Globus Globus startet Ausbildungs-Offensive

von Redaktion LZ
Freitag, 08. Juni 2012
Begehrt: Engagierte Azubis wie Lisa Ulrich sind immer schwerer zu finden. Die Antwort auf den drohenden Fachkräftemangel im Handel können neue Wege beim Recruiting sein.
Globus
Begehrt: Engagierte Azubis wie Lisa Ulrich sind immer schwerer zu finden. Die Antwort auf den drohenden Fachkräftemangel im Handel können neue Wege beim Recruiting sein.
LZnet. Globus probiert einen neuen Weg aus, um der dramatischen Situation am Ausbildungsmarkt zu begegnen, und setzt dabei auf "Hauptschul-Power".
Globus-Personalleiterin Sabine Ment ist voller Tatendrang: Nachdem sie das Projekt "Hauptschul-Power" vor einigen Wochen bei einer Präsentation im Deutschen Fachverlag näher kennengelernt hat, in dem auch die Lebensmittel Zeitung erscheint, hat sie sogleich die künftige Zusammenarbeit in die Wege geleitet.

"Wir stoßen bei der Besetzung der Ausbildungsplätze an unsere Grenzen", bestätigt Ment einen Trend, der auch anderen Händlern zu schaffen macht. "Aber ich sehe riesige Chancen durch diese Initiative."

Für Globus ist es von Vorteil, auf diesem Wege neue Azubis zu finden. Zugleich profitieren davon junge Menschen, die bisweilen als "nicht ausbildungsfähig" gelten. Die Hälfte der Hauptschüler hat auch ein Jahr nach dem Abschluss noch keinen Ausbildungsplatz – obwohl die Unternehmen händeringend nach Azubis suchen. "Hauptschul-Power" will diese Reserve aktivieren und "Lust auf Zukunft" machen, so der Gründer und Vorsitzende der Defacto Stiftung, Erich Schuster.

Motivation und Eigeninitiative stärken

Ausgewählte Schüler werden rund zwei Jahre lang begleitet und nehmen an regelmäßigen Veranstaltungsblöcken vom Theaterworkshop bis zum Hochseilklettern teil. Darüber hinaus lernen sie Berufe durch Unternehmensbesuche und Praktika kennen.

Das Programm stärkt vor allem Softskills wie Motivation, Eigeninitiative, Leistungsbereitschaft, Kommunikationsfähigkeit und Selbstvertrauen. Obwohl schulische Inhalte nicht auf dem Plan stehen, verbessern sich die Zeugnisnoten der Teilnehmer deutlich, so die Erfahrung. Nach dem Coaching bringt eine eigene Ausbildunsplatzbörse die Absolventen erneut mit den Partnerunternehmen zusammen.

Vor fünf Jahren ist Schuster mit seiner Idee im Großraum Nürnberg/Erlangen gestartet. Die Nähe zu dieser Region ist für Globus ausschlaggebend dafür, ein Pilotprojekt für die Kooperation im benachbarten Forchheim aufzusetzen. In Zusammenarbeit mit der dortigen Wirtschaftsförderung will das dortige SB-Warenhaus in Kürze weitere Unternehmen zu einer Auftaktveranstaltung einladen und von "Hauptschul-Power" begeistern.

Bundesweite Expansion mit Franchise-Konzept

Für das Projekt ist dies der erste Schritt auf dem Weg in die bundesweite Expansion. Globus-Personalleiterin Ment ist sehr daran interessiert, die Initiative auch ins Saarland zu holen, wo der Personalbedarf am größten ist. Welche Rolle das Familienunternehmen dabei übernimmt, sei aber noch offen.

Schuster hat für die regionale Verbreitung bereits ein Franchise-Konzept entwickelt und ist auf der Suche nach Unternehmerpersönlichkeiten, die sich um die praktische Umsetzung vor Ort kümmern.

Finanziert wird das Projekt durch die kooperierenden Unternehmen, die für jeden neuen Azubi etwa 3500 bis 4000 Euro investieren müssen. Das ist eine neue Entwicklung, doch angesichts des demografischen Wandels sei "es die Sache Wert", ist Ment überzeugt und verweist zugleich auf die gesellschaftliche Verantwortung der Wirtschaft.

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