Recruiting Recruiting wird zunehmend global

von Redaktion LZ
Freitag, 27. Januar 2012
Dirk Friedrich, Boyden.
privat
Dirk Friedrich, Boyden.
LZnet. Die Globalisierung der Märkte verschärft die Anforderungen an Führungskräfte. Manager müssen den Spagat zwischen Orient und Okzident beherrschen.
Internationale Erfahrungen sind für die Besetzung von Top-Positionen in der Konsumgüterwirtschaft seit einiger Zeit Pflicht, weiß der Personalberater Dr. Dirk Friedrich. Er ist Geschäftsführender Gesellschafter des Executive-Search-Spezialisten Boyden. Auch die Vorstellung, was man unter einem internationalen Background versteht, hat sich geändert.

"Früher war es ausreichend, wenn jemand einige Zeit in London war und die englische Sprache beherrscht", beschreibt Friedrich den Wandel. "Heute suchen Firmen ganz explizit nach Persönlichkeiten, die sowohl in Asien als auch in Amerika, insbesondere Südamerika gearbeitet haben."

Mehrjährige Auslandserfahrung ist gefordert

 Mehrjährige Auslandserfahrung ist gefordert. Von den künftigen Top-Managern werde erwartet, dass sie Verständnis für unterschiedlichste Kulturen mitbringen und Verhandlungen sowohl sprachlich als auch bezogen auf die Umgangsformen erfolgreich bewerkstelligen.

Kulturelle Kompetenz: Top-Manager verhandeln mit unterschiedlichen Nationalitäten
Fotoledhar/Fotolia.com
Erst vor wenigen Wochen hat Friedrich im Auftrag des vietnamesischen Food-Tycoons Tu Tao einen neuen CEO für das Ethnicfood-Unternehmen Vifon auf seinen neuen Posten befördert. Der Inhaber Tao hatte sehr genaue Vorstellungen, was der neue Mann mitbringen sollte: ein tiefes Verständnis für die internationale Handelslandschaft, intensive Kenntnis der industriellen Lebensmittelproduktion und langjährige Erfahrungen in Asien, Amerika und Europa.

Fallbeispiel aus Vietnam

Hauptsitz des Unternehmens ist Vietnam. Doch zur Aufgabe gehört es eben, mit allen namhaften Händlern weltweit Geschäfte zu machen. So stehen die Nudelsuppen von Vifon beispielsweise in den unterschiedlichsten Vertriebslinien von Metro, Edeka, Tesco, Biedronka und anderen Retailern im Regal. Und die Distribution soll global ausgebaut werden.

Die Suche hat der Personalberater vor allem in Brasilien, Asien und Europa vorangetrieben. Überzeugen konnte sein Vorschlag Gunnar Mansfeld. Der Manager, Alter Anfang 40, ist in Schweden aufgewachsen, arbeitet seit fast 20 Jahren in Hongkong, war zuvor in Amerika tätig und hatte auch schon während des Studiums internationale Erfahrung gesammelt.

Von dem Seafood-Riesen Three Towns Capital kommend, war er bereits in der internationalen Lebensmittelwirtschaft tätig. Durch seinen langjährigen Einsatz als Manager des Industrieanlagen-Unternehmens Alfa Laval kannte er darüber hinaus die Prozesse unterschiedlichster Food-Produzenten. Diese Kombination konnte Tu Tao überzeugen. Seit einigen Wochen ist Mansfeld nun als neuer Vifon-CEO aktiv.

Europäische Handelsmanager haben gute Karten

Europäische Manager, insbesondere mit Handelserfahrung, sind international gern gesehen, beobachtet Headhunter Friedrich, der durch seine frühere Tätigkeit im Nestlé-Konzern weiß, wie die Branche tickt.

Erst kürzlich habe er den Auftrag eines mittelständischen Handelsunternehmens bekommen, das ebenfalls großen Wert auf die internationale Erfahrung bei der Suche nach einem neuen Vertriebschef legt. Denn hier geht es um die Expansion in neuen Märkten.

Bestätigt wird die Einschätzung des Beraters durch die Personalstrategien verschiedener Unternehmen. "Wir möchten unser Personalmarketing stärker international ausrichten" heißt es etwa bei der Metro Group. Die Düsseldorfer schauen intensiver nach Osteuropa. Um diese Märkte zu unterstützen, wird auch das Recruiting-Event "Meeting Metro" im Frühjahr 2012 nicht mehr in Deutschland, sondern in Polen stattfinden.

Metro und Henkel rekrutieren international

Auch Markenartikelhersteller Henkel denkt bei Personalthemen global: "Wir haben eine weltweite Employer-Branding-Kampagne entwickelt", sagt Vorstandsfrau Kathrin Menges. Sie sieht es als "zentrale Aufgabe der Personalarbeit", die Mitarbeiter "als globales Team optimal aufzustellen".

Die zunehmend internationale Suche schmälert dabei keineswegs die weiteren Karrierechancen deutscher Manager. Das Ansehen insbesondere deutscher Handelslenker ist nach Friedrichs Beobachtung nicht nur über Landesgrenzen, sondern auch über die Branchengrenzen hinweg deutlich gestiegen.

Zum einen nehme die Durchlässigkeit zwischen Handel und Industrie bei der Besetzung neuer Positionen zu. Und zum anderen schauen inzwischen auch ganz andere Wirtschaftszweige auf Konsumgüterunternehmen. Von Finanzdienstleistern bis hin zu Automobilherstellern werden immer häufiger Handelsmanager in den Fokus genommen, weil man ihre Erfahrung in dem äußerst intensiven Wettbewerbsumfeld zu schätzen weiß.

Sie haben Fragen oder Anmerkungen zu diesem Artikel?
Schicken Sie eine Email an die Redaktion.

Hier können Sie die Nutzungsrechte an diesem Artikel erwerben.

Meistgelesen

stats