Azubi-Marketing Handel forciert Azubi-Marketing online

von Silke Biester
Freitag, 27. Mai 2011
Zielgruppengerecht: Rewe hat einen Jugendclub für den Austausch zwischen aktuellen und potenziellen Azubis gegründet.
Rewe
Zielgruppengerecht: Rewe hat einen Jugendclub für den Austausch zwischen aktuellen und potenziellen Azubis gegründet.
Kurz vor Schuljahresende trommelt der Handel noch mal, um neue Azubis zu gewinnen. Die Zielgruppe wird verstärkt online und über Social Media angesprochen.
"Zukunft ist Veränderung", sagt eine junge Frau auf der Website "Rewelution", mit dem die Rewe Group ab sofort Jugendliche auf die eigenen Ausbildungsangebote aufmerksam machen will. Eine andere hat bereits genauere Vorstellungen: "Zukunft ist, meinen eigenen Rewe-Markt zu leiten."

Das neue Konzept fürs Azubi-Marketing basiert auf einer zielgruppengerechten Ansprache: Es kommen vor allem junge Menschen zu Wort. Sie berichten von ihren Erfahrungen, persönlichen Karriereplänen und natürlich von den unterschiedlichsten Möglichkeiten und dem Arbeitsalltag bei den Vertriebslinien der Rewe – per Video.

Verknüpfung mit Facebook und Youtube

Der neue Kommunikationskanal soll nicht nur informieren. Rewelution ist als Club angelegt. Wer sich dort anmeldet, kann über den virtuellen Austausch hinaus hautnah an Aktionen wie Bewerbungstrainings, Unternehmens- und Lagerbesichtigungen teilnehmen oder ein Praktikum machen. Erstmals bündelt der Konzern damit die Ansprache der Youngster über alle Vertriebslinien hinweg. Verknüpft ist der Auftritt mit einem eigenen Channel bei Youtube und bei Facebook. Auch die externe Vermarktung läuft ausschließlich online.

Dialog: Die neue Karstadt-Strategie nutzt soziale Netzwerke für die Ansprache von Schülern und Studenten.
Etliche Handelsunternehmen intensivieren und modernisieren aktuell ihr Azubi-Marketing. Sie reagieren auf den mittelfristigen Rückgang der Bewerberzahlen durch den demografischen Wandel. Wilfried Malcher vom Handelsverband Deutschland (HDE) geht davon aus, dass die Branche die Zahl der Ausbildungsplätze 2011 erneut erhöht. Darüber hinaus haben viele an speziellen Abiturientenprogrammen gefeilt.

Nachwuchssicherung für die Zukunft

Studien belegen, dass die Zahl der klassischen Auszubildenden mit Haupt- oder Realschulabschluss deutlich sinken wird. Durch die doppelten Abiturjahrgänge infolge der Umstellung von G9 auf G8, wird es aber mehr Bewerber mit diesem Abschluss geben. Händler, die in diesem Jahr überproportional viele junge Mitarbeiter einstellen, sichern sich Fachkräfte und Führungsnachwuchs für die Zukunft. "Wir konnten zwar bisher unsere Ausbildungsplätze immer besetzen", heißt es etwa bei Rewe, "doch wir erwarten künftig einen Rückgang sowohl in der Quantität als auch in der Qualität der Bewerber."

Mehr Ausbildungsplätze <br /><br />in der Branche

Mehr Ausbildungsplätze

in der Branche

Handel, Industrie und Dienstleistungsgewerbe werden 2011 rund 40000 Ausbildungsplätze mehr zur Verfügung stellen als im Vorjahr. Dies belegt eine aktuelle Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags DIHK. Fachkräftesicherung ist demnach der wesentliche Beweggrund der Unternehmen. 56 Prozent sehen verstärkten Handlungsbedarf. Viele entwickeln neue Wege der Ansprache wie die Kooperation mit Schulen, mehr Praktikumsangebote und verbessertes Ausbildungsmarketing – insbesondere über das Internet. Immer mehr Unternehmen reagieren auf eine mangelnde Ausbildungsreife der Jugendlichen mit eigenen Förderangeboten.

Eine Dialog-Strategie zur Gewinnung von Auszubildenden hat jetzt auch die Karstadt Warenhaus AG angekündigt, die ebenfalls auf soziale Medien wie Facebook setzt: "Wir sind der Überzeugung, dass Unternehmen heute nicht mehr über eine Einwegkommunikation mit Bewerbern sprechen sollten", sagt Dr. Petra Meyer-Ochel, Bereichsleiterin Personalentwicklung. Facebook-Fans werden virtuell zu "Einwohnern der Karstadt" gemacht und können sich dort an einem kreativen Wettbewerb beteiligen oder einfach über die Ausbildungsmöglichkeiten informieren und austauschen.

Edeka, der größte Ausbilder im LEH, hat mit Edekaner.de schon im Herbst 2010 eine multimediale Website speziell für die gruppenübergreifende Ansprache des Nachwuchses freigeschaltet. "Gerade Schüler informieren sich in hohem Maße über das Internet", wissen die Hamburger, verweisen aber darauf, dass dies den direkten Kontakt über die Schulen nicht ersetzt. (sb)

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