Metro "Klarer Fokus auf Cash+Carry"

von Redaktion LZ
Freitag, 13. April 2012
"Die Chemie stimmt." Heiko Hutmacher über den neu zusammengesetzten Metro-Vorstand
Metro
"Die Chemie stimmt." Heiko Hutmacher über den neu zusammengesetzten Metro-Vorstand
LZnet. Seit Oktober 2011 ist das Vorstandsressort Personal bei der Metro Group wieder besetzt. Für Heiko Hutmacher sind die Identifizierung von Führungskräften und die Entwicklung eines neuen Führungsstils entscheidende Ansatzpunkte, um die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens zu sichern.
Lebensmittel Zeitung: Herr Hutmacher, Metro schickt Mitarbeiter neuerdings in die Antarktis. Was versprechen Sie sich davon?

Heiko Hutmacher: Bei der Expedition haben unsere Nachwuchskräfte intensiv an ihrer Führungsfähigkeit und ihrem Führungsstil gearbeitet. Das Ganze war kein Incentive, sondern ein Entwicklungsprogramm – und ein sichtbares Beispiel, wie wir Nachhaltigkeit und Leadership kombinieren. Wir müssen unser Unternehmen nicht nur heute erfolgreich führen, sondern auch für die Zukunft vorbereiten. Dazu gehört, dass wir uns um die Umwelt Gedanken machen. Wir leben auf einem Planeten mit begrenzten Ressourcen.

LZ: Welche Schwerpunkte wollen Sie außerdem setzen?


Hutmacher: Natürlich habe ich schon einige Eindrücke gesammelt, aber eine ganzheitliche HR-Strategie werden wir erst gemeinsam mit dem HR-Leadership-Team entwickeln, das ich gerade aufbaue. Dennoch gibt es schon Schwerpunkte – einen haben wir gerade angesprochen. Außerdem liegt mir die Frage, wie man miteinander arbeitet, sehr am Herzen. Wir brauchen einen partizipativen und kollaborativen Führungsstil.

LZ: Wie würden Sie den Stil der Metro beschreiben?

Hutmacher: Wie in jedem Unternehmen gibt es bei uns eine Mischung verschiedener Führungskräfte und damit Führungsstile. Beispielsweise haben manche Führungskräfte die Fähigkeit ihre Mitarbeiter zu motivieren, andere müssen das noch lernen. Bei dem Thema gibt es nicht die eine Stellschraube. Man muss gleichzeitig viele einzelne Entwicklungsmaßnahmen anbieten, die alle in die gleiche Richtung zielen.

Zur Person

Zur Person

Heiko Hutmacher (54) stieg 1984 als Berater Personalprogramme bei IBM ein. Der Rheinländer war unter anderem in Südafrika und Asien für IBM tätig. Zuletzt war er Vice President HR. 2004 wechselte er als Senior Vice President HR zu Akzo Nobel. Im Oktober 2011 wurde Hutmacher Personalvorstand der Metro AG. Seit April ist er zudem Geschäftsführungsmitglied von Metro C+C.


LZ: Was ist dabei besonders entscheidend?

Hutmacher: Personalauswahl ist ein wichtiger Aspekt. Aber auch Inclusion und Diversity. Die Reihenfolge wähle ich bewusst so. Denn wenn man erst Diversity nennt, spricht man eher über Trennendes als über Verbindendes. Das passt mir nicht. Wir haben uns verpflichtet, Frauen zu fördern – und da gibt es ohne Zweifel Bedarf. Aber es geht um mehr, nämlich für 280000 Individuen bei der Metro eine Umgebung zu schaffen, in der sie sich entfalten und ihre Stärken ausbauen können.

LZ: Wie ist HR bei der Metro zukünftig strukturiert?

Hutmacher: Wir werden uns stark auf das Cash+Carry-Geschäft fokussieren. Das ist heute auch schon so angelegt. Die Mehrzahl der HR-Mitarbeiter hier am Standort hat diesen Fokus. Wir werden das jetzt nur noch deutlicher herausarbeiten, indem wir uns weitestgehend als HR-Organisation für C+C begreifen. Nichtsdestotrotz werden wir natürlich weiterhin konzernweite Personalmaßnahmen unterstützen, aber mit einer wesentlich kleineren Gruppe von Leuten.

LZ: Welche Tools bieten Sie der gesamten Gruppe an?

Hutmacher: Die entscheidende Frage lautet: Wie identifizieren wir Führungskräfte, vor allem Top-Leute? Das machen wir mit Talent-Reviews – vertriebslinienübergreifend und durchlässig. Wir haben dafür einen gemeinsamen Standard, den wir weiterentwickeln werden.

LZ: Was hat Sie bei der Metro überrascht?

Hutmacher: Ich bin im Handel aufgewachsen, meine Eltern hatten ein Uhren- und Schmuckgeschäft. Insofern ist mir die Branche durchaus vertraut. Was mich beeindruckt, ist die unglaubliche Internationalität. Ich habe noch nie so viele Menschen mit soviel internationaler Erfahrung kennengelernt wie im C+C-Managementteam. Was mir bei der Metro zudem besonders positiv auffällt, ist die "Hands-on-Mentalität", die Schnelligkeit der Entscheidungen und die Kundennähe.

LZ: Die spüren Sie als Vorstand?

Hutmacher: Absolut. Wenn ich in einen Markt gehe und mit den Leuten ins Gespräch komme, merke ich das deutlich. Es gibt in der Metro rund 2200 Storemanager, die ganz nah am Kunden sind. Deshalb müssen wir in der Personalarbeit auf diese Zielgruppe besonderen Wert legen.

LZ: Es gab eine Reihe von Wechseln an der Metro-Spitze, was sicher Unruhe in die Belegschaft gebracht hat. Haben sich die Wogen geglättet?

Hutmacher: Die Chemie im neuen Vorstand stimmt und wir arbeiten hervorragend zusammen. Das Beste, was wir tun können, ist den Blick nach vorn zu richten und gute Arbeit zu machen. Wie auch immer die Emotionen gewesen sein mögen, wir müssen die Dinge nun anpacken, wie sie sind – konsistent und nachhaltig. Meinen Vorstandskollegen und mir ist es zudem wichtig, Kontakte zu den Mitarbeitern aufzubauen, statt distanziert auf der Vorstandsetage zu sitzen. Ich habe beispielsweise regelmäßige Round-Table-Diskussionen mit den unterschiedlichsten Mitarbeitergruppen eingeführt.

LZ: Rekrutieren Sie weltweit?

Hutmacher: Absolventen werden meist im Inland rekrutiert. In höheren Regionen wird die Suche internationaler. Ein Top-Hiring-Programm gibt es noch nicht, aber ich möchte so etwas in nicht allzu ferner Zukunft implementieren. Dabei werden Talente weltweit gesucht, erfahren intensives Training und starten dann auf Positionen mit viel Verantwortung.

LZ: Wie ist das Unternehmen mit Blick auf Talent-Management aufgestellt?

Hutmacher: Es gibt Best Practices, die ihresgleichen suchen. Wir haben eine extrem große Zahl von Development Centers, es gibt ausgefeilte Systeme für Beurteilungen, Mitarbeiterbefragungen und Feedback. In Leadership-Talent-Reviews analysieren wir die Potenziale von Führungskräften. Aber wir können weitere Fortschritte machen. Man sollte sich nie auf seinen Lorbeeren ausruhen.

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