Edeka "Karrierewege deutlich machen"

von Redaktion LZ
Freitag, 02. September 2011
„Feuer in den Augen des Nachwuchses erzeugen“: Jens Kettler setzt auf Gemeinschaft und Wertschätzung.
Lars Kruger
„Feuer in den Augen des Nachwuchses erzeugen“: Jens Kettler setzt auf Gemeinschaft und Wertschätzung.
LZnet. Die Edeka bietet Weiterbildungsmöglichkeiten für den Nachwuchs der gesamten Genossenschaft. Jens Kettler, Geschäftsführer der Edeka-Juniorengruppe, berichtet über aktuelle Prioritäten.
Lebensmittel Zeitung: Herr Kettler, die Edeka ist eine Genossenschaft mit eigenständigen Regionalgesellschaften. Wie weit reicht Ihr Einfluss bei der Personalentwicklung in der gesamten Gruppe?

Jens Kettler: Unser größter Verantwortungsbereich ist die gruppenweite Personalentwicklung für den selbstständigen Einzelhandel. Unsere Aufgabe ist es, die Kaufleute bei der gesamten Personalentwicklung zu unterstützen – also Konzepte zu entwickeln und deren Umsetzung zu koordinieren. Wir müssen bessere Angebote als andere Anbieter machen, denn der Einzelhandel kann auf uns zurückgreifen – muss es aber nicht.

LZ: Die meisten Kaufleute nutzen aber Ihr Angebot?

Kettler: Eine gemeinsame, übergreifende Personalentwicklung hilft allen in der Gruppe. Das erkennen die Edekaner natürlich. Die Edeka hat mit der Juniorengruppe eine separate Organisation, die einzig für die Förderung des kaufmännischen Nachwuchses zuständig ist. Sehr viele Kaufleute haben im Laufe ihrer Karriere persönlich davon profitiert. Sie stützen den genossenschaftlichen Gedanken, indem sie eigenen Nachwuchs ausbilden.

LZ: Welche Themen liegen Ihnen aktuell am Herzen?

Kettler: Wir haben drei Themen besonders im Fokus. Eines ist E-Learning. Unser Wissensportal haben wir als Gemeinschaftsprojekt aller sieben Regionen an den Start gebracht. Der zweite Bereich ist die verstärkte Werbung für Azubis. Seit einem Jahr ist die Internetseite edekaner.de online. Wir haben das Konzept entwickelt und stellen Tools zur Verfügung. Der Einzelhandel kann das Portal nutzen, um Stellen einzustellen oder Info- und Werbematerial zu nutzen. Der dritte Schwerpunkt liegt in den Bedienungsabteilungen. Dies ist eine wesentliche Kompetenz der Edeka. Die Qualifizierungsangebote stehen bereit, aber wir müssen noch mehr Überzeugungsarbeit leisten, um das Aufgabengebiet interessant zu machen.

Zur Person

Zur Person

Jens Kettler ist als Geschäftsführer der Edeka Juniorengruppe verantwortlich für die Mitarbeiterentwicklung im Einzelhandel. Als Sohn einer Edeka-Unternehmerfamilie wurde er in dritter Generation in die Gruppe hineingeboren. Der Kaufmann im Einzelhandel hat selbst einen Markt geleitet, ehe er ins Bildungswesen wechselte.



LZ:
Was sind dabei die zentralen Herausforderungen?

Kettler: Wir müssen mit der gegebenen Qualifikation der Schulabgänger umgehen. Außerdem sinken die Zahlen der Schulabgänger erheblich. Wir haben einen Bedarf von rund 7000 neuen Auszubildenden jedes Jahr – Tendenz steigend. Gleichzeitig dreht sich der Markt gerade vom Ausbildermarkt zum Auszubildendenmarkt. Und der LEH hat nicht das beste Image bei Jugendlichen.

LZ: Welche Ansätze verfolgen Sie konkret?

Kettler: Wir können natürlich die Qualität der Schulbildung nicht verbessern. Also müssen wir während der zwei bis drei Jahre der Ausbildung noch mehr tun, um etwaige Defizite auszugleichen. Hinzu kommt eine konsequente Imagearbeit. Der Handel ist einer der abwechslungsreichsten und spannendsten Arbeitgeber. Das müssen wir besser transportieren.

LZ: Wie wollen Sie die Imagearbeit verbessern?

Kettler: Wir haben uns im vergangenen Jahr ganz neu aufgestellt. Den Anfang haben wir mit dem Internetauftritt edekaner.de und der ganz aktuellen Kampagne "Lern doch lieber was Vernünftiges" gemacht. Darüber hinaus haben wir gezielt Abiturientenmodelle gestartet. Und wir müssen deutlicher machen, welche Karrieremöglichkeiten es im Handel gibt. Man kann in keiner anderen Branche so schnell Karriere machen, und Edeka bietet obendrein die Chance, sich später selbstständig zu machen.

LZ: Ist E-Learning wichtig?

