Henkel Die Zukunft auf dem Radar

von Jörg Konrad
Freitag, 05. September 2008
Henkel hat sich frühzeitig auf den Alterungsprozess der Gesellschaft eingestellt. Personalexperten bescheinigen dem Chemie- und Konsumgüterkonzern ein ausgeprägtes Demografiemanagement.



Im Jahr 2020 wird nach Angaben des Statistischen Bundesamtes jeder dritte Arbeitnehmer über 50 Jahre alt sein, aber nur noch jeder Fünfte unter 30. Dieses und der Rückgang der Gesamtbevölkerung wird den Arbeitsmarkt und die Personalpolitik von Unternehmen gravierend verändern. Während viele Markenartikelhersteller und Händler das Thema demografische Entwicklung zwar erkannt haben, aber erst handeln wollen, wenn das Problem akut wird, genießt es bei Henkel trotz der im Februar dieses Jahres angekündigten Personalabbaupläne - der Chemie- und FMCG-Konzern will bis 2011 in Deutschland rund 10 Prozent respektive etwa 1 000 Mitarbeiter weniger beschäftigen - einen hohen Stellenwert.

Was also auf den ersten Blick widersprüchlich erscheint, erklärt sich mit Blick auf den künftigen in- wie ausländischen Mitarbeiterbedarf. Gleich ein ganzes Bündel von Maßnahmen soll das Markenartikelunternehmen personalfit und zugleich schlanker für die kommenden Herausforderungen machen. Dazu gehören unter anderem vielfältige Bemühungen, die Arbeitsfähigkeit der Mitarbeiter möglichst lange zu erhalten.

Dabei setzt der Traditionskonzern im Familienbesitz auf eine ganze Palette von Maßnahmen und Initiativen. Das Spektrum reicht von der ergonomischen Gestaltung der Arbeitsplätze in Zusammenarbeit mit dem Werksarzt über regelmäßige Arbeitsplatzbegehungen bis hin zum betrieblichen Gesundheitsmanagement.

Gleichzeitig stellt sich der Markenanbieter auf den zu erwartenden Mangel an Nachwuchskräften ein. So kooperieren die Düsseldorfer intensiv mit Schulen der Region - beispielsweise in der Lehrerausbildung -, um sicherzustellen, dass den potenziellen Auszubildenden die bei Henkel benötigten Fähigkeiten vermittelt werden. Kontakte zu Universitäten ermöglichen darüber hinaus die frühzeitige Ansprache zukünftiger Ingenieure und Führungskräfte.

Im Fokus steht in allen Fällen und bei allen angestoßenen Projekten immer der "offene Dialog mit den betroffenen Mitarbeitern", unterstreicht Henkel-HR-Manager Dietmar Schmidhuber. Oberstes Ziel sei es, "Veränderungsprozesse im Zusammenhang mit dem demografischen Wandel frühzeitig zu erkennen, um darauf adäquat zu reagieren".

Vor diesem Hintergrund arbeitet der rheinische Konzern beispielsweise seit mehr als zwei Jahren mit der RWTH Aachen zusammen. In Kooperation wurde der sogenannte "Demographie Radar" entwickelt. Das Analsyse- und Prognose-Tool wurde von einem Aachener Wissenschaftsteam programmiert. Henkel liefert den praktischen Input. Das mathematische Modell bringt den Düsseldorfern detaillierte Erkenntnisse über die künftige Personalsituation und den Bedarf an Mitarbeitern auf allen Unternehmensebenen.

"Wie auf einem Radarschirm - um im Bild zu bleiben - sehen wir schon kilometerweit im Voraus den Eisberg, den man tunlichst umsteuert, statt auf ihn zu zuhalten", erklärt Schmidhuber. Die durchgespielten Szenarien sind "wichtige und mitentscheidende Informationen" für den Henkel-internen Demografie-Arbeitkreis bestehend aus Vertretern des Personalmanagements, des Betriebsrates, der unterschiedlichen Fachbereiche, der betrieblichen Sozialarbeit sowie externer Experten wie die BKK Essanelle, um Vorschläge bis hin zu Betriebsvereinbarungen zu erarbeiten. (kon)

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