Globus "Wir wollen das unternehmerischste Unternehmen sein"

von Mathias Himberg
Donnerstag, 22. März 2012
YBF bei Globus
U. Bellhäuser
YBF bei Globus
Ihren Erfolg begründen die Globus-Macher mit der Eigenverantwortung von Marktleitern und Mitarbeitern. Das haben sie bei der Young Business Factory betont.


Während das SB-Warenhaus als Betriebsform kränkelt und schrumpft, ist Globus kerngesund und wächst. Der Familienbetrieb hat im vergangenen Jahr 4,4 Mrd. Euro umgesetzt (2,7 Prozent mehr als im Vorjahr) und ist damit neuntgrößter Lebensmittelhändler.

Das Geheimnis ihres Erfolges haben die Saarländer vergangene Woche rund 100 Mitarbeitern aus Handel und Industrie erklärt. Die Betreiber hatten zusammen mit der Lebensmittel Zeitung zur Young Business Factory eingeladen.

"Wir wollen das unternehmerischste Unternehmen unserer Branche sein", sagt Thomas Bruch, der den Familienbetrieb in fünfter Generation als geschäftsführender Gesellschafter leitet. Die Marktleiter hätten große Freiheit in der Gestaltung von Sortimenten, Aufbau und Abläufen, und Mitarbeiter könnten ihre Bereiche mitgestalten.

"Ich bin froh, wenn ich in einem Betrieb Dinge sehe, die ich noch nicht kenne", bekannte Bruch. Man gehe zwar durchaus gemeinsame Schritte im ganzen Unternehmen, ergänzt Vertriebsgeschäftsführer Johannes Scupin: "Aber die Führung muss so sein, dass die Menschen in den Betrieben immer in der Verantwortung bleiben."

6900 Euro Flächenproduktivität

Norbert Scheller, Geschäftsleiter des SB-Warenhauses in Saarbrücken-Güdingen bestätigt: "Ich kann viel selbst gestalten, mich einbringen und querdenken." Beim Storecheck der YBF hat er den Gästen seinen Markt vorgestellt.

104 Mio. Euro Jahresumsatz auf rund 15000 Quadratmetern: Allein die Flächenproduktivität von rund 6900 Euro beeindruckte die Besucher. Doch auch die Frischebereiche mit eigener Herstellung und persönlicher Ansprache hatten es ihnen angetan. "Wir sind beratungsintensiv, um dem Kunden das große Sortiment näherzubringen", berichtet Scheller und verwies auf die gute Ausbildung seiner 480 Mitarbeiter, vom Metzgermeister bis zum Sommelier.

Auffällig und neu ist am Güdinger Markt die Beschriftung der Sortimente. Abteilungen mit Namen wie "Alles fürs Frühstück" oder "Für den Vorratsschrank" fassen Warengruppen zusammen, die bisher nicht zwingend beieinander standen: Cornflakes und Milch, Spaghetti und Konserven. "Die Warenwelten weichen zum Teil deutlich von dem ab, was wir vorher gemacht haben", erläutert Scupin.

Marktkonzept an Uni entwickelt

Dies entspricht nicht immer den Vorstellungen der Industrie. Einige Teilnehmer kritisierten offen, dass so ihre durchdachten Blockplatzierungen auseinander gerissen werden. "Wir haben eine andere Sichtweise", betont ein Manager, "die Verbraucher sind seit Jahren andere Konstellationen gewöhnt."

Der Vertriebschef erwidert, dass man die neue Aufteilung mit der Universität des Saarlandes entwickelt habe: Wissenschaftler hätten 250 Kunden intensiv befragt, wie der ideale Markt aufgeteilt sein solle. "Die Sicht des Kunden ist für uns das Maß aller Dinge", stellt Scupin klar.

Aktuell treibt Globus drei Projekte voran: die ehemaligen Massa- beziehungsweise Real-Häuser in eigene Filialen umwandeln, das Drive-Konzept testen und das Russland-Geschäft ausbauen. Georg Bruch, Sohn des Firmenchefs, berichtete vom profitablen Geschäft in Russland mit den beiden umsatzstärksten Häusern der gesamten Gruppe nahe Moskau.

Anja Weirich, Projektleiterin von Globus Drive, erklärte, dass man im zweiten Quartal einen zweiten Standort in Rheinland-Pfalz eröffnen und das Konzept bei Erfolg ausrollen wolle.

Geschäftsleiter Andreas Winckler erzählte von der Umstellung des Real-Markts in Kaiserslautern. Schon während des Umbaus konnte der Umsatz verdoppelt werden. Neben großen Umstellungen in Lager, Logistik und Ladendesign habe man die Führungsmannschaft ausgetauscht und das Personal geschult, betont auch er die Bedeutung der Eigenverantwortung: "Die größte Herausforderung war es, die Belegschaft zu Globus-Mitarbeitern zu machen." (him)

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