Demographie Nur wenige Unternehmen sind gerüstet

von Redaktion LZ
Freitag, 29. August 2008
LZ|NET. Deutsche Unternehmen sind nur unzureichend auf den demografischen Wandel vorbereitet. Viele schieben das Problem auf die lange Bank. Das belegt eine Studie von PricewaterhouseCoopers.

Die größte Hürde für das Demografiemanagement sieht PwC im fehlenden Bewusstsein des Top-Managements. Zwar sind laut Untersuchung drei Viertel der Führungskräfte für das Thema Alterswandel sensibilisiert, doch diese sitzen offensichtlich primär auf unteren Führungsebenen.

Bei den Spitzenentscheidern ist das Thema "noch nicht ausreichend angekommen", weiß Holger Leckebusch, Direktor des Servicebereichs People and Change der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft.

Das lasse sich unter anderem an den Personalbudgets ablesen. Nicht einmal jedes vierte Unternehmen hält sich laut Studie für gut gerüstet. Zwar geben rund 96 Prozent an, dass sie die Beschäftigung mit dem Thema für "wichtig" halten. Fast 40 Prozent stufen es sogar als "sehr wichtig" ein. Doch gerade mal 34 Prozent der Befragten sagen, ihr Unternehmen sei "gut" oder "sehr gut" auf die demografischen Veränderungen vorbereitet.

64 Prozent der Unternehmen geben an, gezielt den Wissensaustausch zwischen älteren und jüngeren Mitarbeitern zu fördern. Als Hauptinstrumente nennen sie systematische Einarbeitungszeiten sowie altersgemischte Arbeitsgruppen und Mentoring-Programme. Geeignete Programme für Ältere fehlen #/ZT#Nur 23 Prozent der Unternehmen bieten explizit Qualifizierungs- und Weiterbildungsmaßnahmen für Mitarbeiter über 50 an. Und gerade einmal 17 Prozent verfügen ausdrücklich über ein Karrieremodell für Mitarbeiter über 50 Jahre. Die Mehrheit dagegen hat keine oder nur auf bestimmte Altersgruppen beschränkte Karrieremodelle.

Auch bei der altersgerechten Arbeitsplatzgestaltung als ein Faktor, um Mitarbeiter zu binden und ihre Leistungsfähigkeit zu erhalten, liegt laut PwC noch einiges im Argen: 42 Prozent der untersuchten Firmen organisieren die Arbeitsplätze eigenen Angaben zufolge nicht nach alters- und bedarfsgerechten Gesichtspunkten.

Die übrigen nennen Ergonomie und Arbeitsplatzgestaltung als die häufigsten Maßnahmen altersgerechter Arbeitsorganisation. Immerhin 81 Prozent der Befragten geben an, die Gesunderhaltung der Belegschaft gezielt zu fördern. Gesundheitschecks und präventive Maßnahmen wie beispielsweise Rückenschulung und Ernährungsberatung sind dabei die am häufigsten genannten Maßnahmen. Henkel gilt als gutes Beispiel #/ZT#Ein gutes Zeugnis stellen die Studienmacher dem Konsumgüterriesen Henkel aus. Dem Düsseldorfer Konzern bescheinigt PwC ein "ausgeprägtes Demografiemanagement".

Früher als andere habe der Markenartikelkonzern den durch den demografischen Wandel entstehenden Handlungsbedarf erkannt und ihm bis hoch ins Top-Management einen hohen Stellenwert eingeräumt.

Um die Arbeitsfähigkeit der Mitarbeiter möglichst lange zu erhalten, setze der Konzern, der auch Gründungsmitglied der Initiative "Demografienetzwerk" ist, auf ergonomische Gestaltung der Arbeitsplätze in Zusammenarbeit mit dem Werksarzt, auf regelmäßige Arbeitsplatzbegehungen sowie auf den Dialog mit betroffenen Mitarbeitern.

Gleichzeitig stelle sich Henkel auf den zu erwartenden Mangel an Nachwuchskräften ein. Ein ausgeprägtes Wissensmanagement mit altersgemischten Teams, Wissensdatenbanken und "round tables" älterer und jüngerer Führungskräfte sorge dafür, dass Wissen aktiv transportiert wird.

Außerdem kooperiere Henkel intensiv mit Schulen der Region - auch in der Lehrerausbildung - um sicherzustellen, dass potenzielle Auszubildende die bei Henkel benötigten Fähigkeiten vermittelt bekommen. Initiativen an Universitäten ermöglichen einen frühen Kontakt zu künftigen Ingenieuren und Führungskräften.

Für die Studie hat PwC 53 Unternehmen aus verschiedenen Branchen über ihre Maßnahmen zur Zukunftssicherung befragt hat.

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