Zukunftsinstitut Führung braucht Hirten statt Helden

von Martin Mehringer
Freitag, 09. Dezember 2011
Blickt nach 2030: Matthias Horx benennt neue Aufgaben.
Zukunftsinstitut / Klaus Vyhnalek
Blickt nach 2030: Matthias Horx benennt neue Aufgaben.
Zunehmend komplexere Aufgaben erfordern einen neuen Managertypus, der Unschärfe aushalten, für Irritation sorgen und Orientierung schaffen kann.
"Das Management muss sich neu erfinden." Auf diese Formel bringt das Zukunftsinstitut unter dem Titel "Unternehmensführung 2030: Innovatives Management für morgen" die Herausforderungen für die Spitzen der Wirtschaft.

Die Forscher um Matthias Horx leiten gemeinsam mit der Beratungsgesellschaft Signium aus Trends, wie der zunehmenden Individualisierung, der sinkenden Halbwertszeit von Wissen, dem Drängen von Frauen in Führungspositionen, dem demografischen Wandel sowie der Globalisierung, neue Anforderungen ab.

"Statt Monolithen auf Ewigkeit werden Unternehmen zu amöbenartigen Gebilden, die sich in ständiger Veränderung befinden", so Horx. Die künftige Flexibilität zeige sich bereits am zweistelligen Wachstum des Marktes für Interimsmanager.

Sich selbst in Frage stellen

Helfen sollen neue Aufgabenfelder wie die des Chief Destruction Officers, der für mehr Effizienz sorgt, indem er "Schein-Jobs, selbstreferenzielle Prozesse und überkommende Strukturen" regelmäßig in Frage stellt. Andere Arbeitstitel, die heute noch abwegig klingen mögen, könnten die des Story Integrators, Empathie-Coaches oder Konfliktmanagers sein.

In einem Umfeld, in dem Führungskräfte verstärkt Entscheidungen unter Unsicherheit treffen müssen, würden Kompetenzen wie Kreativität und Selbststeuerung ebenso wichtiger, wie die Fähigkeit Unschärfe und Widersprüche aushalten sowie das eigene Handeln kritisch hinterfragen zu können. Trotz steigender Komplexität und ständiger Bewegung sollen Manager zudem in der Lage sein, für eine klare und konsistente Ausrichtung des Unternehmens nach innen und außen zu sorgen.

"Wir müssen weg vom Bild des heroischen Vorstandschefs, hin zum Bild eines Hirten, der seine Macht großzügig teilt und das Potenzial seiner Mitarbeiter entdeckt und fördert", heißt es weiter. "Die Fähigkeit Leidenschaft zu erzeugen, wird in Zukunft gute von schlechten Chefs unterscheiden."

Musterbeispiel Google und Whole Foods

Dagegen seien Unternehmen, die auf starre Hierarchien setzen und konsequent Vorgaben befolgen, ebenso gefährdet Markttrends zu verschlafen, wie solche, die von Erfolg zu Erfolg eilen. Es sei notwendig, von Zeit zu Zeit für ein gewisses Maß an Irritation zu sorgen. Mittels Job-Rotationen neue Herausforderungen für die Mitarbeiter zu schaffen sowie diesen permanent Weiterbildungsangebote etwa in Form der Vernetzung oder des Austauschs mit anderen Unternehmen zu bieten, entspreche "gehirngerechter Führung".

Als Musterbeispiele gelten den Forschern Unternehmen wie Google, die den Angestellten 20 Prozent der Arbeitszeit für eigene Projekte zur Verfügung stellen und statt Anwesenheitspflicht auf Ergebnisverantwortung setzen würden. Ebenfalls mit Lob bedacht wird der Bio-Supermarktbetreiber Whole Foods, der Teams die Einstellung neuer Mitarbeiter überlasse und Boni an den Erfolg der Gruppenleistung knüpfe.

Für Horx sind dies erste erfolgsversprechende Ansätze, bei denen es nicht bleiben wird: "In etwa 60 Prozent der Unternehmen hat der Wandel bereits eingesetzt", schätzt der Zukunftsforscher. (mm)

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