Employer Branding Vereinte Jagd auf Talente

von Redaktion LZ
Freitag, 12. Oktober 2012
Ran an die Zielgruppe: Das gilt auch für die Lebensmittelbranche. Auf dem LZ-Karrieretag 2012 nutzten namhafte Arbeitgeber aus Handel und Industrie die Chance zur persönlichen Kontaktaufnahme mit interessierten Studenten.
Thomas Fedra
Ran an die Zielgruppe: Das gilt auch für die Lebensmittelbranche. Auf dem LZ-Karrieretag 2012 nutzten namhafte Arbeitgeber aus Handel und Industrie die Chance zur persönlichen Kontaktaufnahme mit interessierten Studenten.
LZnet. Gemeinsam um die Besten werben, statt sich Konkurrenz zu machen: Mit diesem Ansatz starteten Henkel, Bertelsmann, Allianz und McKinsey das "Gap Year 2012". Auf dem Employer Branding Summit in Wiesbaden wurden Ergebnisse der Kooperation vorgestellt.
"Warum nicht zusammenarbeiten, statt uns im War for Talents Konkurrenz zu machen?" Diese Idee gab den Ausschlag zum Gap Year 2012. "Wir sind über unseren Schatten gesprungen, obwohl wir alle um dieselben Leute werben", formuliert es Dr. Nico Rose, Leiter Employer Branding bei Bertelsmann.

An dem ungewöhnlichen Konzept beteiligen sich neben dem Gütersloher Medienhaus der Konsumgüterriese Henkel, der Versicherungskonzern Allianz und die Unternehmensberatung McKinsey. Es soll Top-Bachelors ansprechen, die den Master machen, zuvor aber erst Praxiserfahrung sammeln wollen. Das verlockende Angebot: mit einer Bewerbung drei Praktika erreichen.

Überraschend lebhafte Resonanz

Die Resonanz habe alle überrascht, berichtet Rose. Insgesamt gingen 800 Bewerbungen in der sechs Wochen dauernden Ausschreibungsfrist ein. Inzwischen durchlaufen sechs junge Leute das Programm, einer davon ist gerade für Henkel in Shanghai.

Ursprünglich waren doppelt so viele geplant, aber da alle vier teilnehmenden Unternehmen bei jedem Kandidaten "grünes Licht" geben müssen, fiel die Auswahl schwer. Um das Procedere zu vereinfachen, soll es im nächsten Durchgang genügen, wenn zwei der vier den Daumen heben.

Die Bewerbungshotline für das Gap Year 2013 sei soeben geschaltet worden. Die Kosten pro Unternehmen liegen laut Rose im niedrigen fünfstelligen Bereich. "Es war ein riskantes Experiment, aber wir sind reich belohnt worden", fasst der Employer-Branding-Fachmann seine Erfahrungen zusammen.

Unternehmen bewerben sich bei Kandidaten

Um Kooperation bei der Ansprache der Zielgruppe geht es auch bei "Careerloft", einer im März dieses Jahres gestarteten Initiative, die Studenten und Absolventen mit namhaften Unternehmen zusammenbringen will.

Dabei wird der klassische Suchprozess umgedreht: Nicht die Youngsters suchen sich Job oder Praktikum, sondern die Arbeitgeber bewerben sich bei passenden Kandidaten aus dem mittlerweile 5.111 Teilnehmer zählenden Karrierenetzwerk, berichtet Gero Hesse. Er ist Geschäftsleitungsmitglied der Medienfabrik Gütersloh, die hinter dem Konzept steht. Zu den Partnerunternehmen gehören Vertreter aller Branchen, auch die Metro Group macht mit.

Telekom rekrutiert kreativ

Als besonders kreativ zeigt sich die Telekom bei der Ansprache potenzieller Mitarbeiter. Um Fachleute von der Konkurrenz, etwa IBM oder SAP, abzuwerben, werden schon mal Gehwege vor fremden Firmensitzen besprüht: "Sie hier? Sie sollten doch bei uns sein."

Oder man stellt in der Nähe des Unternehmenstors einen Eiswagen auf mit der magentafarbenen Aufschrift "Hier ist ihr Traumjob" – Leckereien für die Interessenten inklusive. Dass nicht jeder humorvoll auf derartige Guerillamethoden reagiert, nimmt Telekom-Recruitingfachmann Marc-Stefan Brodbeck dabei in Kauf. Sein Credo: Ran an die Zielgruppe – und raus aus der Routine.

Ein Wahlspruch, der auch vielen Bewerbungsprozessen gut tun würde, ist Prof. Tim Weitzel von der Uni Bamberg überzeugt. Nach seinen Erhebungen haben sechs von zehn Kandidaten ein Jobangebot schon mal abgelehnt, weil das Unternehmen im Einstellungsgespräch bei ihnen einen schlechten Eindruck machte. Employer Branding dürfe nicht bei der Imagekampagne aufhören.

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