Kettler: Junge Leute lesen und lernen anders. Wir müssen sie dort abholen, wo sie stehen. Aber E-Learning ist auch ein Instrument für die Schulung unserer bestehenden 300000 Mitarbeiter zum Beispiel zu Themen wie HACCP oder Jugendschutz und Alkohol, bei denen ein aktueller Wissensstand erforderlich ist. Mit dem E-Learning-Angebot passen wir uns flexibel an die verfügbare Zeit der Mitarbeiter an – auch bei Teilzeitkräften. Außerdem sparen wir enorme Kosten gegenüber Präsenzseminaren.

LZ: Worauf kommt es bei der Umstellung an?

Kettler: Wir müssen nicht nur die Plattform und die Lerninhalte bereitstellen, sondern auch die infrastrukturellen Voraussetzungen in den Märkten verbessern.

LZ: Wo verknüpfen Sie Ihr Angebot mit der Zentrale und den Großhandlungen?

Kettler: Das greift ineinander. Zum Beispiel kombinieren wir die Gruppen bei der Fortbildung zum Handelsfachwirt und dem berufsbegleitenden Bachelorstudium. Das fördert zugleich das gegenseitige Verständnis. Bei Seminarthemen, wie etwa Team- oder Konfliktführung, ist es unwichtig, aus welchem Bereich der Edeka der einzelne Mitarbeiter stammt.

LZ: Wie gestalten Sie die Eingangsvoraussetzungen?

Kettler: Unterschiedlich. Die ersten Fortbildungsstufen direkt nach der Ausbildung stehen fast allen zur Verfügung. Natürlich prüfen wir die individuellen Fähigkeiten und Bedürfnisse. Nach der ersten Aufbaustufe arbeiten wir konsequent mit Assessment Centern. Wir besprechen mit jeder Nachwuchskraft die persönlichen Ziele und zeigen Wege auf. Dafür haben wir mit der Juniorengruppe ein sehr breites Fortbildungsangebot geschaffen.

LZ: Es wird derzeit viel über Diversity gesprochen. Ist das für Sie ein Thema?

Kettler: Unter diesem Schlagwort versteht jeder etwas anderes.

LZ: Beispielsweise die Internationalität der Belegschaft….

Kettler: Das ist im Handel Alltag. Unsere Belegschaft ist international. Viele Auszubildende haben türkische, kroatische, armenische und russische Wurzeln, um nur einige Beispiele zu nennen. Die Herkunft ist nicht entscheidend, sondern nur, ob ein Auszubildender Spaß am Beruf hat und sich engagiert. Das Thema wird aus meiner Sicht viel zu sehr hochgekocht. Wir haben nicht einmal eine Statistik, weil es uns gar nicht interessiert, wo jemand herkommt. Wie gesagt: Im Handel ist das Alltag.

LZ: Ist die Förderung von Frauen in Führungspositionen für Sie eher ein Thema?

Kettler: Ja, das ist auch wichtig. Wir stellen in den Nachwuchsförderprogrammen eindeutig fest, dass der Frauenanteil auf den oberen Stufen abnimmt. Eine Ursache ist, dass wir bei den weiblichen Nachwuchskräften eine stärkere Immobilität feststellen. Die jungen Frauen könnten deutlich weiter kommen, wenn sie bereit wären, für die berufliche Entwicklung eine räumliche Veränderung zu akzeptieren. Junge Männer sind da beweglicher.

LZ: Inwieweit gibt es bei der Personalarbeit Berührungspunkte mit Netto?

Kettler: Netto ist ein eigenständiges Unternehmen im Verbund. Wir tauschen uns aus. Aber die Juniorengruppe hat den Auftrag, den Nachwuchs im Einzelhandel zu fördern. Ein Discounter funktioniert anders als ein Vollsortimenter. Wir sind ein Unternehmer-Unternehmen. Selbstständig denken und selbstständig handeln, das ist ein Ziel, das wir schon den Azubis vermitteln. Ich möchte sowohl bei den Ausbildern als auch bei den Nachwuchskräften Feuer in den Augen erzeugen. Dann kommt der Rest von allein.

LZ: Und wie machen Sie das?

Kettler: Drei Dinge sind wichtig: Vorbilder, Gemeinschaft und Wertschätzung. Der Inhaber, Ausbilder und Marktleiter muss ein gutes Vorbild sein. Ein Gemeinschaftsgefühl erzeugen wir unter anderem durch Events wie den Edeka-Mega-Azubi. Tausende Auszubildende der Edeka nehmen jedes Jahr an dem Wettbewerb teil. Die besten 80 werden auf der Jahrestagung ausgezeichnet. Das schafft Zugehörigkeit. Außerdem bekommen Auszubildende ergänzend zum normalen Programm acht bis zehn Tage Zusatzausbildung. Wir wollen zeigen, dass sie uns etwas wert sind.

LZ: Welche Rolle spielt das Gehalt?

Kettler: Die Bezahlung spielt immer eine Rolle. Das ist Sache der Tarifverträge. Aber darüber hinaus wollen junge Menschen wissen: Was lerne ich, wie lerne ich und wie ist das Betriebsklima. Die Unternehmenskultur im einzelnen Markt ist entscheidend.

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