Altersentwicklung Herausforderung für Personaler und Controller

von Judit Hillemeyer
Freitag, 02. Oktober 2009
Die verschiedenen Auswirkungen des demographischen Wandels sind den Personalverantwortlichen in Deutschland durchaus bekannt. Auch wenn die unternehmenspolitischen Reaktionen darauf oft nur zögerlich abgeleitet werden, gibt es erste Erfolge: Die Beschäftigungssituation für Ältere hat sich verbessert.


Die Entwicklung der Altersstruktur stellt das Management vieler Unternehmen vor große Herausforderungen. Daraus konkrete Konsequenzen für die Personalarbeit abzuleiten, fällt jedoch schwer. So gaben in der Studie "Demographie Exzellenz - Herausforderungen im Personalmanagement" lediglich 29 Prozent der Unternehmen an, ihr Personalmanagement strategisch an der Altersentwicklung zu orientieren.

Daten von 131 Unternehmen

Die Untersuchung haben der Bonner Bundesverband Deutscher Unternehmensberater BDU und sein Regionalarbeitskreis (RAK) Baden-Württemberg gemeinsam mit der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Lörrach durchgeführt. Ausgewertet wurden die Daten von 131 Unternehmen.

Nur gut ein Viertel der Befragten analysiert, wie sich die Altersgruppen unter den eigenen Mitarbeitern entwickeln und definiert, wie sich das Personal künftig zusammensetzen soll. 71 Prozent der Unternehmen stellen darüber hinaus keine Budgets für geeignete Maßnahmen zur Verfügung.

Intelligente Personalkonzepte

"Die Unternehmen benötigen aber heute intelligente Personalkonzepte, die in der Strategie und der Kultur angemessen verankert sind. Dabei müssen vor allem auch Mitarbeiterführung und Controlling demographieorientiert sein", so Gerhard Wiesler, BDU-Projektleiter bei der Unternehmensbefragung.

Am stärksten engagieren sich die Firmen bislang im Gesundheitsmanagement, bei Anreizsystemen und in puncto lebenslanges Lernen. Doch dies reicht als Reaktion bei weitem nicht aus. Jürgen Pfister, Vorsitzender der Organisation "Das Demographie-Netzwerk" (ddn), weist zwar darauf hin, dass die Quote der 55- bis 64-Jährigen Beschäftigten von rund 38 Prozent auf 51 Prozent gestiegen sei.

Durchhaltevermögen und Konsequenz gefragt

Von einer aktiven, gestaltenden Reaktion auf diese Entwicklung "sind wir jedoch Lichtjahre entfernt", unterstreicht der Experte, der hauptberuflich bei der Metro Group den Konzernbereich Personal und Soziales leitet. Der Abbau von Personalkosten zur Krisenbewältigung entlaste zwar kurzfristig die Budgets, könne aber mittel- und langfristig das Mitarbeiterengagement beschädigen und die Organisationsleistung mindern. Deshalb seien gerade jetzt im Personalmanagement strategische Ausrichtung, Durchhaltevermögen und Konsequenz gefragt.

Bedenklich sei, dass Unternehmen in der Krise wieder stärker auf Frühverrentung setzten. "Wir bringen uns damit um eine der wichtigsten Fachkräftereserven, auf die wir in den kommenden Jahren dringend angewiesen sein werden", warnt Pfiste. (juh)

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