HDE HDE will Stärken der Branche betonen

von Redaktion LZ
Freitag, 10. September 2010
LZnet. Der Einzelhandel müsse sein Image verbessern, mahnt der Handelsverband HDE. Die jüngste Entscheidung des Discounters Kik, einen Mindestlohn einzuführen, und Schleckers Beitritt zur Tarifgemeinschaft begrüßt der Verband als weitere Schritte in die richtige Richtung.
Immer wieder steht die Branche wegen Arbeitsbedingungen, Entlohnung und Datenschutz in der Kritik der Öffentlichkeit. Der so entstandene Druck habe gerade in jüngster Zeit viele Veränderungen zum Positiven bewirkt, meint HDE-Präsident Josef Sanktjohanser im Gespräch mit der Lebensmittel Zeitung.

Aus Sicht der HDE-Führung haben diese Entwicklungen auch dazu geführt, dass die Handelsunternehmen wieder verstärkt an Tarifverträgen interessiert sind. Die Tarifbindung in der Branche sei auf einem erfreulich hohen Niveau, so Sanktjohanser.

Positivbeispiele machen Schule

Allerdings stehe die Renovierung des alten Tarifsystems noch an. "Das ist noch ein langer Weg", so der Verbandschef. In jüngster Zeit gebe es aber immer mehr Positivbeispiele, die Schule machten.

So hat Kik kürzlich auf kritische Medienberichte zu Arbeitsbedingungen reagiert und will jedem Mitarbeiter künftig einen Mindestlohn von 7,50 Euro zahlen. Auch Schlecker kündigt einen Richtungsänderung im Umgang mit seinen Mitarbeitern an. Am 1. Juli vereinbarte der Drogeriefilialist einen Tarifvertrag mit der Gewerkschaft Verdi.

Imageverluste tragen zum Umdenken bei

Schlecker räumte ein, Fehler gemacht zu haben. Die "enormen Imageverluste", unter deren Folgen man heute leide, hätten zum Umdenken beigetragen, heißt es in der Ehinger Zentrale. Schlecker befinde sich in einer Phase der Neuorientierung.

Kritik übt der HDE an Verdi. Mit pauschalen Verurteilungen der ganzen eigenen Branche, wenn es in Wahrheit um Einzelfälle geht, schade die Gewerkschaft nicht zuletzt auch allen Mitarbeitern. Diese Haltung sei nicht nur unangemessen und unverständlich, sondern beispiellos. Gewerkschaften in anderen Branchen pflegten jedenfalls einen anderen Stil, meint HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth.

Leiharbeit spielt im Handel kaum eine Rolle

Auch beim Thema Leiharbeit sieht sich die Branche zu Unrecht in ein schlechtes Licht gerückt. Nur 4 Prozent der Leiharbeiter seien im Einzelhandel beschäftigt, stellt Sanktjohanser klar, 43 Prozent arbeiteten in der Industrie. Das zeige, dass viele Angriffe verschiedener Politiker Richtung Handel sachlich nicht gerechtfertigt seien.

"Leider dient der Handel hier allzu oft als Projektionsfläche für negative Schlagzeilen", meint Sanktjohanser. Insgesamt müsse die Branche ihre gemeinsamen Interessen noch stärker herausstellen, kündigt Genth an. Der Verband will künftig öfter der Taktgeber sein, um Themen richtig zu setzen."

Gegenüber der Politik wolle man vor allem die ökonomische Leistung des Einzelhandels für den Binnenmarkt in den Fokus rücken. Auch den sozialpolitischen Verdiensten werde zu wenig Beachtung geschenkt: Viele gering qualifizierte Beschäftigte fänden im Handel ein Auskommen und müssten nicht von Sozialtransfers leben. Diese Themen werde der Verband künftig stärker zu Gehör bringen.

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