Metro "Wir wollen ein deutliches Zeichen setzen"

von Redaktion LZ
Mittwoch, 20. April 2011
Dr. Claudia Schlossberger, Chief Human Resources Officer, Metro Group.
Ludwig Heimrath
Dr. Claudia Schlossberger, Chief Human Resources Officer, Metro Group.
Die Metro Group investiert gezielt in die Unterstützung individueller Familiensituationen. Im Mittelpunkt steht die Kinderbetreuung und die Pflege von Angehörigen. Teilzeit sowie vorübergehende Unterbrechung der Arbeit sind möglich. Das soll Frauen den Zugang zu Führungspositionen erleichtern.
Lebensmittel Zeitung: Frau Schlossberger, die Politik macht Druck auf Dax-Konzerne in Sachen Frauenquote. Eckhard Cordes ist kein Freund davon. Was plant die Metro?

Dr. Claudia Schlossberger: Zunächst: Metro braucht keine Frauenquote, um sich als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren. Wir haben ein ganzes Bündel an Maßnahmen auf den Weg gebracht, um den Anteil von Frauen in Führungspositionen signifikant zu erhöhen und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern.

LZ: Wie hoch liegt derzeit der Frauenanteil auf der obersten Führungsebene und wie sieht Ihre Zielmarke aus?

Schlossberger: Die Diskussion um zukünftige Quotenziele lenkt ab von der Tatsache, dass wir die praktischen Rahmenbedingungen verändern müssen, um den Anteil von Frauen in Führungspositionen nachhaltig zu erhöhen. Wir arbeiten bereits seit geraumer Zeit daran – 18,6 Prozent unserer Führungspositionen werden bereits von Frauen wahrgenommen, womit wir über dem Durchschnitt der Dax-Unternehmen liegen. Und wir werden diesen Anteil noch signifikant steigern.

LZ: Mit welchen Maßnahmen wollen Sie das erreichen?

Schlossberger: Wir haben ein besonderes Augenmerk auf Frauen beim Recruitment und in der Personalentwicklung im Rahmen von Leistungsbeurteilungen und Potenzialeinschätzungen. Zudem schaffen wir Rahmenbedingungen, damit sie Beruf und Familie besser vereinbaren können: Unsere Zentrale in Düsseldorf bietet bereits zwei Kindertagesstätten mit 142 Vollzeit-Betreuungsplätzen an. 2012 werden wir eine dritte eröffnen und damit das Angebot auf über 230 bilinguale Betreuungsplätze erhöhen. So garantieren wir Alleinerziehenden einen Kindergartenplatz. Wir bieten außerdem Betreuung für Kinder in den Ferien an.


Konzernstrategie: Die Metro Group hat sich die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf auf die Fahnen geschrieben.
Metro-Group
LZ:
Ganztägige Betreuung klingt gut. Bis zu welchem Alter profitiert der Nachwuchs davon?

Schlossberger: Die Metro-Kindertagesstätten bieten ganztägige Betreuungsplätze für Kinder von 4 Monaten bis zu 6 Jahren.

LZ: Gelten Angebote zur Familienunterstützung in gleicher Weise für Männer und Frauen?

Schlossberger: Selbstverständlich – nach unserem Verständnis sollen Familienaufgaben von Müttern wie Vätern gleichermaßen wahrgenommen werden.

LZ: Welche Rolle spielen flexible Arbeitszeitmodelle?

Schlossberger: Die Metro Group treibt in allen Vertriebslinien flexible Arbeitszeitmodelle voran: In Absprache mit den Vorgesetzten bieten wir Vereinbarungen zur Teilzeit, Vertrauensarbeitszeit aber auch Home Office an.

LZ: Ist Teilzeit auch für Metro-Manager eine Option?

Schlossberger: Ja, in Einzelfällen: Zum Beispiel bei Galeria Kaufhof gibt es Frauen, die nach der Elternzeit eine Führungsposition in Teilzeit übernommen haben. Das setzt Absprachen mit dem Vorgesetzten voraus und ist in der Regel zeitlich befristet.

LZ: Das Thema Pflege wird zunehmend wichtiger. Wie wollen Sie Beschäftigte unterstützen, die Angehörige betreuen?

Schlossberger: Wir haben für die Metro AG beschlossen, ein deutliches Zeichen zu setzen: Wenn es um die Pflege von Angehörigen geht, ermöglichen wir Mitarbeitern die Freistellung von der Arbeit für bis zu zwei Jahren nach Ablauf der gesetzlichen Pflegezeit und tragen die Kosten für die Sozialversicherungsbeiträge. In Einzelfällen auch darüber hinaus.

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