Kik Kik-Kollegen sehen sich im Fernsehen

von Redaktion LZ
Freitag, 21. September 2012
Flucht nach vorn: Jörg Oudshoorn, Bereichsleiter Filialservice, und Kirstin Adams, Bereichsleiterin Personal, schildern Details der Arbeitgeberkampagne.
Thomas Fedra
Flucht nach vorn: Jörg Oudshoorn, Bereichsleiter Filialservice, und Kirstin Adams, Bereichsleiterin Personal, schildern Details der Arbeitgeberkampagne.
LZnet. Wie man auf ein Imagefiasko reagieren kann, zeigt Kik. Der Textildiscounter flankiert seine Kampagne mit internen Verbesserungen – von Mindestlohn bis zum bezahlten VHS-Kurs.
Lohndumping, Ausbeutung, Qualitätsmängel: Die Liste der Vorwürfe, mit denen sich die Kik Textilien und Non-Food GmbH, Bönen, vor zwei Jahren konfrontiert sah, war lang. Man gelobte Besserung. Ein erster Schritt war die Verpflichtung von Dr. Michael Aretz im Sommer 2012. Der Manager, der zuvor bei einer Otto-Tochtergesellschaft arbeitete, soll Impulse bei Nachhaltigkeit und Kommunikation setzen ( lz 31-10).

Dass heute längst nicht alle Probleme gelöst sind, zeigt der Brand in einer pakistanischen Textilfabrik vergangene Woche. Dort wurden auch für Kik Jeans genäht. Der Discounter hat nun ankündigt, gemeinsam mit anderen Unternehmen einen Hilfsfond für die Opfer der Katastrophe aufzubauen.

"Verheerendes Image"

In Sachen Employer Branding ist Kik seit einem Jahr aktiv. "Denn unsere Außenwahrnehmung war verheerend", blickt Jörg Oudshoorn, Bereichsleiter Filialservice, zurück. "Unsere Mitarbeiter mussten sich an der Kasse beschimpfen lassen", schildert er die Situation.

Gemeinsam mit seiner Kollegin Kirstin Adams, Bereichsleiterin Personal, stellt er auf der Konferenz "Personalmanagement" der LZ-Schwesterzeitschrift Textilwirtschaft die Maßnahmen vor, mit denen der Billiganbieter mit dem sprechenden roten T-Shirt das Ruder herumreißen will. Schon ein solcher öffentlicher Auftritt bedeutet Neuland für den zur Tengelmann-Gruppe gehörenden Discounter, der in seinen 3200 Filialen europaweit 21000 Menschen beschäftigt.

Eine Befragung offenbart Stärken und Schwächen aus Mitarbeitersicht. Auf der Positivseite landen "Betriebsklima, Identifikation mit dem Unternehmen sowie Freundlichkeit", berichtet Adams. Als größte Schwächen werden Vergütung, fehlende Weiterbildungsmöglichkeiten und zu starre Arbeitszeiten kritisiert.

Kik-Akademie gegründet

Inzwischen habe das Unternehmen eine Einstiegsvergütung von 7,50 Euro festgezurrt. Zur Weiterbildung wurde die "Kik-Akademie" gegründet. "Mitarbeiter in Zentrale und Logistik können Volkshochschulkurse frei wählen und bekommen dafür pro Halbjahr 100 Euro netto", erläutert Adams das Konzept. Auch das Thema Arbeitszeit habe man in Angriff genommen – es gebe heute unterschiedliche Teilzeitmodelle für Mitarbeiter und Führungskräfte.

Zudem steckt Kik zwei Millionen Euro in eine Employer-Branding-Kampagne, in deren Mittelpunkt TV- und Kinospots stehen. Die Stars sind die eigenen Leute. Viele hätten berichtet, dass der Textildiscounter für ihren eigenen Berufsweg zwar nicht erste Wahl gewesen sei, aber ihnen gleichwohl viele Möglichkeiten eröffnet hätte. Womit der Slogan "Der Chancengeber" geboren war.

Germany´s Next Kik-Model

Zum Casting bewerben sich zur Überraschung der Initiatoren rund 1000 Mitarbeiter. Unterstützt durch Profis aus der Fernsehserie "Germany’s Next Topmodel" werden die passenden Kandidaten herausgefiltert. Im September 2011 gehen die Spots an den Start.

Seither hätten sich die Bewerbungen auf Ausbildungsplätze verdoppelt, zu "Peak-Zeiten" der Kampagne sogar verdreifacht, freuen sich Oudshoorn und Adams. 2012 habe man 700 bis 750 Azubis einstellen wollen und 600 der Stellen besetzen können.

Die Qualität der Interessenten sei ebenfalls gestiegen, kann Adams an niedriger werdenden Absagestapeln ablesen: "Es bewerben sich jetzt auch Menschen bei uns, die Kik früher überhaupt nicht auf dem Radar hatten."

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