Abbrecher trotz Lehrstellenmangels

von Judit Hillemeyer
Freitag, 08. Dezember 2006
Trotz Lehrstellenmangels bricht jeder fünfte Azubi in Deutschland seine Ausbildung ab. So das Ergebnis einer Studie des CSC-Schulungszentrums in Ottweiler an der Saar.



An der Entwicklung, sagt Ausbilder-Trainerin Doris Weiler, seien nicht nur die jungen Leute schuld. "Die Qualität der Ausbildung hat in den vergangenen Jahren stark gelitten." Jeder zweite Ausbilder fühle sich überfordert. Häufig fehle es an der nötigen Zeit, sich um den Berufsnachwuchs zu kümmern. Defizite gebe es im menschlichen, didaktischen und methodischen Bereich.

Die Folgen sind zunehmende Ausbildungsabbrüche und teils miserable Prüfungsergebnisse. Während viele Betriebe die Schuld gerne einer unterdurchschnittlichen Schul-Vorbildung zuschieben, relativiert Weiler das Pauschalurteil: "Schlechte Schüler können Top-Lehrlinge sein, wenn man sie richtig führt, motiviert und ihnen Fachwissen mit der nötigen Kompetenz erklärt."

Unterschätzte Kompetenz

Unterschätzt werde nach wie vor der Faktor soziale Kompetenz. Mangelnde Vorbildung, geringe Motivation und wenig Eigenverantwortung der heutigen Lehrlingsgeneration ließen sich durch neue Ausbildungsmethoden kompensieren. "Wir müssen nicht nur in den Berufsnachwuchs, sondern in die Ausbildung der Ausbilder investieren", so Weiler.

Als erste Kammer in Deutschland bietet jetzt die IHK-Saarbrücken in Kooperation mit der SCS (Ottweiler) eine Seminarreihe zum zertifizierten Ausbildungscoach an. Die Lerninhalte der sechs dreitägigen Module enthalten unter anderem Praxis-Tipps für effektive sowie moderne Arbeits- und Lerntechniken, für den Umgang mit schwierigen Jugendlichen und den geschickten Einsatz der emotionalen Intelligenz am Arbeitsplatz. Lehrlinge empfinden sich nicht nur in Klein- und Mittelbetrieben oft als fünftes Rad am Wagen.

Jedes Jahr treten nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit rund 460.000 Jugendliche eine Lehre an, im Herbst suchten noch fast 50 000 eine Stelle. 118.000 brechen jedes Jahr eine begonnene Ausbildung wieder ab. Die Quote ist mit 26,7 Prozent in Berlin am höchsten, gefolgt vom Saarland (24) und Mecklenburg-Vorpommern (23,2). Die wenigsten Abbrecher werden nach einer Statistik des Deutschen Industrie und Handelstages in Baden-Württemberg (16) und Bayern (17,4) registriert. (juh)

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