Abflug ins Ausland

von Judit Hillemeyer
Freitag, 08. August 2008
Im Zuge der Globalisierung nimmt die Entsendung von Mitarbeitern deutlich zu. Deutsche Unternehmen sind laut der Studie "Nahe liegend", der Expatriate-Management-Umfrage von Deloitte, auf diese Entwicklung prinzipiell gut vorbereitet.



Mehrheitlich verfügen die befragten Unternehmen über umfassende und meistens auch standardisierte Entsenderichtlinien. Bei der Kostenkalkulation besteht jedoch noch Optimierungsbedarf. Zudem verzichtet fast die Hälfte der befragten Firmen auf IT-Prozessunterstützung.

Die Bereitschaft von jungen Mitarbeitern, ins Ausland zu gehen, ist auch heute noch vorhanden, erklärt Frank Hohns, Senior Manager Global Employer Services bei der Beratungsgesellschaft Deloitte, Düsseldorf. Diese sei aber abhängig von Lebensphasen wie der Familiengründung. "Ausländische Standorte in der Provinz sind allerdings nicht sehr attraktiv und damit weniger beliebt", so Hohns.

Chancen und Einschätzungen

"Wissenstransfer, Projektrealisierung oder Markterschließung - für die Entsendung von Mitarbeitern gibt es viele Gründe. Den Chancen und Vorteilen stehen aber einige Herausforderungen gegenüber - zum Beispiel bei der Einschätzung des Gesamtaufwands sowie einer standardisierten Abwicklung. Zwar haben die meisten der befragten Unternehmen interne Entsendungsrichtlinien, jedoch handhabt nur die Hälfte diese zentral durch die Personalabteilung, die übrigen setzen auf eine dezentrale Abwicklung über die jeweiligen Geschäftsbereiche", erklärt Hohns

Von den Befragten erstellen 86 Prozent eine Kostenkalkulation zur Budgetplanung. Jedoch gaben nur 37 Prozent an, hierbei alle entstehenden Kosten unter Berücksichtigung der direkten und indirekten Gehaltsbestandteile steuerlich hochrechnen zu können. Einige Unternehmen verzichten sogar gänzlich auf eine Berechnung der exakten Brutto- und Nettowerte bei den zu zahlenden Vergütungen.

Zudem bestehen bei vielen Firmen Unsicherheiten bezüglich Schulgebühren, Umzugskosten und Sprachkursen. 70 Prozent bereiten durch Schulungen ihre Mitarbeiter kulturell auf das neue Land vor. Die größte Fehleinschätzung aber betrifft die steuerliche Belastung, die aus solchen Faktoren resultiert - und die die Gesamtkosten um bis zu einem Drittel erhöhen kann.

Kein Problem ist für zwei Drittel der Unternehmen die Berechnung der Entsendevergütung - bei der Bestimmung der übrigen Kosten müssen aber 63 Prozent passen, da sie über keine geeigneten Instrumente verfügen.

Stille Reserven

Ein kritischer Punkt in vielen Unternehmen sind die Ressourcen: 43 Prozent gaben an, über nicht genügend Zeit sowie andere Ressourcen zu verfügen, um die Entsendeprozesse optimal zu handhaben. Allerdings setzt über die Hälfte auf Flexibilität und hält stille Reserven bereit, um auf veränderte Anforderungen reagieren zu können. Zwei Drittel der befragten Unternehmen schätzen ihre Prozessabläufe insgesamt als durchaus effizient ein, acht von zehn Teilnehmern haben an den wichtigsten Standorten qualifiziertes Personal zur Betreuung der Entsendeten.

"Nach Einschätzung der Unternehmen werden Entsendungen in den nächsten Jahren deutlich zunehmen. Um hierfür gerüstet zu sein, muss weiter auf einen weltweit einheitlichen Standard hingearbeitet werden. Die von uns Befragten sahen selbst noch erhebliche Optimierungspotenziale, insbesondere im Bereich der Kostenkalkulation und beim fehlenden Know-how in Steuerfragen", fasst Hans Geilen, Senior Manager Global Employer Services bei Deloitte zusammen. (juh)

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