Integration Alle Talentreserven mobilisieren

von Judit Hillemeyer
Freitag, 25. April 2008
Interkulturelle Integration - ein Thema, das Deutschland politisch bewegt. Zur gelungenen Eingliederung von Zuwanderern tragen Handel und Hersteller als Arbeitgeber bei - zum eigenen Nutzen. Mit zahlreichen Projekten fördern sie die Assimilierung von Menschen mit Migrationshintergrund.



Um die deutsche Wettbewerbsfähigkeit zu stärken, müssen langfristig Talentreserven - auch von Menschen mit Migrationshintergrund - mobilisiert werden. Darin sind sich die von der LZ befragten Personalverantwortlichen von Metro über Rewe bis Beiersdorf einig wie selten. Voraussetzung für die berufliche Integration ausländischer Jugendlicher in Deutschland - vom angehenden Jungmanager mit Hochschulabschluss bis zum Mitarbeiter auf der Fläche oder in der Produktion - sind zweifelsfrei qualifizierte Bildungsabschlüsse.

Hierum ist es nicht zum Besten bestellt: Durchliefen 1993 nach Erhebungen des Statistischen Bundesamtes fast 33 Prozent der Migranten eine duale Berufsausbildung, sank diese Zahl 2006 auf 23 Prozent. Erfasst wurden dabei Menschen mit fremder Staatsbürgerschaft, nicht Deutsche mit Migrationshintergrund.

Bereitschaft zur Ausbildung

22 Prozent der Jugendlichen ohne formalen Abschluss sind Migrantenkinder, warnte 2007 die Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg. Die Erklärungen hierfür sind vielfältig und ihre Lösung eine Aufgabe von Politik, Schule und Familien, betonen die befragten Unternehmen unisono. "An der Bereitschaft zur Ausbildung müssen alle Beteiligten mitwirken - auch die Einwanderer", unterstreicht Michaela Dälken, Leiterin des Kompetenzzentrums Gleichbehandlung beim DGB Bildungswerk in Düsseldorf.

Hauptursache für gescheiterte Integrationsbemühungen sei der enge Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungschancen. Vor diesem Hintergrund engagiert sich der deutsche Einzelhandel stark in der Ausbildung von Ausländern. Diese hatten 2006 unter den insgesamt 74 960 angehenden Kaufleuten einen Anteil von 7,4 Prozent. Diese Berufsgruppe ist, gemessen an alle Lehrberufen, die zweitstärkste hinter den Friseuren. An vierter Stelle stehen die Verkäufer. "Die berufliche Integration funktioniert reibungslos", betont Wilfried Malcher, bildungspolitischer Experte des HDE.

Das bestätigt auch die Metro. Der Handelsriese beschäftigt in Deutschland Menschen aus 138 verschiedenen Nationen. Der Ausländeranteil liegt bei 8 Prozent. Aufgrund ihres Migrationshintergrunds sind viele Mitarbeiter bilingual und bikulturell gebildet.

Kurse für die Neuen

Diese Kompetenz nutzt der Konzern. Unter dem Motto "Vorsprung durch Vielfalt" wurde ein aktives Diversity Management ins Leben gerufen, erläutert Rouben Halajian, Abteilungsleiter Internationale Personalpolitik bei Metro. "Newin" - ein Kunstwort aus Newcomer und Insider - nennen die Düsseldorfer ihr Integrationsprogramm für Ausländer, über das die Unternehmenskultur inklusive der internen Hierarchieebenen Fremden näher gebracht wird.

Auch anderen Orts kann man auf einen erfolgreichen Beitrag zur Intergration von Zuwanderern verweisen. Beispiel Beiersdorf. Dort arbeiten allein am Hauptsitz Hamburg 60 verschiedene Nationen zusammen. Für den Körperpflegekonzern gehört das zum Selbstverständnis. "Wir rekrutieren Mitarbeiter national und international", sagt ein Unternehmenssprecher. Zur Integration dienen Deutschkurse, Workshops und der Betriebssport. Wenn das Unternehmen beispielsweise Sportereignisse finanziell sponsert, stünden zwar Image und Markenbekanntheit im Vordergrund. Positiver Nebeneffekt sei jedoch das Zusammenspiel verschiedener Nationen.

Doch der gute Wille allein nützt wenig, wenn die Qualifikation nicht stimmt: "Bildung ist ein Schlüsselfaktor für Beschäftigungsfähigkeit", weiß Metro-Personaler Halajian und stößt damit auf ein breites Echo in der Ernährungs- und Konsumgüterbranche. "Die Zeugnisnoten in Deutsch und Mathe sind entscheidend bei Schulabgängern und nicht deren ethnische Zugehörigkeit", betont Heike Ambaum von Henkel.

"Wenn wir Potenzial bei Jugendlichen sehen, bieten wir im Rahmen der Einstiegsqualifizierung Jugendlicher (EQJ) halbjährliche Praktikantenplätze zur Berufsvorbereitung an." Das gilt für Deutsche und Ausländer gleichermaßen. An dem Sonderprogramm als Teil des Ausbildungspaktes beteiligt sich auch Metro.

Ihre Integrationsaktivitäten bündeln aber nicht alle Unternehmen primär innerbetrieblich. Der Schuhfilialist Deichmann beispielsweise verleiht einen Förderpreis, der sich an Mittelständler richtet, die benachteiligten Jugendlichen auch mit Migrationshintergrund berufliche Perspektiven bieten. Dafür stellte der Händler 100 000 Euro zur Verfügung.

Für ein höheres Maß an Chancengleichheit setzt sich auch die Hertie-Stiftung mit ihrer Initiative "Start-Stipendium" ein, an der sich insgesamt 90 Kooperationspartner beteiligen. Finanziell unterstützt werden derzeit rund 500 begabte ausländische Stipendiaten im Alter zwischen 14 und 18 Jahren. Sie nehmen unter anderem am Bildungsprogramm der Stiftung teil. (juh)

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