Risiken Im Einkauf lauern Risiken

von Christiane Düthmann
Freitag, 16. Dezember 2011
Versuchung: Wenn die Qualität nicht reicht, können Lieferanten auf die Idee kommen, Einkäufer mit anderen "Argumenten" vom Vertragsabschluß zu überzeugen.
Getty/Stone
Versuchung: Wenn die Qualität nicht reicht, können Lieferanten auf die Idee kommen, Einkäufer mit anderen "Argumenten" vom Vertragsabschluß zu überzeugen.
Compliance- und Haftungsrisiken betreffen nach Meinung der deutschen Unternehmen vor allem den Einkauf. Dennoch verfügen mehr als zwei Drittel weder über ein Compliance-Management-System noch über Lieferantenkodizes, so eine Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag von Kerkhoff Consulting.
"Kein Bereich hat so viel mit Korruption, unkonformen sozialen Standards und Betrugsversuchen zu tun wie der Einkauf – vor allem auf internationalem Parkett", sagt Gerd Kerkhoff. Compliance- und Haftungsrisiken sind hier noch höher als im Vertrieb oder in der Finanzabteilung.

Umso verwunderlicher erscheint es dem Vorsitzenden der Geschäftsführung von Kerkhoff Consulting, dass "nur eine Minderheit der deutschen Unternehmen einen Kodex erstellt hat, der auch seine Lieferanten auf Regelbefolgung festlegt".

Ungenutzte Möglichkeiten

Bei Unternehmen mit einem Umsatz unter 250 Mio. Euro sind es nach der Allensbach-Untersuchung sogar nur 31 Prozent. Insgesamt wurden 253 Unternehmen hinsichtlich ihres Umgangs mit dem Thema "Compliance" für die Analyse befragt.

Doch selbst bei den Unternehmen, die einen Lieferantenkodex eingeführt haben, werde dieser nicht in all seinen Möglichkeiten genutzt. So habe nicht einmal ein Drittel der Befragten den Kodex in die eigenen allgemeinen Geschäftsbestimmungen integriert.

67 Prozent lassen ihre Lieferanten den Kodex gegenzeichnen. Immerhin erklären 86 Prozent der Unternehmen mit Lieferantenkodex, dass sie kontrollieren, ob die Regeln befolgt werden. Dazu bedient sich aber nur ein Drittel auch externer Hilfe, um eine neutrale Beurteilung sicherzustellen.

Vorsorge stärkt die Marke

Als besonders fortschrittlich bezeichnet die Studie solche Unternehmen, die sogar die Gegebenheiten unterschiedlicher Lieferantenländer in den Kodizes berücksichtigen. Zu diesen "echten Vorreitern" zählen aber nur 20 Prozent.

"Sie verhindern auf diese Art und Weise, dass sie für die Probleme ihrer Lieferanten – zum Beispiel aufgrund von Kinderarbeit oder Umweltverschmutzung – haftbar gemacht werden können", erklärt Kerkhoff. Zudem hätten sie die Möglichkeit, diese Sicherungsmaßnahmen auch gegenüber ihren Kunden herauszustellen und auf diese Weise ihre Marke als faires Unternehmen zu stärken.

Während ein Lieferantenkodex ein Unternehmen gegen äußere Risiken absichert, hilft ein Compliance-Management-System dabei, auch intern keine rechtlichen Fehler zu begehen. "Manager und Einkäufer wissen manchmal gar nicht, gegen welche rechtlichen Regelungen sie gerade verstoßen", sagt Kerkhoff.

Unbedachte Verstöße gegen Kartellrecht

"Wenn ein Einkäufer abends mit Kollegen anderer Firmen am Stammtisch sitzt und sich austauscht, kann aus einem solchen Gespräch unerwartet schnell ein kartellrechtlicher Verstoß werden." Und wenn es zur Anklage und Verurteilung komme, könne das ein Unternehmen schnell an den Rand einer Insolvenz bringen.

Obwohl sich die Unternehmen dessen bewusst sind, ist mehr als die Hälfte von ihnen überzeugt, dass die Einführung eines Compliance-Management-Systems zu viel Aufwand bedeuten würde. Häufig ist es ihnen auch zu teuer. "Dabei kalkulieren sie nicht, welche Kosten auf sie zukommen, wenn sie später juristisch belangt werden", so Kerkhoff.

Und auch der einzelne Manager, der heute persönlich für rechtliche Verstöße haftbar gemacht werden könne, sollte sich stets bewusst sein, "dass er manchmal vielleicht sogar illegal handelt, ohne es zu wissen." (cd)

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