die Lücke zwischen bisherigem Verdienst und Ausbildungsgehalt schließen." Zweiter Erfolgsfaktor war die gute Zusammenarbeit mit der Fördergesellschaft der Handwerkskammer und den Beruflichen Schulen Kehl. Eigens für die älteren Mitarbeiter wurden Extra-Klassen in der Berufsschule gebildet, mit individuellen Bildungsbausteinen und verkürzter Lehrzeit.

Berufsschule biete eigene Klassen an

Dennoch sind kaum Nachahmer im größeren Stil bekannt. Selbst die K&U-Muttergesellschaft Edeka Südwest hält sich zurück: "Im Logistikbereich machen wir durchaus Angebote für Umschüler, unabhängig von Fördermitteln", sagt Sprecher Andreas Richter. In den Ausbildungsberufen Fachverkäufer im LEH mit Schwerpunkt Fleischerei und Bäckerei sowie Fleischer "beschäftigen wir uns eher mit anderen Themen wie Teilzeitausbildung und Vereinbarkeit von Beruf und Familie." Zudem versuche man vermehrt, "engagierte junge Menschen, die durch das klassische Schulraster hindurchzufallen drohen, in Ausbildung zu bringen."

An Azubis in der Logistik und im Verkauf mangelt es auch bei Rewe. Selbstverständlich könnten, sofern die Profile passen, auch Ältere eine Ausbildung absolvieren. Gerade an der Frischetheke wirbt Rewe-Group-Sprecher Raimund Esser aber für den Direkteinstieg. "Quereinsteiger sind herzlich willkommen."

Sie haben Fragen oder Anmerkungen zu diesem Artikel?
Schicken Sie eine Email an die Redaktion.

Hier können Sie die Nutzungsrechte an diesem Artikel erwerben.

Meistgelesen

stats