Führung im Wandel Abschied vom Controller und Bewahrer

von Christiane Düthmann
Freitag, 05. Dezember 2014
In der schnelllebigen Wirtschaft ist Führung der zentrale stabilisierende Faktor. Das belegt der HR-Report, den das Institut für Beschäftigung und Employability und der Personaldienstleiter Hays vorgelegt haben. Zwischen Anspruch an Leadership und der Wirklichkeit in den Unternehmen klafft dabei eine erhebliche Lücke.
"Führung im Unternehmen ausbauen" – so lautet das wichtigste HR-Handlungsfeld. Es wird von Entscheidern und Personalexperten noch vor den Themen "Mitarbeiter binden" und "Unternehmenskultur weiterentwickeln" genannt. Neue Vergütungsmodelle oder die Förderung von Diversity stehen weniger im Fokus.

Das zeigt der HR-Report 2014/2015. Die Studie wurde zum vierten Mal in Folge vom Institut für Beschäftigung und Employability (IBE) der Hochschule Ludwigshafen und dem Personaldienstleiter Hays vorgelegt.

Als größte Herausforderung sehen die 665 online befragten Entscheider aus Deutschland, der Schweiz und Österreich das Managen von Veränderungen wie beispielsweise die digitale Transformation oder interne Restrukturierungen (72 Prozent). An zweiter Stelle steht der Umgang mit der steigenden Komplexität in den Organisationen (52 Prozent), gefolgt von der Wahrnehmung der Vorbildfunktion (44).

Die Umsetzung dieser Aufgaben allerdings lasse noch zu wünschen übrig: Nur gut jeder Zweite sieht sich in puncto Change Management bereits erfolgreich auf dem Weg. Jeweils ein knappes Viertel nimmt dies für sich mit Blick auf seinen Umgang mit Komplexität oder als Vorbild für die Mitarbeiter in Anspruch.

Diese hegen ebenfalls hohe Erwartungen an die Führungsriege. Vor allem regelmäßiges Feedback ist gefragt (71 Prozent), dicht gefolgt von dem Wunsch nach Motivation (69). Zwei Drittel der Beschäftigten wollen von ihren Vorgesetzten Entwicklungsmöglichkeiten aufgezeigt bekommen. Sechs von zehn fordern regelmäßige Mitarbeitergespräche.

Der Chef soll außerdem ein Ansprechpartner sein (56 Prozent), bei der Bearbeitung von Aufgaben Freiräume gewähren (53), Beziehungen im Team oder der Abteilung gestalten (48) und für die Vereinbarkeit von Beruf und Lebenssituation sorgen (44).

Ergebnisorientierung statt Anwesenheit

Angesichts dieser Wunschliste ist es kein Wunder, dass Manager sich vor allem darüber beklagen, zu wenig Zeit für Führungsaufgaben zu haben (79 Prozent). Mehr als jedem zweiten Studienteilnehmer fällt es schwer, seine Kontrollfunktion zu reduzieren und den Mitarbeitern mehr Eigenverantwortung zuzubilligen.

Eng damit verknüpft ist das Thema "Ergebnisorientierung statt Anwesenheitskontrolle". Für 48 Prozent der Befragten ist dies ein Stolperstein. Zu wenig Zeit für das operative Tagesgeschäft hingegen halten nur 9 Prozent für problematisch.

"Moderne Führung folgt neuen Mustern", kommentieren die Studienmacher ihre Ergebnisse. "Ihr Fokus hat sich in Richtung Mitarbeiterorientierung und weg von fachlichen Themen entwickelt."

Es gehe darum, die Kompetenz der Beschäftigten einzubinden und diese aktiv zu beteiligen. Ein schleppender Prozess. Denn viele Führungskräfte seien noch in ihrer alten Rolle als "Controller und Bewahrer" verhaftet. "Das wirkt sich zunehmend negativ auf das Geschäft und die Mitarbeiter aus", sagt Klaus Breitschopf, CEO von Hays.

(cd)

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