Aldi UK stürmt Arbeitgeber-Hitliste 

von Redaktion LZ
Freitag, 19. März 2010
Im Times-Ranking der 100 gefragtesten Jobadressen britischer Absolventen glänzt Aldi mit dem dritten Rang. Wettbewerber wie Tesco oder Sainsbury's folgen mit weitem Abstand, ebenso die Industrie.



Schon vergangenes Jahr erzielte Aldi UK mit dem achten Platz ein gutes Ergebnis, doch das diesjährige Abschneiden des Discounters überrascht selbst Insider: Inmitten renommierter Beratungsfirmen wie PwC (1), Deloitte (2) oder KPMG (4) reüssiert der Ableger von Aldi Süd mit dem dritten Rang der Times-Liste der Top-Arbeitgeber.

Wettbewerber wie Tesco (17), Marks & Spencer (28), John Lewis/Waitrose (45) oder Sainsbury's (49) folgen mit weitem Abstand. Auch namhafte Konsumgüterhersteller wie Procter & Gamble (13), L'Oréal (23), Mars (31) oder Unilever (32) können dem Billighändler nicht das Wasser reichen. Völlig abgeschlagen präsentieren sich Erzrivale Lidl auf dem 89. und Nestlé auf dem 93. Platz.

Überdurchschnittliche Bezahlung macht Aldi begehrt

Vor allem seine überdurchschnittliche Bezahlung macht Aldi als Einstiegsadresse begehrt, sind sich die Interpreten des Rankings sicher. In der höchsten Gehaltsliga - mehr als 35 000 Pfund - ist das Unternehmen bezogen auf seine Branche allein auf weiter Flur. Nur Kanzleien greifen für den Nachwuchs vergleichbar tief in die Tasche. Auf seiner Homepage aldi.co.uk wirbt der Discounter offensiv mit seinen Konditionen: 40 000 Pfund plus Firmenwagen gibt es für Trainees.

Das toppt keiner der Konkurrenten. Lidl lässt sich seine Einsteiger 24 000 Pfund kosten und liegt damit in der Bandbreite, in der sich auch Tesco oder Sainsbury's bewegen. Hersteller berappen durchschnittlich 27 500 Pfund. Insgesamt, so das Fachblatt "The Grocer", liegen die Anfangsgehälter für Akademiker in der britischen FMCG-Branche besonders niedrig. Berater oder Banken seien weit weniger knauserig.

Auch andernorts punktet Aldi mit Geld. Trainees in Irland verdienen anfangs 60 000 Euro, nach drei Jahren sind es bereits 86 000 Euro. In den USA sorgte das Angebot von 20 Dollar pro Stunde für einen Manager-Trainee, samt Krankenversicherung und bezahltem Urlaub, auf der Internetseite alditexasjobs.com für Wirbel.

Ansehen der Händler hoch

Nicht-monetäre Faktoren spielen gleichfalls eine Rolle, betont Discountfachmann Matthias Queck vom Handelsanalysten Planet Retail. In Großbritannien ist das Ansehen der Händler traditionell hoch. Aldi habe in England früh und konsequent an seinem Image gefeilt, den Kunden Mehrwert geboten, seine Produkte erkennbar "speziell für UK" abgepackt - und wurde zum akzeptierten Anbieter.

Lidl-Artikel dagegen kommen in der gleichen Aufmachung daher wie in Dutzenden anderer Länder. So etwas strahle bei den Briten stärker als etwa in Deutschland auch auf die Arbeitgebermarke ab - positiv wie negativ.

Hierzulande kämpft der Handel nach wie vor mit seinem im Vergleich zur Markenartikelindustrie miesen Image. In den vom Berliner Trendence Institut regelmäßig erhobenen Lieblingsadressen deutscher Absolventen rangieren L'Oréal, Procter oder Coca-Cola weit vor Aldi Süd, Metro oder Rewe. Immerhin hat Aldi es geschafft, sich auf Platz 33 vorzuarbeiten. Dazu trägt das Spitzensalär von 62 000 Euro ebenso bei wie eine für Discountmaßstäbe offene Kommunikation.

Nach diesem Schema verfährt Aldi auch in UK. "Machen Sie sich auf die forderndste Arbeitserfahrung Ihres Lebens gefasst", heißt es im Web. Das erwarte man als Gegenleistung für "marktführende Konditionen". Ob er dafür das Zeug hat, kann der Interessierte unter aldirecruitment.co.uk im Selbsttest herausfinden. Kleiner Tipp: Die Antwort "Wait and see" bei Problemen kommt gar nicht gut. Wer sie anklickt, erhält als Kommentar "Viel Glück mit Ihrer Karriere - bei jemand anderem".

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