Social Media Web 2.0 erreicht Personaler

von Silke Biester
Freitag, 04. März 2011
Ran an die junge Zielgruppe: Rewe präsentiert sich mit einer Karriereseite bei Facebook als potenzieller Arbeitgeber.
LZ-Screenshot
Ran an die junge Zielgruppe: Rewe präsentiert sich mit einer Karriereseite bei Facebook als potenzieller Arbeitgeber.
Karriereseiten bei Facebook, Gruppen bei Xing oder einfach Stellenanzeigen – Social Recruiting erreicht den Arbeitsalltag der Personalverantwortlichen.
"Mach dein Talent zum Beruf", so die Aussage des Videos, das Rewe kürzlich bei Facebook gepostet hat. In dem Spot rockt eine junge Frau nicht nur auf der Bühne, sondern zeigt auch bei der Arbeit Rhythmus und Leidenschaft: Sie macht eine Ausbildung bei dem Händler. Der Film kommt an: "Was für ein geiler Spot! Hätte ich Rewe nicht zugetraut, so hip zu sein", freut sich Klara Bimba, die bei Facebook auf den Film gestoßen ist.

Für Rewe ist Facebook seit einigen Monaten ein zusätzlicher Kanal, um künftige Mitarbeiter anzusprechen, vor allem Schüler, Studienabsolventen und Young Professionals. Neben der allgemeinen Facebook-Seite hat das Unternehmen eine spezielle Karriere-Page eingerichtet. Über die konkreten Erfahrungen will man in Köln "zum jetzigen Zeitpunkt" aber noch nicht sprechen. Nur soviel: "Wir beobachten die Entwicklung von Social Media intensiv", so ein Sprecher.


Das Thema ist nicht nur in den Marketing-, sondern auch in den Personalabteilungen angekommen. "Es gibt niemanden mehr, der sich nicht damit beschäftigt", bekräftigt Stefan Schmidt-Grell, Director Product Marketing der Xing AG. Der aktuelle Stand und die Herangehensweise der Unternehmen auf Xing, Facebook, Twitter, LinkedIn und anderen ist jedoch höchst unterschiedlich.

Auf dem Weg vom Experiment zur Strategie ist die Metro Group: Für die Absolventenbörse "Meeting Metro" kam erstmals Facebook intensiv für die Kommunikation zum Einsatz. Bei Xing unterhält der Konzern eine professionelle Unternehmensgruppe als Treffpunkt für ehemalige, aktuelle und künftige Mitarbeiter. Und auch bei der Bewertungsplattform Kununu stützt Metro für etliche Unternehmensbereiche das Image über einen professionellen Auftritt.

Zentrales Thema für Employer Branding

Hinzu kommen Aktivitäten bei Twitter, Youtube und Flickr. "Employer Branding ist für uns ein zentrales Thema für Social Media", erklärt Frank Groth, Referent Employer Branding der Metro AG. Aktuell feilt der Handelskonzern an einer neuen Strategie, die ab Sommer 2011 zum Einsatz kommt. Soziale Netzwerke werden einen klar definierten Platz mit fest eingeplanten Ressourcen im Employer Branding bekommen.

Ähnliche Ansätze verfolgen auch führende Markenartikler. "Unser Personalmarketing hat bei den Social-Media-Aktivitäten das Ziel, die Arbeitgebermarke Dr. Oetker weiter zu stärken", erklären die Bielefelder. Im Vordergrund steht die Ansprache von Berufseinsteigern bei Facebook, ergänzt durch Einzelaktionen über Xing oder Twitter. "Einige Bewerber beziehen sich in den Unterlagen darauf und sehen es positiv", haben die Personalentwickler bei Dr. Oetker gute Erfahrungen gemacht.

Nach einem Jahr Facebook-Präsenz zieht auch Procter & Gamble ein "sehr positives Fazit": Die Kontaktaufnahme werde dort als persönlicher empfunden, heißt es. "Die Bedeutung von Social Media wird im Personalmarketing weiter wachsen", ist Sarina Theel, P&G Recruiting, überzeugt.

Stellenmarkt der Zukunft

Thomas Riegel, Director Talent Recruitment bei L’Oréal Deutschland, investiert wöchentlich zehn Stunden in Social Media bei der Mitarbeitersuche. "Das unterstützt uns im Personalmarketing dabei, mit Kandidaten in Kontakt zu kommen und unser Networking zu intensivieren", sagt er. L’Oréal verfolgt langfristige Ziele: Es wird auch mit Personen ein lockerer Kontakt gepflegt, die aktuell keinen Job suchen. Doch sollte sich die Situation ändern, ist das Unternehmen als potenzieller Arbeitgeber hinterlegt.

Eine aktuelle Umfrage des Bundesverbands Informationswirtschaft (Bitkom) bestätigt, dass sich soziale Netzwerke bei der Personalsuche neben Internet-Jobbörsen und der eigenen Homepage etablieren. "Das Web 2.0 ist der Stellenmarkt der Zukunft", resümiert Bitkom-Präsident Prof. Dr. August-Wilhelm Scheer. "Die Unternehmen müssen dort präsent sein, wo sich die Menschen beruflich und privat vernetzen."
(sb)

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