Globus "Jeder Chef ein Vorbild"

von Redaktion LZ
Freitag, 03. September 2010
Karrieren im Blick: Personalleiterin Sabine Ment plant für die Zukunft einen höheren Bedarf an Führungsverantwortlichen ein.
Stefan Ment
Karrieren im Blick: Personalleiterin Sabine Ment plant für die Zukunft einen höheren Bedarf an Führungsverantwortlichen ein.
LZnet. Sabine Ment, Personalleiterin der Globus-SB-Warenhäuser, arbeitet zurzeit an einem umfassenden Gesundheitsmanagement. Außerdem fordern Expansion und demografische Entwicklung forcierte Aktivitäten zur Gewinnung von Führungskräften.
Lebensmittel Zeitung: Frau Ment, was motiviert Unternehmen, ihren Belegschaften Fitnessangebote zu machen? Ist das nicht deren Privatsache?

Sabine Ment: Wir sind daran interessiert, gesunde und leistungsstarke Mitarbeiter zu beschäftigen. In unserem Gesundheitsprojekt loten wir aus, was Globus dazu beitragen kann. Und dabei geht es um wesentlich mehr als um reine Fitnessangebote.

LZ: Hat sich die Situation denn verschlechtert?

Ment: In jüngster Zeit registrieren wir einen leichten Anstieg der Krankheitsquote. Wobei ich lieber von einer Gesundheitsquote spreche, um das Positive zu betonen. Sie lag im vorigen Jahr bei 96 Prozent. Wir streben eine Verbesserung um ein halbes Prozent an.

LZ: Sicher hat es bisher schon Maßnahmen zur Prävention im Unternehmen gegeben. Was wollen Sie verändern?

Ment: In der Tat gab und gibt es viele tolle Einzelaktivitäten in unserer Globus-Welt. Schließlich umfasst es mittlerweile 40 Standorte, die allesamt eine hohe Eigenständigkeit im Handeln haben.
Was fehlt, ist eine übergeordnete Struktur, ein Gesamtkonzept, in das alle wichtigen Themen einfließen. Jeder soll von den Erfahrungen der anderen profitieren. Deswegen bilanzieren wir, was erfolgreich läuft, was weniger angenommen wird und welche Aspekte bisher zu kurz kamen.

LZ: Welche Eckpunkte bestimmen das Konzept?

Ment:Wir haben verschiedene Handlungsfelder definiert. Eines der wichtigsten besteht meiner Meinung nach in der Sensibilisierung unserer Führungskräfte.
Deren Rolle in Sachen Gesundheit ist nicht zu unterschätzen. Sie beeinflussen die Befindlichkeit ihrer Mitarbeiter positiv wie negativ. Bei der Durchsicht der Krankenstatistiken fielen uns große Unterschiede auf.

In einzelnen Betriebsstätten weicht die Zahl der Fehltage deutlich vom Durchschnitt ab. Wir vermuten, dass in Abteilungen mit hohen Ausschlägen auch von Führungsverantwortlichen falsche Signale ausgehen können.

LZ: Können Chefs einen tatsächlich lahmlegen?

Ment:
Im Blickpunkt steht nicht nur ein schlechter Führungsstil. Das Thema ist vielschichtig. Selbst ein motivierender Chef kann manchmal krank machen. Denn positiver Ansporn führt zu einer hohen Identifikation mit dem Unternehmen.

Was ja an und für sich toll ist und bewirkt, dass sich Kollegen ins Zeug legen. Manche überfordern sich aber dabei und geraten in die Burnout-Falle. Darüber sollte sich jede Führungskraft im Klaren sein.

LZ: Wie kann sie gegensteuern?

Ment:
Indem sie zum Beispiel die Frage nach der Balance zwischen Beruf und Familienleben im Blick hat und sie gegebenenfalls thematisiert. Spätestens in den jährlichen Mitarbeitergesprächen haben wir das verbindlich vorgesehen.

