"Nach gut einem Jahr Hausleiter"

von Redaktion LZ
Freitag, 07. Mai 2010
Lebensmittel Zeitung: Herr Vogler, was überzeugt High Potentials von Ihrem Unternehmen?

Christian Vogler: Ich glaube, attraktiv macht uns die Vielfalt der Aufgaben. Wir erleben immer wieder, dass junge Menschen positiv überrascht sind, wenn sie erfahren, wie breit das Betätigungsfeld in einem Handelsunternehmen unserer Größe ist. Dass wir nicht nur Lebensmittel verkaufen, sondern eine Fülle hochspannender Aufgaben zu bieten haben, sei es in Vertrieb, Einkauf oder IT, in Verwaltung, Logistik oder bei der Expansion. Und dass wir deswegen Nachwuchs aus unterschiedlichsten Studiengängen suchen, um die ganze Palette der Tätigkeiten abzudecken.
LZ: Wie es scheint, ist das Bild des Handels stark vom Verkauf in den Filialen geprägt.

Vogler: Das ist richtig. Unserer Erfahrung nach müssen wir jungen Absolventen die berufliche Vielfalt von Kaufland erst einmal erklären. Ein Beispiel. Viele haben Marketing studiert und gehen davon aus, dass diese Qualifikation im Handel stark benötigt wird. Das aber stimmt so nicht. Unser Unternehmen braucht eher wenige Marketing-Spezialisten.
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LZ: Welche Qualifikationen sind denn gefragt?


Vogler: Den Schwerpunkt bilden natürlich die Wirtschaftswissenschaften, da haben wir die größte Bandbreite an Einsatzmöglichkeiten in Einkauf, Vertrieb oder Verwaltung. Aber wir brauchen auch technische Berufe, etwa in der IT und im Baubereich, wo wir eigene Stabsabteilungen unterhalten. Außerdem benötigen wir beispielsweise in unserem Fleischwerk Lebensmitteltechnologen oder Agrarwissenschaftler.
LZ: Welche Kriterien sind Ihnen bei der Auswahl unter den Bewerbern wichtig?

Vogler: In erster Linie sollte der Kandidat zu uns passen und umgekehrt. Denn schließlich wollen wir längerfristig zusammenarbeiten. Wir bevorzugen das Einzelinterview als Mittel der Wahl. Vom Assessment-Center sind wir abgekommen. So können wir individueller aufeinander eingehen, sind flexibler und auch schneller in der Entscheidung. Im Regelfall führen wir zwei Gespräche, an denen je zwei Personen von Kaufland teilnehmen. Wer das ist, hängt von der Stelle ab. Manchmal ist dem Traineeprogramm, dem klassischen Entree für Akademiker, eine Woche Praktikum vorgeschaltet.

LZ: Worauf legen Sie Wert jenseits objektiv messbarer Qualifikationen?

Vogler: Die Persönlichkeit muss überzeugen. Wir leben von der Kundenorientierung und finden eine positive Grundeinstellung diesbezüglich unabdingbar. Unsere Bewerber sollten gerne kommunizieren und auf Menschen zugehen können. Aber auch Soft Skills wie Genauigkeit, Verantwortungsbewusstsein und Schnelligkeit bilden wichtige Kriterien. Gerade letzteres ist zu betonen. Denn der Handel verändert sich mit rasender Geschwindigkeit. So übernahm Kaufland Anfang des Jahres vier ehemalige Schlecker-SB-Warenhäuser. Wenig später erwarben wir zwölf Famila-Standorte. Sie zu integrieren, ist kein Alltagsgeschäft. Dafür brauchen wir junge Menschen mit Lust auf Jobs jenseits von Routine. Aber sie müssen auch Gespür mitbringen, wie man mit neu hinzu gewonnenen Mitarbeitern umgeht. Wir schätzen es nicht, wenn jemand als der große Zampano auftritt, sondern wollen gemeinsam Lösungen findet. Arroganz ist fehl am Platz.

LZ: Wie stellen Sie die gewünschten Eigenschaften fest?

Vogler: Wir führen zwei Bewerbergespräche durch und lassen sie von je zwei erfahrenen Führungskräften beurteilen, die schon viele Mitarbeiter eingestellt und ein Händchen dafür haben, wer zu uns passt. Wir suchen zudem nicht nur pragmatisch veranlagte Menschen, sondern brauchen ebenso die konzeptionell denkenden, analytischen Personen.

LZ: Gibt es den viel zitierten Praxisschock?

Vogler: Eher weniger. Weil wir behutsam vorgehen und sehr gründlich einarbeiten, mit aktiver Unterstützung durch den Vorgesetzten. Dagegen erleben wir nicht selten großes Staunen, was alles ineinandergreifen muss, bis der Kunde die gewünschte Ware kaufen kann.

LZ: Wie sieht eine erste Karrierestufe bei Kaufland aus?

Vogler: Ein Trainee kann schon nach gut einem Jahr Hausleiter einer kleineren Filiale werden. Das bedeutet Personalverantwortung für bis zu 100 Mitarbeiter, dazu Umsatz- und Ergebnisverantwortung. Das ist eine tolle Chance und eine handfeste Sache. Man schlüpft zum ersten Mal in die Führungsrolle, entscheidet mit über Warenpräsentation oder Werbeaktivitäten.

LZ: Was verdienen Einsteiger?

Vogler: In der Regel verdienen Trainees 40.000 Euro per anno. Im Vertrieb erhalten sie mit 48.000 Euro etwas mehr, weil diese Aufgabe eine höhere Flexibilität erfordert.

LZ: Wie viele Hochschulabsolventen stellen Sie 2010 ein?

Vogler: Wir planen etwa 50 Einstellungen, Trainees und Direkteinstieg von Akademikern zusammengerechnet.

LZ: Und wie viele Bewerbungen haben Sie von dieser Zielgruppe erhalten? Mehr als zuvor?

Vogler: Wir erheben das nicht getrennt nach Qualifikationen. Tendenziell aber sind es deutlich mehr als in den Vorjahren.

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