Handel Handel setzt auf duale Studiengänge

von Silke Biester
Freitag, 18. März 2011
Abwechslung: Was dual Studierende an der Hochschule theoretisch lernen, können sie beim praktischen Einsatz im Unternehmen direkt anwenden.
Penny
Abwechslung: Was dual Studierende an der Hochschule theoretisch lernen, können sie beim praktischen Einsatz im Unternehmen direkt anwenden.
Die Kombination von Theorie und Praxis steht beim Handel hoch im Kurs. Unternehmen rekrutieren Führungsnachwuchs bei Abiturienten.
"Das duale Studium als dynamischer Karrierestart", so wirbt Aldi Süd mit schmucken Foldern in seinen Filialen um interessierte Abiturienten. Lidl präsentiert ein entsprechendes Angebot auf der letzten Seite der millionenfach verteilten Handzettel. Und Media-Saturn ruft gleich zum Kreativwettbewerb auf, um die besten Gymnasiasten für diese beim Handel gern gesehene Qualifikation zu motivieren.

Die Branche liegt voll im Trend: Nach Angaben des Bundesinstituts für Berufsbildung nutzten 2010 insgesamt 2274 Unternehmen diese Form der Rekrutierung. Das sind neun Prozent mehr als im Vorjahr. Die Zahl der dualen Studiengänge stieg um 13 Prozent auf 776 und die der Studenten um sechs Prozent auf fast 51000.

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"Wir machen schon seit langem sehr gute Erfahrungen mit dem dualen Studium", sagt Uwe Wamser, der für den Bereich Mitarbeiter bei Globus verantwortlich ist. Das SB-Warenhausunternehmen hat das Angebot dieser Studienplätze deutlich aufgestockt. Es kooperiert mit Berufsakademien und dualen Hochschulen. Studierende der "Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Handel" erlangen innerhalb von drei Jahren den Abschluss "Bachelor of Arts".

Die Zielsetzung ist bei anderen Handelsunternehmen ähnlich. Einige bieten auch einen "Bachelor of Science" an, mit Schwerpunkt Wirtschaftsinformatik. Media-Saturn ergänzt die englischsprachige Ausbildung "International Retail Management". Die Vielfalt wächst kontinuierlich, was die Orientierung für interessierte Abiturienten schwieriger macht. Denn es gibt unterschiedlichste Angebote von Hochschulen, Fachhochschulen und Berufsakademien. Bewerben müssen sie sich allerdings bei den kooperierenden Unternehmen. Die Vorteile liegen dennoch auf der Hand: In der Regel bekommen sie bereits während des Studiums ein Gehalt. Und die Übernahmequote liegt annähernd bei 100 Prozent, was verdeutlicht, dass der Handel mit den Absolventen äußerst zufrieden ist.

"Die Attraktivität dualer Studiengänge liegt darin, dass sich Theorie und Praxis ergänzen", beschreibt Dirk Marek, Senior Director Staffing & Sourcing der Metro AG, warum der Konzern Abiturienten zu diesem Bildungsweg rät. Erlerntes wird unmittelbar umgesetzt. So werden die Studierenden zielgerichtet auf Fach- und Führungspositionen mit hoher Handlungskompetenz vorbereitet.

Der Handel urteilt durchweg positiv über die zweigleisige Ausbildung. Penny lobt die "hohe operative Kompetenz". Viele Unternehmen wollen so den Führungsnachwuchs aus den eigenen Reihen aufbauen. Die Gründe gehen über die schnelle praktische Umsetzung des erworbenen Wissens weit hinaus: Genannt wird etwa der frühe Kontakt, der eine enge Bindung ermögliche. Einerseits lernen die Studenten die spezifischen Abläufe im Unternehmen kennen, was die Einarbeitungszeit im späteren Job auf ein Minimum reduziert. Und andererseits erkennt das Unternehmen die unterschiedlichen Fähigkeiten und Interessengebiete der jungen Menschen. Diese können im Anschluss gezielter auf die passende Position gesetzt werden.

Zwar halten sich viele Personalverantwortliche zurück, wenn es darum geht, offene Kritik an den Bachelor- oder Masterabschlüssen zu äußern, und betonen, sie hätten auch hier gute Mitarbeiter gefunden. Als Einstellungsvoraussetzung wird in der Regel aber deutlich mehr Praxis verlangt, als ein Hochschulstudium mit sich bringt. "Berufserfahrung im Handel ist von großem Vorteil", macht die Beschreibung für die Traineeprogramme bei Globus deutlich. "Bei der Auswahl der Bewerbungen wird zusätzlich auf die Art der beruflichen Aktivitäten neben dem Studium geachtet."

Klare Worte findet der Geschäftsführungsvorsitzende von dm-Drogeriemarkt, Erich Harsch: "Wir können wenig mit Menschen anfangen, die mit Theorie vollgestopft wurden, aber nie gelernt haben, praktische Probleme zu lösen." Deshalb werden Hochschulabsolventen im Handel in der Regel als Trainee eingestellt, während für dual ausgebildete Studenten der Direkteinstieg vorgesehen ist.

Für die langfristige Karriere werden kaum Unterschiede gemacht: "Der akademische Bildungsweg ist nicht ausschlaggebend für die berufliche Laufbahn", heißt es bei Netto Marken-Discount. Der Grundsatz gilt auch bei Edeka Südwest: "Wir bieten Absolventen mit dualem Abschluss, Bachelor oder Master die gleichen Aufstiegsmöglichkeiten." (sb)

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