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist ein Thema gleichermaßen für Mitarbeiter wie Führungsverantwortliche. Letztere fungieren zudem als Vorbild. Sie müssen also darüber nachdenken, was sie der Belegschaft vorleben.

LZ: Abgesehen von diesem Großprojekt, welches sind weitere Schwerpunkte Ihrer Arbeit?

Ment:
Für unsere Expansion benötigen wir in nächster Zeit 120 Führungskräfte auf allen Ebenen. Dafür steigern wir zwar auch die interne Ausbildungsquote und unsere Förderprogramme, aber das allein reicht nicht aus.

Abiturienten bieten wir deswegen an, sie innerhalb von 18 Monaten zu Einzelhandelskaufleuten auszubilden. Währenddessen ist ein Besuch der Lebensmittelfachschule in Neuwied vorgesehen. Daran schließt sich der Handelsfachwirt an.

Das Ganze ist eine sehr praxisorientierte Ausbildung, über man recht schnell junge Teamleiter generiert. Außerdem haben wir die Zahl unserer BA-Studenten deutlich aufgestockt und dieses Jahr zweiundzwanzig eingestellt. In früheren Zeiten waren es zwischen zehn und fünfzehn.

LZ: Wieso ist der Bedarf so hoch?

Ment:
Zum einen, weil uns viele Führungskräfte in den nächsten Jahren altersbedingt verlassen. Hinzu addiert sich der Bedarf für die Integration von zwölf Real-Betrieben im Jahr 2016, ehemaligen Massa-Standorten in Hessen und Rheinland-Pfalz.

Des weiteren wird es einige komplett neue Standorte geben, für die wir natürlich auch qualifizierte Mitarbeiter und Führungskräfte brauchen.

LZ: Wie steht es mit den bisherigen Real-Managern. Eignen die sich nicht?

Ment:
Wenn wir ein SB-Warenhaus übernehmen, wollen wir ein Führungsteam, das unsere Kultur glaubhaft umsetzt und vorlebt. Natürlich hat auch Real gute Leute.

Ihnen bieten wir eine kompakte Einarbeitung an, damit sie das Mehr an Verantwortung, das bei Globus üblich ist, als Chance zur Weiterentwicklung begreifen. Und ich hoffe, es wird uns gelingen, die Ex-Wettbewerber zu begeisterten Globianern zu machen.

LZ: Gibt es bei Globus Trainees?

Ment:
Ja. Wir werden eine weitere Lücke in unserem Angebot schließen, indem wir ein Programm für externe Bewerber mit Bachelorabschluss schaffen. Unser bestehendes Programm richtet sich an Master-, früher an Diplom-Absolventen.

Es eröffnet handelsaffinen, zu Globus passenden Persönlichkeiten eine Karriere im Turbo-Gang. Sie übernehmen bereits nach drei Monaten eine Teamleiterstelle und erklimmen schnell weitere Stufen der Verantwortung.

LZ: Ist der Standort St. Wendel ein Wettbewerbsnachteil?

Ment:
Wer in Hamburg lebt, hat genauso viele Probleme, nach München oder ins Saarland zu gehen, heißt es.

Aber natürlich liegen wir etwas abseits. Doch die Stadt ist eine echte Perle und bietet eine hohe Lebensqualität. Auch die Nähe zu Frankreich macht sich positiv bemerkbar.

Sabine Ment (43) übernahm im September 2005 bei der Globus-SB-Warenhaus-Gruppe in St. Wendel die Verantwortung als Personalleiterin.

Zuvor arbeitete sie dreizehn Jahre lang bei der Kölner Rewe. Ursprünglich wollte sie lieber in der Nähe einer Großstadt bleiben. Inzwischen aber fühlt sie sich mit ihrer Familie in der saarländischen Kleinstadt sehr wohl.
Als einem der wenigen im deutschen Handel gelingt es Globus, die Großfläche erfolgreich zu managen. Für die überzeugende Performance sorgen Mitarbeiter, die vor Ort mit hoher Eigenverantwortung agieren.

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