Edeka Zurheide Genusswelten als Kundenmagneten

von Mathias Himberg
Donnerstag, 18. Oktober 2012
YBF bei Edeka Zurheide
G. Lukas
YBF bei Edeka Zurheide
Wie führt man einen Markt für Genießer? Ab wann wird er profitabel? Und wie bekommt man Kunden und Personal? Um diese Fragen drehte sich die Young Business Factory vergangene Woche bei Edeka Zurheide in Düsseldorf und Hilden.


Mittelpunkt des Treffens, zu dem die Zurheides zusammen mit der LZ eingeladen hatten, war der Markt in Düsseldorf, der als Vorbild für Genuss und Gastronomie auf der Fläche gilt. Drei Jahre jung und 6000 Quadratmeter groß, soll er in diesem Jahr 38 Mio. Euro umsetzen – 10 Mio. mehr als in der Standortanalyse vorausberechnet.

Die gastronomischen Attraktionen: eine Kaffeerösterei mit 50 Sorten Kaffee und Espresso, Convenience mit 60 frischen Sorten Dessert, ein Reiferaum für Fleisch, Nudelmanufaktur, Patisserie, Sushibar, edle Abteilungen für Fleisch, Wurst und Käse sowie Restaurant, Bistro und Grill mit 70 Sitzplätzen, um all das zu kosten und zu genießen.

Die mehr als 70 Besucher aus Handel und Industrie waren beeindruckt, wie viele der 170 Mitarbeiter Speisen für die Kunden zubereiteten, darunter allein 18 Köche und neun Convenience-Kräfte. "Wir sind ganz stolz, so eine Familie bei uns zu haben", lobte Wolfgang Nottebohm, Vertriebsleiter der Edeka Rhein-Ruhr.

Der Markt hat unzählige Preise gewonnen und zieht viele Fachbesucher an. Die Scharen an Beobachtern sind den Kunden, die aus einem Umkreis von 70 Kilometern kommen, schon manchmal lästig, weiß Zurheide. Deshalb fand der Store Check in drei kleineren Gruppen statt.

Die Edeka Rhein-Ruhr wollte aus dem Standort im Gewerbegebiet, im ersten Stock und mit schlecht einsehbarem Eingang, ursprünglich einen Marktkauf machen. Doch Zurheide war dagegen. Er machte mit den Ladenbau-Spezialisten der Firma Schweitzer binnen zwei Wochen ein genussorientiertes Gegenkonzept und bekam den Zuschlag.

"Viele haben am Anfang gesagt: Jetzt hat er einen Knall", erzählte Zurheide. Das Konzept sei zu teuer, zu ungewohnt, der Standort zu schlecht. "Aber wenn ich am Boden liege, wird es erst richtig spannend", meinte der Kaufmann. Er habe sich durchgeboxt – mit einer Bürgschaft der Edeka-Bank, "der der Schweiß auf der Stirn stand".

Die Anfangsphase sei mit vielen Schmerzen verbunden gewesen, sagte Zurheide, "die ersten drei Jahre haben richtig Geld gekostet". Im Gastro- und Convenience-Bereich habe man hohe Abschriften und Verluste hinnehmen müssen, 6 Prozent vom Umsatz habe die Webung gekostet. Doch mittlerweile laufe der Markt profitabel.

Das, räumte sein Sohn Rüdiger ein, gelte allerdings nicht für alle Genuss-Abteilungen. "Der Aufwand ist riesig, die Abteilungen verdienen nicht viel Geld." Das sei aber auch gar nicht der Punkt. "Die Genusswelten sind aus dem Geschäft nicht wegzudenken, weil sie die Kunden zu uns ziehen." Manche hielten sich drei Stunden im Markt auf, um Kaffee zu trinken, einzukaufen und zu essen.

Die YBF-Gäste zeigten sich beeindruckt – auch wenn nur wenige Händler so viel Gastro und Convenience bieten können oder wollen. "Bei uns im Schwarzwald wird noch viel selbst gekocht", sagte Edekaner Rainer Rentschler, "da ist es mancher Kundin peinlich, auch nur eine Tiefkühlpizza zu kaufen." Denjenigen Händlern, die Gastronomie anbieten wollen, riet Zurheide, es mit Hingabe und Ausdauer zu machen: "Wenn man sich nicht intensiv damit auseinandersetzt, verbrennt man Geld." Man müsse durchhalten und dürfe ein Konzept nicht fallenlassen, nur weil es im ersten halben Jahr kein Geld einbringe.

Auf gutes Personal kommt es beim Thema Genuss an, und das lassen sich die Zurheides etwas kosten: Sie stellen auf Tarifniveau ein und heben das Entgelt an, sobald der Mitarbeiter die erwartete Leistung bringt. 13,8 Prozent Personalkosten haben sie in Düsseldorf. 400-Euro-Kräfte gibt es nicht, "die kennen sich nicht gut genug aus und identifizieren sich zu wenig mit uns", wie der Familienvater betonte. "Wenn ich höre, dass manche Kollegen 6 Euro die Stunde zahlen, dreht sich mir der Magen um." Als Beispiel für kreative Rekrutierung nannte er einen Kaffeeröster, den er aus Berlin nach Düsseldorf gelockt habe und der nun weitere Kollegen einarbeite.

Neben den Zurheides und Wolfgang Nottebohm sprachen Thomas Spiekermann und Ruth Töchterle von der Schweitzer-Group darüber, wie das Ladenbau-Konzept im Markt für Atmosphäre sorgt. Katharina Hoppe erklärte dessen Drogeriekonzept, das ihr Arbeitgeber Henkel mitentwickelt hatte. Ganz nebenbei gab Zurheide schon seinen weiteren Plan zum Besten: "6000 Quadratmeter müssen nicht das Ende der Fahnenstange sein. Unser Ziel sind 10000 Quadratmeter ohne Nonfood." (him)

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